Die „vielleicht spannendste Sitzung des Jugendhilfeausschusses in diesem Jahr“ hatte Sozialdezernentin Elke Zimmermann-Fiscella in einem Pressegespräch im Vorfeld angekündigt. In der ersten Sitzung nach der Sommerpause wurde ein erhöhter Personalbedarf für die Sozialen Dienste angemeldet und schließlich mit einer Enthaltung auch an den Kreistag weiterempfohlen.

Von Adrian Steineck

Kreis Lörrach. Das Institut für Sozialplanung und Organisationsberatung (Inso) hat in einem Qualitätsüberprüfungsprozess einen zusätzlichen Personalbedarf von 8,44 Stellen ermittelt. Grund dieser Überprüfung waren die gesetzlichen Anforderungen an die Jugendarbeit und die fachlichen Mindeststandards, die sich seit dem Jahr 2010 und der letzten Qualitätsüberprüfung „erheblich verändert“ haben, wie es in der Beschlussvorlage heißt.

Dabei lag besonderes Augenmerk auf dem Thema Kinderschutz, wobei laut Zimmermann-Fiscella aktuelle Fälle die fachliche Diskussion stark beeinflusst haben. Verlangt wird etwa eine Vorortprüfung im Tandem, also mit zwei Personen. Auch kürzere Reaktionszeiten bei Verdachtsmomenten und gestiegene Beratungsanforderungen der Pflegekinderhilfe spielen hier mit hinein. Zudem sollten gerade beim Kinderschutz mehrere Fachkräfte zusammenwirken. „Wir müssen auch einmal Leute von außen zuhören lassen“, sagte die Sozialdezernentin. Zudem sei eine stärkere Vernetzung notwendig, um nicht erst im Ernstfall, sondern bereits vorbeugend reagieren zu können. „Wir müssen durch das zeitnahe Angebot eines Beratungstermins verhindern, dass ein Fall zum Fall wird“, legte Zimmermann-Fiscella mit Blick auf die Sozialstrategie des Landkreises dar.

Pflegeeltern noch intensiver begleiten

Beim Pflege- und Adoptivkinderdienst soll die angestrebte Personalaufstockung dazu dienen, den Bestand der vorhandenen Pflegeeltern stabil zu halten und diese intensiver begleiten zu können. Nach Paragraf 37 des Sozialgesetzbuchs werden mindestens vier Hausbesuche in Pflegefamilien im Jahr verlangt. Insgesamt wurde beim Pflege- und Adoptivkinderdienst eine Personalaufstockung um 1,91 Stellen erforderlich. „Dieser Bedarf ergibt sich auch aus der hohen Teilzeitquote in diesem Bereich“, sagte die Sozialdezernentin.

In der Jugendgerichtshilfe sind 1,53 zusätzliche Stellen erforderlich. Auch diese ergeben sich aus den veränderten Mindeststandards. Generell müssten bei der Angebotssituation im Sozialraum die regionalen Gegebenheiten berücksichtigt werden.

Ein Bedarf von 0,87 Stellen ergibt sich aus der Zahl der Teilzeitarbeitsplätze, der sich laut Zimmermann-Fiscella aus einem hohen Frauenanteil unter den Beschäftigten ergibt. Sie verwies auch darauf, dass die Entwicklung der Jugendhilfe im Landkreis Lörrach eine positive ist, wie aus dem zuvor gehörten Bericht des Kommunalverbands für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (siehe unten stehenden Artikel) hervorging. Diese Entwicklung könne nur fortgesetzt werden, wenn die erforderlichen Personalressourcen zur Verfügung stünden.

Stellungnahmen der einzelnen Fraktionen

Landrätin Marion Dammann merkte zu dem Gehörten an, dass „wir uns angesichts der tragischen Fälle in Baden-Württemberg und andernorts mit dem Thema des erhöhten Personalbedarfs anfreunden müssen.“ Hanspeter Hüttlin (CDU) bezeichnete die zusätzlichen Stellen als „gute Investition“. Gabriele Weber (SPD) ergänzte: „Der Kinderschutz war uns immer wichtig, und wenn wir ihn haben, können wir ihn nicht alleine lassen.“ Margarete Kurfeß (Grüne) sprach angesichts von 8,44 zusätzlichen Stellen von einer „kräftigen Zahl“, die dem Kreistag schmackhaft gemacht werden müsse. Franz Kiefer (FDP) frage nach Schnittstellen mit anderen Bereichen, bei denen eventuell Stellen wegfallen würden. Hierzu meinte die Landrätin, dass sich diese Zahl nicht verändern lasse, und Finanzdezernent Alexander Willi verwies auf den Stellenplan, der eine Bruttobetrachtung sei. Michael Straub (Grüne) sagte, dass zu einer guten Jugendhilfe auch Leute gehören, welche diese ausführen. Bei der Abstimmung wurde die Beschlussvorlage mit einer Enthaltung an den Kreistag weiterempfohlen.