Kreis Lörrach IHK hält Totalverbot für unangemessen

Das Gebot der Stunde sei die Nutzung aller Spielräume, die der vorrangige Schutz der Gesundheit der Menschen zulasse. Und das bedeute auch, bald die Hoteliers und Gastronomen in den Blick zu nehmen, die bis heute am meisten litten, meint die IHK Hochrhein-Bodensee. Foto: Die Oberbadische

Kreis Lörrach - Die IHK Hochrhein-Bodensee begrüßt die Lockerungsmaßnahmen der Coronaverordnung im Einzelhandel als einen ersten Schritt in die richtige Richtung.

„Es ist zur Stabilisierung von Wirtschaft, Arbeit und Gesellschaft notwendig, dass wir keinen Tag versäumen, an dem die erfolgreiche Eindämmung der Pandemie es erlaubt, zur Normalität zurückzukehren“, lässt sich Claudius Marx, Chef der Industrie- und Handelskammer, in einer Pressemitteilung zitieren.

Unzufrieden ist Marx dagegen mit der Beschränkung auf maximal 800 Quadratmeter Verkaufsfläche. „Dieses quantitative Kriterium halten wir für ausgesprochen unglücklich gewählt. In rechtlichen Kategorien gesprochen fehlt ihm fast alles, was von einer belastenden Regelung verlangt werden muss – die Eignung, die Erforderlichkeit und die Angemessenheit“, ist Marx überzeugt.

In den überwiegend kleinen und mittleren Städten der Region sei gar kein übermäßiger Publikumsverkehr zu befürchten, wenn ein oder zwei Modehäuser die Flächengrenze überschritten – erst recht nicht, wenn infolge der Grenzschließungen nahezu die Hälfte der Kundschaft ausbleibe. An der Erforderlichkeit bestünden erhebliche Zweifel, weil sich ein milderes Mittel aufdränge – die Abtrennung eines Teiles der überschießenden Verkaufsfläche, wie dies etwa im Saarland erlaubt werde. Und schließlich sei es unangemessen, einzelne Einzelhändler mit einem Totalverbot zu belasten, um den Publikumsverkehr in allen anderen Geschäften einzudämmen.

IHK appelliert an Landesregierung

„Die Händler mit großen Verkaufsflächen haben zurecht das Gefühl, dass hier eine Regelung getroffen wurde, die sie ohne Not unangemessen belastet, auch gegenüber Shopping-Malls, die in ihrer Gesamtheit viele Kunden anziehen, in der Beurteilung aber zurecht mit den einzelnen Geschäften betrachtet werden.“

Marx appelliert an die Landesregierung, ihre Richtlinien an dieser Stelle anzupassen, und verweist auf die Regelung im Saarland.

„Auch unsere Einzelhändler sind bereit und in der Lage, eine Regelung wie die im Saarland umzusetzen. Sie haben bereits den Lockdown genutzt, um für ihre Geschäfte Sicherheitskonzepte zu erarbeiten, damit bei einer Wiedereröffnung die Einhaltung der Hygienestandards zum Schutz von Personal und Kundschaft jederzeit und umfassend gewährleistet ist“, so Marx.

Das Gebot der Stunde sei die Nutzung aller Spielräume, die der vorrangige Schutz der Gesundheit der Menschen zulasse. Und das bedeute auch, bald die Hoteliers und Gastronomen in den Blick zu nehmen, die bis heute am meisten litten.

Lesen Sie das ePaper bis zum Jahresende für nur 39 Euro! Jetzt HIER anfordern.

Umfrage

Peter Altmaier

Angesichts zunehmender Coronavirus-Neuinfektionen plädiert Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier für härtere Strafen bei Verstößen gegen die Corona-Regeln. „Wer andere absichtlich gefährdet, muss damit rechnen, dass dies für ihn gravierende Folgen hat“, sagte Altmaier der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Teilen Sie seine Ansicht?

Ergebnis anzeigen
loading