Kreis Lörrach Soziales Miteinander neu erlernen

Alexander Anlicker

„Corona und die Folgen“ lautet das diesjährige Schwerpunktthema der Aktion „Leser helfen Not leidenden Menschen“ unserer Zeitung. Mit den Folgen für Kinder beschäftigen sich auch das Familienzentrum Kinderland und die Pestalozzischule in Lörrach. „Gemeinsam am Tisch“ lautet der Titel des Kooperationsprojekts, das beide Einrichtungen im Zuge der Corona-Pandemie ins Leben gerufen haben.

Von Alexander Anlicker

Kreis Lörrach. Neben schulischen Lernlücken gehören auch soziale Defizite im Umgang der Kinder miteinander zu den Folgen der Pandemie und der Schulschließungen.

Was ist mit den Kindern passiert, diese Frage beschäftigte insbesondere die Rektorin der Pestalozzischule, Isolde Weiß. Vereinsamung sei ein ganz großes Thema, aber auch die Themen Identität und Selbstbild, berichtet sie. „Als die Kinder wieder zum Präsenzunterricht in die Schule kamen, wussten sie nicht mehr, wer bin ich, was kann ich, was sind meine Ziele, wie lerne ich, wie höre ich anderen zu oder wie diskutiere ich? Unsere Kinder haben das zum großen Teil verlernt“, stellt die Rektorin fest.

Das vor zirka zwei Monaten gestartete Projekt richtet sich primär an Kinder aus sozial schwachen und bildungsfermen Familien. Ihnen soll neben der Aufarbeitung der durch die Pandemie entstandenen Lerndefizite die Möglichkeit gegeben werden, soziales Miteinander zu erleben und zu erlernen.

Zielgruppe sind rund zehn Kinder des Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums im Alter von elf bis 14 Jahren und ihren jeweiligen Familien. Diese haben meist eine Lernbehinderung oder körperliche Beeinträchtigungen.

„Wichtig ist, dass sich die Kinder angenommen fühlen, jemand zuhört und sich für sie Zeit nimmt“, betont die Geschäftsführerin des Familienzentrum Kinderland gGmbH, Angelika Mauch.

Die Kinder werden im Rahmen des Projekts jeden Donnerstag von 12.30 bis 15.30 Uhr durch vier haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter betreut.

Sie treffen sich zum gemeinsamen Mittagessen und decken zuvor miteinander den Tisch. Anschließend bekommt jedes Kind individuell ausgerichtete schulische Unterstützung und Hausaufgabenbetreuung. In der dann noch verbleibenden Zeit gibt es Spiel- und Bastelangebote für die Kinder.

Das geregelte normale Umfeld, die ruhige Atmosphäre und Unterstützung beim Lernen seien so erfolgreich, dass die Kinder länger bleiben und täglich kommen wollen, sagt Mauch. Die kleine Gruppengröße und der Betreuungsschlüssel seien bewusst gewählt, um auf Qualität zu setzen, erklärt Mauch.

Gerne würde Mauch das Angebot ausbauen. In den Räumen des Familienzentrums gebe es noch an zwei Tagen Kapazitäten, um dann insgesamt drei Gruppen anbieten zu können. Bedarf gebe es auch an anderen Schulen, ergänzt sie.

Ein weiteres Ziel sei die Beratung der Eltern. „Uns geht es bei der Kooperation auch darum, das Familienzentrum als Ort zu erfahren“, sagt Weiß und verweist auf die „wunderbaren Möglichkeiten, sich zu treffen sowie Beratung und Austausch zu erfahren“. Manche Eltern kämen nicht so gerne abends in die Schule.

Die Zusammenarbeit der beiden Einrichtungen beschränke sich nicht nur auf das Projekt „Gemeinsam am Tisch“, berichten Weiß und Mauch. So absolvieren Schülerinnen und Schüler im Rahmen der Berufserkundung Praktika in den Häusern des Familienzentrums, sei es beim Hausmeister oder in den Kinderkrippen und -gärten.

Träger und Gesellschafter der Familienzentrum Kinderland Lörrach gGmbH ist der vor etwa 25 Jahren gegründete Verein Familienzentrum Lörrach. Ein Schwerpunkt liegt seit den Anfangsjahren bei Kindern im Alter von null bis drei Jahren mit Angeboten wie Krabbelgruppen und Pekip. „Familie endet nicht mit drei Jahren“, betont Mauch. So umfasst die Einrichtung mittlerweile vier Häuser und 80 Mitarbeiter.

Ein Bereich ist die Kinderbetreuung, welche die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sicherstellen soll. Dazu zählen die Krippen und Kindergartengruppen im Kinderland, Zwergenland, Minikindergarten und der Kita am Sonnenplatz. Der Fachdienst Kindertagespflege vermittelt Tageseltern und sorgt für deren Aus- und Weiterbildung. Hinzu kommt eine breite Palette an Beratungsangeboten und Elternkursen.

Bemerkenswert ist auch das Angebot „Die Tapferen Herzen“. Wenn Kinder trauern, können Kindertrauergruppen eine hilfreiche Unterstützung sein. Die Kinder und Jugendlichen finden hier Raum für den Austausch mit anderen Kindern, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.

Familienzentrum Kinderland Lörrach gGmbH, Baumgartnerstraße 14, 79540 Lörrach

Tel. 07621/163 39 50

E-Mail: info@kinderland- loerrach.de

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