Kreis Lörrach Standortfrage: Neue Variante im Spiel

Michael Werndorff
Wie soll die Struktur der Kreiskliniken vor Eröffnung des Zentralklinikums aussehen? Noch steht eine Entscheidung aus. Foto: Michael Werndorff/Michael Werndorff

Die Verwaltung prüft nichtöffentlich weitere Umstrukturierungsszenarien.

Empörung und eine mögliche Strafanzeige gegen Unbekannt stehen im Raum. Denn: Neue Pläne zur Umstrukturierung der Kreiskliniken sollten zunächst nichtöffentlich im Verwaltungsausschuss beraten werden. Ein Informant hatte derweil die Informationen der Badischen Zeitung zugetragen, die zuerst darüber berichtete.

Demnach sollte hinter verschlossenen Türen eine neue Standortvariante diskutiert werden: Angedacht ist, doch nicht die beiden Standorte Rheinfelden und Schopfheim zu schließen, sondern im Rahmen der Variante „3+“ Schopfheim zu erhalten, allerdings sollen auch dort Stationen dicht gemacht werden. Für Rheinfelden ist nach wie vor eine komplette Schließung vorgesehen.

Am wirtschaftlichsten

Laut Informant hat sich besagte Variante als am wirtschaftlichsten für die Kreiskliniken herausgestellt, deren wirtschaftliche Situation dramatisch ist. Damit steht der Eigenbetrieb des Landkreises aber nicht alleine da: „Demografie, Personalnöte, Finanznöte“ – mit diesen drei Schlagworten hatte jüngst Michael Weber, Präsident des Verbandes leitender Krankenhausärztinnen und -ärzte (VLK), „die riesigen Herausforderungen“ der Krankenhauslandschaft umrissen. Insbesondere die Inflation und die Tarifsteigerungen setzten den Krankenhäusern gerade zu, betonte der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Ingo Morell. So hieß es seitens der Kreiskliniken zuletzt, dass diese wegen Inflation, weiter steigenden Kosten für Honorarkräfte und rückläufigen Patientenzahlen für dieses Jahr von einem Fehlbetrag von voraussichtlich 34 Millionen Euro ausgingen.

Angesichts dieser finanziellen Situation sah die Geschäftsführung der Kliniken neben den beiden Alternativen des vorzeitigen Umzugs der Abteilungen in Rheinfelden oder Schopfheim eine weitere mögliche Option in der Konzentration aller Abteilungen in Lörrach.

Ergebnisoffener Prozess

„Ich möchte betonen, dass wir uns derzeit noch in einem ergebnisoffenen Prozess befinden und dabei sind, die Machbarkeit eines solchen Szenarios zu prüfen“, kommentierte Landrätin Marion Dammann das mögliche Szenario.

Und nun steht eine weitere Option im Raum, zu der die Kreiskliniken auf Nachfrage unserer Zeitung wie folgt Stellung beziehen: „Es gibt verschiedene Szenarien, für deren Umsetzungsbewertungen strategische, prozessuale und wirtschaftliche Aspekte bewertet wurden. Berücksichtigt wurde vor allem auch, was für die Patienten sowie die Mitarbeiter am sinnvollsten ist. Welche Stationen vor dem Bezug des Neubaus an andere Standorte ziehen werden, steht am Freitag erneut auf der Agenda des Aufsichtsrats.“ Nächsten Mittwoch wird sich dann der Kreistag mit der Thematik befassen, der dann auch den Kreishaushalt 2024 verabschiedet wird.

Dass die Informationen schon vorab an die Öffentlichkeit gelangten, löste bei Kreisräten und Verwaltung Empörung aus: „Das kommt jetzt zum falschen Zeitpunkt“, verwies die Landrätin auf eine unvollständige Sitzungsvorlage und ein schwebendes Verfahren.

Das Landratsamt teilte mit: „Dass die Unterlagen nun schon an die Öffentlichkeit gelangt sind, bevor alle Sachverhalte geklärt sind, trägt nach unserer Meinung daher weder zur Transparenz bei, noch dient es der Sache, sondern verursacht lediglich Verunsicherung und Unruhe.“ CDU-Kreisrat Peter Schelshorn regte angesichts der Verletzung der Verschwiegenheitspflicht eine Strafanzeige gegen Unbekannt an.

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