Kreis Lörrach Schweinepest rückt näher

Haben insbesondere Wildschweine im Visier: Die Jägers im Kreis Lörrach. Foto: Archiv

Kreis Lörrach - Die Frage dreht sich weniger darum, ob die afrikanische Schweinepest ausbricht, sondern wann und wo dies in Deutschland geschen wird. Das sagte Michael Kauffmann, Leiter des Dezernats IV Ländlicher Raum, im Rahmen des Jahrespressegesprächs. Für den Ernstfall ergreift der Landkreis Lörrach zahlreiche Vorkehrungen.

Die gute Nachricht vorweg: Zwischen dem südwestlichsten Zipfel der Republik und dem Gebiet in Belgien, wo die für den Menschen ungefährliche, aber für Schweine tödliche Infektionskrankheit im vergangenen Jahr erstmals in Westeuropa auftrat, liegen rund 270 Kilometer Luftlinie. Und: Anders als in Norddeutschland gibt es im Landkreis Lörrach keine großen Mastbetriebe, sondern überwiegend kleine Schweinehaltungen.

Dennoch: Auch hierzulande kann die afrikanische Schweinegrippe Fuß fassen, weshalb das Lörracher Landratsamt Vorsichtsmaßnahmen intensiviert, um für den Ernstfall gewappnet zu sein, wie Dezernent Michael Laßmann sagte.

Ein Blick über die Landesgrenze zeigt, dass die Seuche auf dem Vormarsch ist. In Belgien sind bislang 135 tote Wildschweine mit dem Erreger entdeckt worden. Auslöser soll ein infiziertes verschlepptes Lebensmittel gewesen sein, und auch im Kreis genügt ein einziges weggeworfenes Wurstbrot, um den Ausbruch Wirklichkeit werden zu lassen. Was das für die Schwarzkittel konkret bedeutet: Die Tiere bekommen nach drei bis vierzehn Tagen hohes Fieber, Durchfall, rote Augen und hören auf zu fressen. Am Ende des Krankheitsverlaufs sterben die Wild- oder Hausschweine fast immer.

Das Land Baden-Württemberg fürchtet nun eine Ausbreitung der Seuche, insbesondere, weil im Baltikum und Osteuropa, wo die Durchseuchung am größten ist, laut Friedrich-Löffler-Institut alarmierende Infektionszahlen zu beobachten sind. Wegen der potenziellen Einschleppung nahm die Jägerschaft in der Saison 2017/2018 besonders Wildschweine in deutschen Wäldern ins Visier. Laut Deutschem Jagdverband sind 836 865 Tiere erlegt worden – 42 Prozent mehr als im Vorjahr, und im Kreis Lörrach waren es vergangenes Jahr 1800 Wildschweine.

Auch im heimischen Kreis spielen in der Seuchenprävention die Jäger eine entscheidende Rolle, wie den Ausführungen Kauffmanns entnommen werden konnte.

Jäger helfen bei der Prävention

So hat der Kreis nicht nur seine Monitoringmaßnahmen im vergangenen Jahr intensiviert – es fanden insgesamt 257 Laboruntersuchungen erlegter Tiere sowie von Unfallwild statt – und im Dezember gab es eine Übung und eine außerordentliche Sitzung des Jagdbeirats, bei der eine Abstimmung von Maßnahmen auf der Agenda stand.

Jäger sollen nicht nur vermehrt Wildschweine ins Visier nehmen, sondern im Bedarfsfall die Fallwildsuche unterstützen, bei der es darum geht, verendete und infektiöse Tiere aufzufinden und diese zu Sammelstellen zu bringen. „Hierzu werden die Jäger geschult und mit der nötigen Schutzausrüstung ausgestattet“, sagte der Dezernent. Überdies richtet der Landkreis vier Verwahrstellen ein, welche die Jäger in Selbstorganisation betreuen könnten. Außerdem will das Land in Form eines Maßnahmenpakets zur Wildschweinjagd animieren. Gesellschaftsjagden sollen zukünftig auch sonntags stattfinden dürfen, Nachtsichttechnik kann per Antrag erlaubt und der Hundeeinsatz bei Jagden finanziell vergütet werden. Auch werden sogenannte Saufänge erprobt, um ganze Rotten einzufangen. Damit es nicht zum Ernstfall kommt, sollen osteuropäische Saisonkräfte sensibilisiert werden, keine Lebensmittel aus den Heimatländern mitzubringen oder Essensreste in der Natur zu entsorgen, um das Übertragungsrisiko zu minimieren.

Ein Auftreten der Schweinepest hätte gravierende Folgen: In einem Drei-Kilometer Radius um den Fundort müsste dann nach Fallwild gesucht und das Gebiet stärker bejagt werden. Negative Folgen hätte es auch für Mastbetriebe. Sollte es zu einem Fund im Bestand kommen oder der Betrieb in einer Kernzone eines bereits festgelegten Sperrgebiets liegen, müssten alle Hausschweine getötet werden. Anders als in Norddeutschland wären im Kreis Lörrach allerdings nur kleine Bestände betroffen, es gibt laut Kauffmann lediglich zwei Betriebe mit mehr als 800 Schweinen.

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