Kreis Lörrach Schweizer bleiben zuhause

In der Vergangenheit haben Schweizer Einkaufstouristen für volle Innenstädte gesorgt. Foto: Archiv

Kreis Lörrach - Corona sorgt für eine Entschleunigung des gesellschaftlichen Lebens. Davon betroffen ist auch der Einzelhandel: Für die grenznahen Schweizer Kantone sind die Grenzen zum Einkauf nach Deutschland nach wie vor offen. Allerdings besuchen immer weniger Schweizer Geschäfte diesseits der Grenze.

Daten des Projekts Monitoring Consumption Switzerland der Universität St. Gallen (HSG) zeigen es schwarz auf weiß: Während Schweizer in der Woche vom 12. bis zum 19. Oktober noch 25 Millionen Franken mit Bankkarten in Deutschland ausgaben, waren es in der Woche darauf nur noch 17 und eine später noch 15 Millionen Franken.

Das führt Claudius Marx, Hauptgeschäftsführer der IHK Hochrhein-Bodensee, im Gespräch mit unserer Zeitung auf mehrere Faktoren zurück. „Zum einen ist es die Einstufung der ganzen Schweiz als Risikogebiet. In der Folge dürfen nur noch Schweizer aus den grenznahen Kantonen, namentlich den beiden Appenzell, St. Gallen, aus dem Thurgau, Schaffhausen und Zürich, dem Aargau und den beiden Basel sowie Jura und Solothurn, ohne weitere Beschränkungen für bis zu 24 Stunden nach Baden-Württemberg einreisen. Für Schweizer außerhalb der Grenzregion, etwa aus Luzern oder Zug, gelten die Quarantäneregeln. Für den Einkaufstourismus bedeutet bereits diese Entwicklung einen Dämpfer.“

Wie eine Grenzschließung

Erschwerend komme der deutsche Teil-Lockdown hinzu. Der deutsche Einzelhandel dürfe zwar – unter strengeren Regelungen – geöffnet bleiben, viele wichtige Frequenzbringer, wie die Gastronomie, mussten ihr Geschäft aber schließen. Die Folge: „Die Innenstädte sind weniger attraktiv, und die Geschäfte leeren sich wieder, um so mehr, als der Bevölkerung zur Eindämmung der Pandemie nahegelegt wurde, auf vermeidbare Kontakte zu verzichten“, sagt Marx.

Und schließlich hielten die vielen Regeln Menschen davon ab, sich zu bewegen: Eine hohe Regelungsdichte und -komplexität könne faktisch wie eine Grenzschließung wirken.

Laut Marx reagiert der Handel unterschiedlich auf die Situation. „Manche Händler senden ihre Mitarbeiter nach Hause oder beantragen für sie erneut Kurzarbeit.“ Andere nutzten die Zeit, um verstärkt auf Plattformen aktiv zu werden oder andere digitale Strategien umzusetzen. Aber es gebe leider auch solche, welche die nachlassende Nachfrage nicht auffangen könnten und ihr Geschäft vorübergehend schließen müssten, weil das Offenhalten der Verkaufsflächen nicht mehr lohne und ihre Umsatzeinbrüche – anders als die der behördlich geschlossenen Unternehmen – nach dem aktuellen Stand der Hilfsmaßnahmen nicht entschädigt würden.

Enormer Schaden

Der Teil-Lockdown habe massive Folgen: „Der erste Lockdown im Frühjahr und die erste Grenzschließung haben beim stationären Einzelhandel einen enormen, nachwirkenden Schaden hinterlassen. Nicht mit dem Ende des Lockdowns, sondern erst mit der Wiedereröffnung der Grenzen hat sich die Branche erholt, die Umsätze waren zunächst erfreulich. Die Schweizer waren zurück und die Händler vermeldeten vielfach Umsätze wie vor Beginn der Pandemie. Optimistisch blickten deshalb viele auch Richtung Weihnachtsgeschäft“, erklärt Marx.

Nun fürchtet der Handel ein zweites Mal massive Umsatzeinbrüche, wenn über die inländischen Restriktionen hinaus auch die Schweizer Kundschaft abermals dauerhaft ausbleiben sollte. „Wir erhalten jetzt schon die Rückmeldungen von vielen Einzelhändlern, dass es eng werden würde, sollte sich die aktuelle und ungewisse Lage über Weihnachten hinaus oder sogar über Monate ziehen.“ Das Weihnachtsgeschäft mache etwa 20 Prozent des Jahresumsatzes aus, in einzelnen Branchen wie Spielsachen, Bücher, Uhren oder Schmuck liege es noch deutlich höher. „Ein Ausfall des Weihnachtsgeschäftes wäre deshalb doppelt misslich.“

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