Kreis Lörrach Strafanzeige wegen Corona-Infektionen in Kreiskliniken

Dass es zwei bis drei Tage dauert, bis das Ergebnis eines PCR-Tests vorliegt, entspricht nicht den Tatsachen, meint der Internist Fritz Lenz im Gespräch mit unserer Zeitung. Foto: Die Oberbadische

Kreis Lörrach -  Die Corona-Ausbrüche in den Kreiskliniken Lörrach mit Todesfolge bei Patienten beschäftigen jetzt auch die Justiz. Der ehemalige Unabhängigen-Kreisrat und Internist Fritz Lenz hat bei der Lörracher Staatsanwaltschaft Strafanzeige erstattet.

Strafanzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung

Lenz hat Strafanzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung zum Teil mit Todesfolge erstattet, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagt. Den Eingang der Anzeige bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung Oberstaatsanwältin Karin Sattler-Bartusch. „Die Staatsanwaltschaft Freiburg – Zweigstelle Lörrach – hat die zuständige Polizeidienststelle mit den erforderlichen Abklärungen beauftragt.“ Mehr wollte Sattler-Bartusch zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Im Vorfeld berichtete die Badische Zeitung. An das Blatt hatte sich ein Mediziner gewandt, der anonym bleiben will. Der Klinikenmitarbeiter machte deutlich, dass die Corona-Ausbrüche mit Todesfolge vermeidbar gewesen wären. Die Ursache sah er in einer unzureichenden Teststrategie der Kreiskliniken (wir berichteten).

Klinken setzen auf Antigenschnelltests

Während die Strategie des Bundes empfiehlt, Patienten vor Aufnahme sowie vor ambulanten Operationen vorzugsweise mit einem PCR-Test auf eine mögliche Infektion hin zu untersuchen, nutzen die Lörracher Kreiskliniken für Patienten ohne Corona-Symptome einen Antigenschnelltest, der im eigenen Labor ausgewertet wird.

Die Klinikleitung verteidigte ihre auf acht Beinen ruhende Teststrategie (wir berichteten mehrfach). Zudem erklärte Bernhard Hoch, medizinischer Geschäftsführer der Kreiskliniken, im Rahmen eines Pressegesprächs, dass die Kliniken nicht in der Lage seien, PCR-Tests vor Ort auszuwerten. Sie würden deshalb in ein Labor gebracht. „Dann kann es dauern, bis das Ergebnis da ist. In dieser Zeit müssen Patienten isoliert werden – und dazu haben wir nicht die nötigen Zimmerkapazitäten.“

Lenz widerspricht Darstellung der Klinik

Dass es zwei bis drei Tage dauere, bis das Ergebnis des PCR-Tests vorliege, entspreche nicht den Tatsachen, sagt Lenz gegenüber unserer Zeitung. „Meine ehemalige Gemeinschaftspraxis erhält das PCR-Ergebnis nach einem Tag. Das Freiburger Labor hat einen Fahrdienst, der die Laborproben zweimal täglich abholt. Es ist einfach, es per Anruf so zu organisieren, dass diese umgehend untersucht werden und das Ergebnis innerhalb eines Tages vorliegt.

Dann kann ein PCR-positiver Patient gefahrlos für die Umgebung in Quarantäne kommen, weil er 24 Stunden nach negativem Schnelltest erst allmählich infektiös wird. Wenn die Organisation stimmt, gibt es keine Probleme.“

Dies habe auch das Freiburger Labor bestätigt. Lediglich vor einem Jahr – zu Beginn der Pandemie – hätte es Probleme mit den Lieferketten für die notwendigen Testmaterialien gegeben. Dies sei aber längst vorbei.

Kreiskliniken bestätigen 24 Todesfälle

Gegenüber der Presse bestätigten die Kreiskliniken am 7. April, dass seit Beginn der zweiten Corona-Welle 24 Todesfälle dem Ausbruchsgeschehen innerhalb der Krankenhäuser zugeordnet werden könnten. Trotzdem halte man an der eingeschlagenen Teststrategie bei der Aufnahme von Patienten fest. In den letzten Tagen meldeten die Kliniken insgesamt 16 Corona-Fälle in ihren Rheinfeldener Standort

Lenz zeigt sich mit dem Vorgehen nicht einverstanden. „Für mich lässt die Pressekonferenz erkennen, dass die Verantwortlichen in der Klinik keine Einsicht zeigen. Schon der Corona-Ausbruch auf der ersten von fünf Stationen hätte die Alarmglocken läuten lassen müssen. Durch die dann notwendigen Hygienemaßnahmen wären weitere Infektionen und Todesfälle durch Fahrlässigkeit vermeidbar gewesen“, schreibt er in seinem Brief an die Staatsanwaltschaft.

Manchmal sei es schon sehr problematisch, wenn es bei einem Kreisklinikum viele mögliche Verflechtungen gibt, verweist er auf Landratsamt, Gesellschafter, Gesundheitsamt, Aufsichtsrat, Geschäftsführung und ärztliche Leitung, die bei vielen Entscheidungen berücksichtigt werden sollen.

Und weiter: „Es besteht ein öffentliches Interesse daran, dass dieser Skandal untersucht und seine Ursachen beseitigt werden, zumal die Kliniken diese Patienten gefährdende Strategie fortführen wollen. Und dies ist nicht mehr nur fahrlässig!“

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