Kreis Lörrach Wandern in Zeiten der Pandemie

Kreis Lörrach - Eine zwölftägige Rundreise nach Georgien hätte es werden sollen. Flug, Übernachtung sowie Wanderroute waren fertig geplant und gebucht. 28 Teilnehmer hatten sich angemeldet, doch Corona machte den unternehmungslustigen Mitgliedern des Lörracher Schwarzwaldvereins einen gehörigen Strich durch die Rechnung, wie Wander-Wartin Uschi Kettner im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet.

„Die Pandemie hatte den Schwarzwaldverein kalt erwischt“, sagt Kettner. Während des Lockdowns im März und April seien neben der Georgien-Reise, dem Höhepunkt der Jahresaktivitäten, alle weiteren Wanderungen und Versammlungen abgesagt worden. „Es herrschte ein kompletter Stillstand. Aber die Gesundheit unserer Mitglieder hatte Vorrang.“ Die Rundreise konnte auf das nächste Jahr verschoben werden. Fluggesellschaft und lokale Hüttenbetreiber zeigten sich kulant und hätten ohne Aufpreis die Buchungen vordatiert.

Über Whatsapp-Gruppen und E-Mails erhielt man den Kontakt zu den lokalen Reisepartnern aufrecht, unter anderem zu denen im Elsass und in der Schweiz. Man kenne sich seit Jahren gut. Die Mitglieder kehrten regelmäßig bei ihnen ein.

Nach dem Stillstand stellte sich mit den ersten Lockerungsmaßnahmen im Mai und Juni dann die Frage, wie die Corona-Auflagen vernünftig umgesetzt werden könnten, um wieder Angebote in kleineren Gruppen durchzuführen.

„Leider stießen wir schnell an die Grenze des Möglichen, denn mit bis zu 20 Leuten einen Sicherheitsabstand von 1,5 Metern beim Wandern einzuhalten, ist kaum machbar“, beklagt die Wander-Wartin. „Wir bieten jetzt die Wochenwanderungen in kleineren Gruppen an. Zudem waren wir mit zwölf Mitgliedern, die sich alle untereinander kennen, drei Tage im Wallis in einem Chalet, wo jeder ein Ein- oder Zweibettzimmer separat unter Einhaltung aller geltenden Hygiene-Regeln bezogen hatte.“

Nachfrage nach Angeboten noch sehr zurückhaltend

Doch die Nachfrage nach den Angeboten falle noch verhalten aus: „Das Gros der Mitglieder ist über 60 Jahre alt und durch das Virus sehr verunsichert. Man will sich nicht im Bus oder auf der Hütte anstecken.“

Auch die Sektion Lörrach des Deutschen Alpenvereins mit mittlerweile mehr als 2800 Mitgliedern kennt diese Probleme. Was vorher bereits aufwendig zu organisieren war, ist jetzt aufgrund der verschiedenen lokalen Corona-Auflagen noch kniffliger geworden. „Wir haben gleich nach den Grenzschließungen ein Kriseninterventionsteam gebildet“, berichtet Touren-Organisatorin Angela Rosin. „Über Videokonferenzen mit dem Hauptverband des Deutschen Alpenvereins bekamen wir Informationen zum Infektionsschutz mitgeteilt sowie Ratschläge, wie wir die Abstandsregeln und Hygiene-Maßnahmen umsetzen sollen.“ Verwirrend war zudem, dass von den zentralen Stellen widersprüchliche Angaben gemacht wurden. „Gerade hierzulande gab es keine speziellen Regelungen, was alpine Aktivitäten anbelangt. Da hatte die Schweiz schneller und pragmatischer reagiert und Richtlinien herausgegeben“, betont Rosin.

„Wir müssen ständig auf dem Laufenden sein, welche Maßnahmen und Regelungen in den Ländern und Staaten eingeführt werden. Unsere Ausflugsziele erstrecken sich nämlich unter anderem auf die Schweiz, Italien, Frankreich, Österreich und auf andere Bundesländer.“

Seit Mitte Juni wurde das Angebot schrittweise nach einer fast dreimonatigen Zwangspause wieder ganz hochgefahren. Austritte aus dem Verein habe es derweil keine gegeben, erfreulicherweise verzeichnete man sogar Neuanmeldungen. „Viele Mitglieder sind aber noch sehr verunsichert“, gibt die Touren-Planerin zu bedenken. „Gerade bei den Senioren-Wanderungen ist der Zulauf um ein Drittel gesunken, da die Teilnehmer aufgrund des Alters der Risikogruppe angehören“, erklärt Bernd Klar, Leiter der Seniorengruppen im DAV Lörrach.

„Zurzeit dürfen wir nur Mitglieder mit zu den Bergtouren nehmen. Zuvor müssen alle eine schriftliche Erklärung unterschreiben, gesund zu sein. Krank kommt niemand mit in den Tourbus.“ In den beiden Neunsitzern, die dem Verein für die Hin- und Rückreise zur Verfügung stehen, wird zudem ein Mund- und Nasen-Schutz getragen.

Da beide Vereine keine laufende Kosten hätten, gebe es derzeit für sie keine finanzielle Schieflage. Was jetzt bleibe, sei die Hoffnung auf normale Zeiten ohne die Pandemie. „Dann lässt sich wieder ohne Unsicherheiten und für mehr Teilnehmer planen“, sind sich Klar und Kettner einig.

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