Kreis Lörrach Preiskampf belastet Obstbauern

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Tauschten sich aus über die Herausforderungen im Obstanbau: Josha Frey, Gert Willmann, Max Hagin, Markus Sütterlin, Fritz Hemmer Foto: zVg

Anlässlich seiner diesjährigen Sommertour hat sich der Grünen-Landtagsabgeordnete Josha Frey in Haltingen mit Vertretern des Kreisobst- und Gartenbauverbandes Lörrach getroffen. Dieser repräsentiert 430 Obstbaubetriebe, davon 106 Betriebe im Haupterwerb im Landkreis Lörrach.

Kreis Lörrach. Im Vordergrund des Gesprächs waren die in diesem Jahr vielfältigen Herausforderungen, mit denen die Obstbautreibenden bei ihrer Arbeit konfrontiert sind, wie aus einer Mitteilung des Abgeordneten hervorgeht.

Zunächst wurden die gesetzlichen Einschränkungen bei zahlreichen Schädlingsbekämpfungsmitteln thematisiert. Viele dürften nur noch mit kurzfristig erteilter Sondergenehmigung ausgebracht werden. Diese sind aus Sicht der Obstbauern mit Einschränkungen und geringerer Wirkung, die zum Beispiel den Kirschenanbau an den Rand des Machbaren bringen.

Ein weiteres Problem sei der Preiskampf in der Vermarktung. In dem Gespräch wurde deutlich, dass viele Obstbauern seit Jahren schon hochwertiges und umweltschonend produziertes Obst anbieten, wie von Politik und Verbrauchern zunehmend gewünscht. Der Markt sei allerdings von Billigobst aus Drittländern, die oft nicht nach deutschem Standard produzieren, überschwemmt. Aus Sicht des Kreisobst- und Gartenbaubands stehen die politischen Rahmenbedingungen nicht mehr im Einklang mit dem Willen zur Selbstversorgungssicherheit mit hochwertigen in Deutschland produzierten Produkten. Außerdem würden die derzeitigen Labels keinen eindeutigen Hinweis auf Produktionsstandards geben. Der Exportstopp von Obst und Gemüse im Zuge der gegen Russland verhängten Sanktionen verschärfe die derzeitige Lage. Der Lebensmitteleinzelhandel sehe es als zeitgemäß an, günstig Obst anbieten zu können. Aus dem Überangebot resultiere nach Aussage der Obstbauern ein Preiskampf, den sie aufgrund von steigenden Auflagen und Ausgaben für Diesel, Strom, Gas, Schädlingsbekämpfung, Pflanzenschutz und Dünger nicht gewinnen könnten.

Zunehmende Schwierigkeiten, ausreichend Personal zu finden und dieses nach den gesetzlichen Regelungen entsprechend zu bezahlen, verschärfe die Situation. Außerdem sei die in Aussicht gestellte Ausgleichshilfe von 107 Euro pro Hektar für den Obstbau viel zu gering.

Alle Beteiligten waren sich darüber einig, dass es wichtig ist, hochwertige regionale Produkte zu einem fairen und angemessenen Preis zu vermarkten, um zumindest noch einen Teil der Obstproduktion in der Region zu erhalten.

In diesem Zusammenhang wurde vom Vorstandsvorsitzenden der Egro Fritz Hemmer auch eine entsprechende Kennzeichnung der Produkte gefordert, um den Kunden ein transparentes Angebot machen zu können. „Wenn ‘regional’ drauf steht, dann muss auch ‘regional’ drin sein,“ erklärte Frey.

Landwirtschaft mitten im Transformationsprozess

Max Hagin, Vorsitzender des Kreisobst- und Gartenbaubands Lörrach, ergänzt: „Die Käufer müssen wissen, was sie von wem kaufen, mit welchem Pflanzenschutzstandard die Ware produziert ist, weshalb eine klare und eindeutige Kennzeichnungspflicht neu definiert vorgegeben werden muss. Wir haben oft das Gefühl, dass wir als Interessengemeinschaft mit unseren Anliegen nicht richtig gehört werden“.

Die Landwirtschaft befinde sich mitten in einem Transformationsprozess, stellt Josha Frey fest. „Es ist wichtig, zu gewährleisten, dass besonders kleinere Betriebe hier nicht zurückgelassen werden. Gleichzeitig müssen aber in einem Interessenausgleich auch Naturschutz und die Interessen von Verbraucher berücksichtigt werden. Dies will die Landesregierung mit einem Strategiedialog mit allen Beteiligten in den nächsten Monaten angehen.“

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