Kreis Lörrach Sport als Ausgleich zur Schule

Die Oberbadische, 14.02.2018 22:00 Uhr

Von Miriam Ermuth

Es ist Körperbewegung zu Musik, in der Natur, als Auseinandersetzung mit den Elementen, in der Mannschaft oder für sich alleine: der Sport. Für ihn finden die Schüler aus Lörrach und der Region seit G8 und Ganztagsschule immer weniger Zeit. Bei unserer derzeitigen Schülerpraktikantin Miriam Ermuth sieht das allerdings anders aus.

Mein Alltag ist sehr stark vom Sport geprägt – in der Schule und in der Freizeit. Ich bewege mich überaus gerne, vom Schwimmen und Tauchen über das Tanzen bis zum Joggen und den Ballsportarten. All diese Bewegungsmöglichkeiten drücken eine meiner Leidenschaften aus und auch wenn man sie nicht regelmäßig treibt, benötigen sie viel Zeit.

Da ich die Oberstufe der Rudolf-Steiner-Schule in Birseck (Kanton Basel Landschaft) besuche, in welcher der Schulstoff sich vervielfacht und ich an den meisten Tagen bis spätnachmittags im Klassenzimmer sitzen muss, bleibt mir oft nicht viel vom Tag übrig. Vergleicht man das jedoch mit den Schulzeiten hier in Lörrach und der Region, dann haben die Schüler in Deutschland, die sich nun acht anstatt neun Jahre lang auf das Abitur im Gymnasium vorbereiten müssen, länger und vor allem anderen Unterricht als bei uns in der Waldorfschule. Die in den Jahren 2012 bis 2015 eingeführten Maßnahmen der Schulreform G 8 machen es einem eben nicht leicht, am Ende eines langen Schultages noch Konzentration und Körperbeherrschung für den Sport aufzubringen. Es heißt nämlich nicht nur in der Schule „jetzt aufgepasst!“ oder „Zeit zum Lernen!“, sondern auch Zuhause wartet meist ein großer Berg an Arbeit auf einen. So ist es jedenfalls des öfteren in der Steiner-Schule, natürlich erst in der Mittel- und Oberstufe. Die Ganztagsschule hat das Ziel, die Hausaufgaben während des Tages unterzubringen.

Das meiner Meinung nach relevante handwerkliche und künstlerische Können wird in den Waldorfschulen besonders stark gefördert. Das bietet im Schulalltag natürlich eine gute Abwechslung zum anderen Stoff des Unterrichts, obwohl dieser nach dem Waldorf-Prinzip von Rudolf Steiner auch mit künstlerischen Elementen bestückt ist.

Ein gewöhnlicher Schultag unter der Woche sieht in etwa so aus: 7.55 Uhr ist Schulbeginn für alle, dann heißt es zweieinhalb Stunden lang: Epochenunterricht. Anders als in den staatlichen Schulen, wo man alle Fächer über die ganze Woche verteilt hat, lernen wir Waldorfschüler die Fächer Deutsch, Mathematik, Sachkunde, Kunst, Geschichte, Biologie, Geografie, Physik und Chemie in zwei- bis vierwöchigen Epochen. Nach einer 20-minütigen Pause folgt vor- und nachmittags der Fachunterricht.

Dieser beinhaltet zwei Fremdsprachen von der ersten Klasse an, handwerklich-künstlerischen Unterricht sowie Turnen und Gymnastik, Handarbeit, Singen, Orchester, Eurythmie, das ist eine Art der Bewegung, Religion, zudem ab der fünften Klasse verschiedene Handwerke, wie Schreinern, Hauswirtschaft und Schneidern im Wechsel mit Gartenbau, ab der zehnten Klasse Feldmessen und zum Beispiel Spinnen. In der elften und zwölften Klasse folgen Buchbinden und Technikunterricht. Nach einer ein- bis zweistündigen Mittagspause habe ich meistens bis um 16 oder 17 Uhr Schule. Wenn ich etwa Chemie und Mathe nacheinender habe und anschließend ein künstlerisches Fach wie Zeichnen, dann ist das eine Erholung für mich, und auch mein Gehirn fährt von dem ganzen Stress, der in jeder Schule üblich ist, runter.

Es ist eine Möglichkeit, sich zu entspannen und seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Wenn ich dann am späten Nachmittag nach Hause komme, fühle ich mich ausgeglichen. Dass wir Steinerschüler bis zur Oberstufe nicht benotet werden, ist sicher auch ein Anti-Stress-Faktor. Somit kann ich mich wohl glücklich schätzen, nach Schulschluss nicht körperlich und geistig total ausgelaugt zu sein und noch über genügend Energie zu verfügen, um die Sportschuhe zu schnüren.

In der letzten Zeit während des Schulsports, den ich auch außerordentlich gerne mache, fiel mir auf, dass meine größte Stärke im Handball liegt, obwohl ich das nie außerhalb der Schule gespielt habe. Jedoch schwimme ich schon seit Jahren, was eine gute Voraussetzung für die Ballsportart ist. Der überraschte Gesichtsausdruck der Jungs nach einem solch starken Wurf – einmalig!