Kreis Lörrach Viertes Teil im Autobahnpuzzle

Peter Ade
Gesperrt ist derzeit noch die Auffahrt zur A 98.4 bei Rheinfelden-Minseln. Die Freigabe für den Verkehr erfolgt am kommenden Montag. Foto: Peter Ade

Im unendlich scheinenden Puzzle um die Fertigstellung der Hochrheinautobahn A 98 folgt am kommenden Montag die Freigabe des 2,8 Kilometer langen Teilstücks zwischen dem Dreieck Hochrhein und der Anschlussstelle bei Rheinfelden-Minseln. Wichtigstes Bauwerk der „A 98.4“ ist der Herrschaftsbucktunnel auf dem Dinkelberg – Gesamtkosten: 37,5 Millionen Euro.

Von Peter Ade

Kreis Lörrach. Die Autobahn A 98 gilt für die Region als wichtige West-Ost-Verbindung. Nördlich von Rheinfelden bildet der rund 480 Meter lange Herrschaftsbucktunnel mit zwei Röhren das Kernstück des neuen Abschnitts. Die Nordröhre hat eine Gesamtfahrbahnbreite von 7,50 Metern mit zwei Fahrstreifen in Fahrtrichtung Waldshut-Lörrach. Die Südröhre hat insgesamt drei Fahrstreifen: zwei für die Fahrtrichtung Lörrach–Waldshut, eine für die Richtung Rheinfelden-Waldshut. Die Gesamtfahrbahnbreite der Südröhre beträgt elf Meter.

Herber Rückschlag

Beide Tunnelröhren haben seitliche Notgehwege mit einer Breite von jeweils einem Meter. In der Tunnelmitte sind sie mit einem Querschlag verbunden, damit im Notfall eine schnelle Rettung möglich ist.

Der Tunnelbau begann Ende Juli 2017. Der schwierige Baugrund war eine Herausforderung mit Ausbruchsquerschnitten von bis zu 160 Quadratmetern. Außerdem gab’s erhebliche Erdbewegungen: Etwa eine halbe Million Kubikmeter Aushub wurde in einen benachbarten Steinbruch abgefahren. Eine weitere Million kam zur Seitenablagerung Waidhof nahe der Anschlussstelle Lörrach-Ost.

Während nunmehr bei Teilstück vier der A 98 Licht am Ende des Tunnels zu erkennen ist – die Etappe wird am kommenden Montag freigegeben – erlebt der fünfte Streckenabschnitt zwischen Karsau und Schwörstadt einen herben Rückschlag. Wie erst kürzlich im Kreis-Umweltausschuss bekannt wurde, muss das Teilstück in ein überarbeitetes Planfeststellungsverfahren. Mit Baubeginn kann bestenfalls 2027 gerechnet werden.

Die Enttäuschung war groß: „Heute ist ein Tag der Ernüchterung“, stellte CDU-Fraktionschef Paul Renz nach dem Vortrag von Martin Ciolek, Geschäftsbereich Planung der Autobahn GmbH, zum Sachstand der A 98.5 Karsau-Schwörstadt fest. Ciolek erklärte, dass die Planfeststellung neu erarbeitet werden müsse.

Wie der Experte berichtete, ist die Zuständigkeit für die Planung vom Regierungspräsidium Freiburg auf die Autobahn GmbH des Bundes übergegangen. Seit Ende 2017 befand sich der Abschnitt im Planfeststellungsverfahren. „Jetzt müssen wir die Unterlagen überarbeiten und die Trasse optimaler in die Landschaft einbinden“, kündigte Ciolek an. Mit dem Baustart sei frühestens im Jahr 2027 zu rechnen, realistisch sei aber 2029.

Lärmschutz überarbeiten

Grund für die Rolle rückwärts ist nicht zuletzt eine Verkehrsstudie, die eine Überarbeitung des Lärmschutzes entlang der A  98.5 nötig macht. Ciolek: „Die Verkehrsuntersuchung hat uns an die Wand genagelt.“

Gut sei, dass der Sachverhalt rechtzeitig erkannt wurde, befindet Landrätin Marion Dammann, denn Lärmschutz sei essenziell. Die Verkehrsentwicklung erläuterte Deges-Projektleiter Johannes Kuhn in seinem Sachstandsbericht zum Abschnitt 6 Schwörstadt–Murg. Auf der A 98.4-2 etwa rechnen die Planer um das Jahr 2040 mit 42 300 Fahrzeugen, davon 4500 Lkw in 24 Stunden. Positiv: Die Ortschaften entlang der B 34 würden durch die Verlagerung auf die Autobahn merklich entlastet.

Dass man sich lange auf die Planfeststellung gefreut habe, unterstreicht auch Christine Trautwein-Domschat. Schwörstadts Bürgermeisterin zeigt sich entsetzt und verweist auf die hohe verkehrliche Belastung in den Gemeinden.

„Auf Rekordniveau“

Im Regierungsbezirk Freiburg wurden zuletzt rund 370 Millionen Euro aus Mitteln des Bundes und des Landes in den Straßenbau investiert. „Das sind Investitionen auf Rekordniveau. Wir konnten die Bau- und Planungsaktivitäten trotz Corona steigern und damit während der Pandemie auch die regionale Wirtschaft fördern. Besonders freut es mich, dass 135 Millionen Euro in den Erhalt der bestehenden Straßen geflossen sind. Wenn wir das bestehende Netz nicht in gutem Zustand erhalten, dann bringen uns Neuinvestitionen nichts“, sagte Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer anlässlich der Veröffentlichung der jüngsten Straßenbaubilanz durch das Verkehrsministerium. 

In den Bau von Autobahnen und Bundesstraßen wurden im Regierungsbezirk Freiburg im Jahr 2020 insgesamt rund 270 Millionen Euro investiert. In den Bau von Landesstraßen und die Planung von Straßenprojekten flossen rund 90 Millionen Euro. Enthalten sind dabei neben Ausgaben für den Straßenverkehr auch rund sieben Millionen Euro zur Verbesserung der überörtlichen Rad- und Fußwege. Außerdem konnten mit rund zehn Millionen Euro kommunale Infrastrukturprojekte gefördert werden. 

Schon 1960 geplant

Die heutige Planung der A 98 geht zurück auf erste Konzeptstudien der frühen 1960er Jahre. Angedacht war seinerzeit eine durchgehende Autobahn von der A 5 bei Weil am Rhein entlang des Hochrheins und des Bodensees bis an die bayerische Landesgrenze; kurz: Hochrhein-Bodensee-Autobahn. Anfang der 1980er Jahre wurde die Planung jedoch aufgrund massiver Widerstände in der Bevölkerung zugunsten eines Ausbaus der Bundesstraße 31 aufgegeben.

Im Jahr 1985 kam der westliche Teil der Trasse als „Hochrheinautobahn A 98“ von Weil bis Lauchringen an der Schweizer Grenze zum Kanton Schaffhausen erstmals in den Bundesverkehrswegeplan. Seit 1990 wird die Planung sukzessive vorangetrieben.

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