Kreis Lörrach „Uns fielen abends die Augen zu“

Mehrere Hundert Personen konnten im Zuge des Contact-Tracings im Landkreis gewarnt werden. Foto: Die Oberbadische

Kreis Lörrach - Das Gesundheitsamt Lörrach hat in der Hochphase der Pandemie eine arbeitsintensive Zeit erlebt. Vorrang hatte die Rückverfolgung der Infektionsketten. Hunderte Menschen mussten kontaktiert werden. Als Schnittstelle zu anderen Behörden habe man in einem großen Verwaltungsakt alle relevanten Informationen bündeln und weiterleiten müssen, berichtet Monic Scheu-Dabidian, stellvertretende Sachgebietsleiterin für Infektionsschutz, im Gespräch mit unserer Zeitung.

„Es fielen viele Überstunden an und manchmal sind uns am Abend im Büro fast die Augen zugefallen, schildert Scheu-Dabidian die Arbeitsauslastung in den interdisziplinären Teams. Die Kontaktverfolgung war sehr zeitaufwendig, funktionierte dank der guten Mitarbeit der benachrichtigten Bürger aber reibungslos.

Viele Meldungen der zentralen Abstrichstellen, der Ärzte und Labore erfolgten per Fax und mussten manuell in die Meldesoftware eingegeben werden. „In unserer eigens eingerichteten Datenbank werden von den zuständigen Stellen alle positiven Corona-Befunde gemeldet. Wir erhalten somit auch die dort registrierten Kontaktdaten der Erkrankten und können diese umgehend kontaktieren, um eine 14-tägige Quarantäne anzuordnen. Zu den Daten gehörten die Telefonnummer, Adresse oder E-Mail der betroffenen Personen.

„Die meisten Menschen reagieren mit Verständnis auf die angeordnete Quarantäne. Manche meinen, sie hätten aber keine Symptome und seien demnach auch nicht krank.“ Daher seien Aufklärungsgespräche nötig, um über die unterschiedlichen Verlaufsformen von Covid-19 aufzuklären.

Am Telefon werden die Lebenssituation, das Wohnverhältnis, Alter und mögliche Vorerkrankungen der Erkrankten abgefragt. Wichtig ist, festzustellen, wie viele Personen auf der Arbeit, im Wohnumfeld oder auch bei der Ausübung eines Hobby im Verein dem Virus ausgesetzt worden waren. Über die Angaben müssten dann alle Verdachtsfälle verständigt werden. Dies könne durch Einführung der Covid-19-App erleichtert werden. „Ich sehe diese Anwendung als sinnvolle Ergänzung an – unter der Voraussetzung, dass sie auch von genügend Menschen benutzt wird und die positiv Getesteten über die App ihren Befund mitteilen.“

Eine der zentralen Fragen sei, wann die Symptome einsetzten. Dies müsse abgeklärt werden, um die Dauer der Isolation festsetzen zu können. „Mittlerweile wissen wir, dass die Menschen bereits zwei Tage vor den ersten Anzeichen einer Erkrankung ansteckend sind und ziehen daher zwei Tage vom gemeldeten Zeitpunkt ab. Von diesem Datum ausgehend werden dann die 14 Tage festgelegt bis zum Zeitpunkt, wo die Personen in der Regel wieder gesund und nicht mehr ansteckend sind.“

Nachdem Infizierte isoliert wurden, müssten diese täglich Kontakt zur Behörde halten und ihr den Verlauf der Krankheit melden. Viele Symptome deckten sich mit denen, die vom RKI publiziert wurden. Dazu zählten insbesondere Abgeschlagenheit, Schmerzen und der Verlust des Geschmacks- sowie Geruchssinns. Eine über 80-jährige Frau berichtete zum Beispiel, dass es ihr sehr gut gehe und sie weiter im Haus ihre Arbeiten verrichte, während ein 30-jähriger, sportlicher Mann ohne Vorerkrankung mit starken Fieberschüben das Bett hüten musste, erinnert sich Scheu-Dabidian an zwei außergewöhnliche Einzelfälle.

Zu Beginn der Krise war die Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden im Elsass und in der Nordwestschweiz wichtig. „Wir hatten einige Fälle, die in den Landkreis eingeschleppt wurden. Die Leute, die sich im Ausland hatten testen lassen und ein positives Ergebnis aufwiesen, wurden dem Landesgesundheitsministerium gemeldet, das die Befunde an uns weiterleitete.“ Aber auch der direkte Kontakt zu den Ämtern funktionierte bei dringenden Fälle gut.

Zur Hochphase der Pandemie, Anfang April, wurde die Zahl der Vollzeitstellen für das Gesundheitsamt von 22,5 auf 43 erhöht. Diese entfielen auf 52 Mitarbeiter. Dazu kam ein Pool aus weiteren 30 Beschäftigten in Teilzeit für die Corona-Hotline, die sich um die Anfragen der Bürger kümmerten. Zudem mussten Leistungen wie unter anderem die HIV-Sprechstunde, Prävention oder die Selbsthilfekontaktstelle zurückgefahren werden.

Mittlerweile wurde der Betrieb personell heruntergefahren, und mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von unter 2 sei das Infektionsgeschehen im Landkreis seit Wochen recht überschaubar. Trotzdem will Scheu-Dabidian nicht aufatmen. „Die Möglichkeit einer zweiten Pandemie-Welle sitzt uns allen im Nacken. Wir müssen also wachsam bleiben und die Hygiene-Vorschriften und Abstandsregeln weiterhin einhalten“, appelliert die Fachfrau an die Bürger.

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