Kreis Lörrach Viele Betriebe könnten untergehen

Michael Werndorff
Die Gastronomie und Hotellerie steht vor dem nächsten Corona-Herbst, der von einer möglichen Energiekrise überschattet wird. Foto: pixabay

Von Michael Werndorff

Kreis Lörrach. Die Touristen kommen in Scharen, Hotellerie und Gastronomie im Landkreis Lörrach verbuchen wieder Vor-Corona-Zahlen. Eigentlich könnte es nicht besser laufen, doch die drohende Energiekrise und eine wahrscheinliche Coronawelle in der kalten Jahreszeit lassen Mike Kiefer, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands, mit Sorge in die Zukunft blicken.

Während das geplante Corona-Schutzkonzept der Bundesregierung für den Herbst und Winter im politischen Berlin für erhitzte Gemüter sorgt, zeigt Kiefer Verständnis für das Vorgehen. „Nichts zu unternehmen, wäre jedenfalls der falsche Ansatz“, sagt er mit Blick auf den Corona-Herbst und die jetzt diskutierten Maßnahmen: Das Konzept ermöglicht ab Oktober unter anderem die Einführung einer Maskenpflicht in Geschäften oder Behörden. Die Entscheidung darüber sollen die Bundesländer jeweils für ihr Gebiet selbst treffen.

Viel Kritik

Viel Kritik gibt es an dem Vorhaben, Menschen von Maskenpflichten bei Kultur- und Sportveranstaltungen sowie in Restaurants zu befreien, wenn ihre Impfung nicht älter als drei Monate her ist. Manche Kritiker sprechen von einem „Drei-Monats-Impfabo“. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach erklärt in diesem Zusammenhang, dass eine Maske im Restaurant nicht viel bringe, weil man sie am Tisch und beim Essen ohnehin abnehmen dürfe. Deshalb setze man auf den Nachweis einer maximal drei Monate alten Impfung oder eines aktuellen Tests.

Aufwand wird steigen

„Der Aufwand im Gastro-Bereich wird wieder steigen, weil Servicekräfte die Gäste kontrollieren müssen“, meint Kiefer. Es müsse auch wieder mit sinkenden Umsätzen gerechnet werden, führt er weiter aus. Immerhin soll es nach den Plänen der Bundesregierung keinen Lockdown mehr geben. „Den können wir uns auch nicht mehr erlauben“, kommentiert der Zeller „Löwen“-Wirt die Ansage aus Berlin.

Derzeit atmeten viele Unternehmen nach der langen Corona-Durststrecke auf. Die steigenden Energiekosten und allgemeinen Preissteigerungen würden aber schon jetzt eine Belastung darstellen. Richtig schlimm werde es im Falle einer Gasmangellage. „Dann hat die gesamte Wirtschaft das Nachsehen.“ Viele Betriebe im Landkreis Lörrach, die Corona überlebt hätten, dürften infolge einer Energiekrise auf der Strecke bleiben, warnt Kiefer.

Gastgewerbe ist Verlierer

Ein weiteres Übel: der Personal- und Fachkräftemangel in Kiefers Branche. Zahlen belegen es: Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft ist das Gastgewerbe eindeutig Verlierer der Corona-Pandemie: Gaststätten und Hotels verloren allein im Jahr 2020 rund 216 000 Beschäftigte. Mitarbeiter sind in andere Branchen abgewandert, unter anderem in den Handel. „Viele Kollegen suchen händeringend. Der Markt ist leergefegt“, berichtet der Vorsitzende. Es würden sogar Lehrlinge aus Marokko und Tunesien angestellt. Das sei aber aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse bisweilen eine Herausforderung. Schon jetzt ist klar, dass sich seine Branche, so wie es sich jetzt darstelle, mittelfristig ändern werde. Allein schon aus Altersgründen würden nach und nach viele Betriebe im Landkreis Lörrach schließen.

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