Kreis Lörrach Sprung ins kalte Wasser lohnt sich

Nicht jeder Azubi ist ein guter Schüler. Manchmal braucht es Nachhilfe und enge Betreuung. Foto: Archiv Foto: Die Oberbadische

Für viele Unternehmen gestaltet sich nicht nur die Suche nach Fachkräften schwierig, bei potenziellen Auszubildenden ist die Lage kaum besser, wie Mariska Flöss vom Maulburger Unternehmen „EPS Holger Flöss“ weiß. Dort ist nach einem Praktikum der 22-jährige afghanische Flüchtling Farid beschäftigt. Er absolviert eine Assistierte Ausbildung (AsA) und bringt viel Durchhaltewillen und Talent mit.

Von Michael Werndorff

Kreis Lörrach. Es sei wie ein Sprung ins kalte Wasser gewesen, blickt Mariska Flöss zurück. „Mittlerweile kann Farid schwimmen“, wählt die Unternehmensangestellte einen passenden Vergleich, um die Schwierigkeiten zu Beginn der Ausbildung zu veranschaulichen. Farid, der am Freitag aus beruflichen Gründen nicht am Pressegesprächteilnehmen konnte, sei damals zunehmend an seine schulischen und sprachlichen Grenzen gestoßen, blickte Flöss zurück.

Frustrierend war, dass man anfangs keine Unterstützung bekam. Dann erhielt der junge Mann am Ende des ersten Ausbildungsjahres aber einen von jährlich 30 Plätzen in der AsA der Lörracher Agentur für Arbeit. Das Angebot der Behörde in Zusammenarbeit mit HBL (Hilfe für Beruf und Leben) und dem Internationalen Bund soll für ein stabiles Ausbildungsverhältnis sorgen. Die Azubis werden außerhalb der Arbeit im Betrieb zusätzlich zum regulären Unterricht von einem Ausbildungsbegleiter mit zusätzlichem Nachhilfeunterricht und sozialpädagogischer Betreuung unterstützt.

Potenzial muss berücksichtigt werden

Die Teilnahme ist kostenlos, erklärt Melanie Payer, Sprecherin der Lörracher Agentur für Arbeit. Wie Martin Kaiser, Leiter der HBL-Geschäftsstelle, ergänzt, gehe man individuell auf die Bedürfnisse der Betriebe und jungen Menschen ein. In Farids Fall, der eine Ausbildungsduldung hat, stehe unter anderem Nachhilfe bei der berufsbezogenen Sprache im Mittelpunkt. Aber auch bei Behördengängen helfe man, was laut Flöss eine große Erleichterung sei: „Das Angebot ist Gold wert.“

Nicht wenige Jugendliche benötigen Unterstützung, um eine Ausbildung erfolgreich absolvieren zu können. Auf das Potenzial von Schülernmit Lernschwierigkeiten könne man angesichts des Fachkräftemangels nicht mehr verzichten, merkt Payer an. Die Alternative wäre, weitere Leistungsbezieher zu haben.

Auch der letzte Azubi des Unternehmens EPS war schulisch schwach, dafür aber ein sehr guter Praktiker, sagt Flöss. „Ohne Hilfe hätte er es aber nicht geschafft.“ Dass es Informationsbedarf gebe, lässt die Unternehmensmitarbeiterin nicht unerwähnt.

Alle Firmen sollten von der Möglichkeit einer assistierten Ausbildung wissen. Zudem können die Betriebe die jungen Menschen stärker an sich binden, weil sie sich intensiver um sie kümmern.

Pluspunkt für Unternehmen

„Das ist ein großer Pluspunkt“, weiß Payer. Wenn sich ein Arbeitgeber meldet, ermittelt die Agentur für Arbeit den Hilfebedarf des Betroffenen, verweist Mandy Reiss, Teamleiterin Berufsberatung, auf ein abgestuftes System. „Jeder erhält die Hilfe, die er benötigt.“ Und: Ein Kooperationsvertrag, den alle Beteiligten abschließen, macht die Sache verbindlich. So wisse man, dass der Azubi gewillt ist und Durchhaltewillen mitbringt, die Ausbildung erfolgreich abzuschließen.

Farid ist jetzt auf einem guten Weg, wie zu erfahren war. Er startet bald in sein drittes Ausbildungsjahr, offen ist indes seine Bleibeper­spektive in Deutschland.

Weitere Informationen: Informationen zur Assistierten Ausbildung (AsA) erhalten Interessierte bei der Agentur für Arbeit unter der Tel. 07621/17 85 25 oder per E-Mail an loerrach.berufsberatung@arbeitsagentur.de.

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