Eine mögliche Aktivierung der Kandertalbahnstrecke für einen S-Bahn-Verkehr hat auf Antrag der SPD-Fraktion dieser Tage den Umweltausschuss des Kreistags beschäftigt. Hintergrund ist eine neuerliche Initiative regionaler Unternehmer, die das Projekt unterstützen. Insbesondere vor dem Hintergrund des erwartbaren Siedlungswachstums soll sich der Kreis erneut dem Thema widmen, forderte SPD-Fraktionschef Klaus Eberhardt.

Von Michael Werndorff

Kreis Lörrach. Vor einigen Jahren hatte der Kreis bereits eine Kosten-Nutzen-Analyse durchführen lassen, die zu keinem positiven Ergebnis führte. Nun soll sich das ändern: Die SPD-Kreistagsfraktion will das mögliche Projekt aktiv mit der Zuweisung weiterer Wohnbauflächen unterstützen. Der Regionalverband Hochrhein-Bodensee habe bereits bei seinem Vorentwurf eines Regionalplans eine regionale Entwicklungsachse hierfür konzipiert, erinnerte Eberhardt.

„Das Kandertal ist Einzugsgebiet für die gesamte Agglomeration, zudem müsse das Thema auch bei der Ortsumfahrung Rümmingen diskutiert werden“, sah er eine Neubewertung des Projekts angebracht. Auch habe die Diskussion um das Busliniennetz deutlich gemacht, dass hier Bedürfnisse bestehen. „Wir müssen der Initiative die Hand reichen“, forderte der SPD-Kreisrat.

Dass Politik und Kreis das Thema bereits auf der Agenda hätten, erklärte Erster Landesbeamter Ulrich Hoehler. So habe das Gremium die Erstellung des Leitbilds Kandertal, bei dem es auch um Fragen des öffentlichen Verkehrs gehe, mit einem hohen Geldbetrag aus Strukturfördermitteln unterstützt. „Alle sind sich einig, dass das Kandertal mehr öffentlichen Verkehr braucht, erste Schritte sind mit dem Regionalbus erfolgt“, wie Hoehler sagte. Auch entlang der Achse gebe es Defizite, die im Rahmen der Nahverkehrspläne abgearbeitet werden sollen.

Entwicklungsachse wird neu definiert

In Sachen Siedlungsentwicklung der Kommunen im Kandertal verwies der Erste Landesbeamte auf die neu zu definierende Entwicklungsachse des neuen Regionalplans. Dieser Prozess ist nach wie vor in der Leitbilderarbeitung, an der das Landratsamt, Agglobasel, der Regionalverband und Gutachter mitwirken.

Im zugehörigen Koordinierungsgremium ist CDU-Kreisrat und Kanderns Bürgermeister Christian Renkert vertreten. Er machte dem Gremium auf Nachfrage deutlich, dass man die Aktivierung der Strecke für den S-Bahn-Verkehr auf eine breite Basis der Zustimmung bringen könne. Und: „Wir sind überzeugt, dass der neue Regionalplan die weitere Entwicklungsachse bietet, die wir brauchen.“ Zudem hoffe er darauf, möglichst bald eine Studie aufzugleisen, mittlerweile versuche man, die ersten Planungsschritte zu machen. „Wenn das Vorhaben dann konkret wird, können Arbeitsgruppen mit Kreisräten gebildet werden, die im Kandertal wohnen“, so Renkert weiter. „Wir sehen uns auf einem guten Weg.“

Landrätin Marion Dam­mann kündigte an, das Thema erneut in der Herbstsitzung des Umweltausschusses auf die Agenda zu nehmen, nachdem Renkert erklärte, dass die Entwicklung des Kandertalleitbildes wohl Ende des Jahres unter Dach und Fach sein wird. Laut Dammann soll dann das weitere Vorgehen diskutiert werden.

Neuen Wohnraum erschließen

Christoph Hoffmann (FDP) begrüßte das Vorhaben. Der Kreis benötige eine derartige Entwicklungsachse, verwies er auf die notwendige Erschließung neuen Wohnraums. „Wir sollten uns nicht so viel Zeit damit lassen.“ Dass die Politik hier ein Zeichen setzen müsse, ergänzte Eberhardt.

Kritische Töne waren von Paul Renz (CDU) zu hören: „Wir sind die Letzten, die das nicht unterstützen würden. Was die Entwicklungsachse angeht, wird es aber auch betroffene Gemeinden geben, die keine positiven Signale senden werden.“

Dass in der Zukunft Elek­trobusse eine Alternative zur Bahn darstellen könnten, gab CDU-Kreisrat Bruno Schmidt zu bedenken. So könnte ein Verbreiterung der Straßen notwendig werden.