Kreis Lörrach Wann gehen die Lichter wieder an?

Regio - Wann gehen auf den regionalen Bühnen die Lichter wieder an? Besonders der zweite Lockdown ist eine existenzielle Bedrohung für die privaten Theater. Die Zwangsschließung ist für die Theatermacher ein Trauerspiel, um in der Sprache des Theaters zu bleiben. Die meisten Kulturschaffenden sind im Verschiebemarathon-Stress und versuchen, mit Kreativität und Eigeninitiative ihre Häuser zu retten und den Weiterbetrieb zu sichern. Sie hoffen, den Spielbetrieb bald wieder aufnehmen zu können.

Gloria-Theater

Das Bad Säckinger Gloria-Theater hat mit seiner Musical-Neuproduktion „Tommy Tailors Traumfabrik“ ein schwieriges Corona-Lockdown-Jahr hinter sich. Diese bisher aufwändigste Eigenproduktion verharrt seit drei Monaten in der Zwangspause. Das drückt auf die Motivation der Musicalmacher.

Nur vor 200 Zuschauern spielen zu können, wie bei den Vorstellungen im vergangenen Oktober vor stark reduziertem Publikum, mit einer Auslastung von 20 bis 30 Prozent, ist „nicht mehr rentabel“, sagt der Produzent und kaufmännische Direktor Alexander Dieterle. „Je länger es dauert mit der Schließung, umso schwieriger wird es“. Überbrückungshilfen wie „Neustart Kultur“ helfen nur zu einem kleinen Teil, dass das Theater über die Runden kommt. „Wir kriegen weniger als vorgesehen, sind überall durchgerutscht, nichts greift richtig“, beklagt Dieterle.

Fürs Erste ist der Weiterbetrieb aber gesichert und die Lichter gehen nicht aus dank der erfolgreichen Crowdfunding-Aktion „Neustart Gloria“. „Das ist super gelaufen und hilft uns immens“, freuen sich die Gloria-Betreiber über die Spendenbereitschaft der Theaterfreunde. Für Alexander Dieterle ist es auch ein „politisches Zeichen, dass die Leute hinter uns stehen“. Knapp 700 Unterstützer haben gespendet; statt der angepeilten 50 000 sind über 65 000 Euro eingegangen – eine Ermutigung, dass wieder durchgestartet werden kann. Mit dem Geld sollen der Technikbetrieb und die Werbemaschinerie wieder hochgefahren werden.

Intendant und Musicalkomponist Jochen Frank Schmidt sieht eine realistische Perspektive erst für den Herbst. Für die angelaufene Musicalproduktion muss dann noch einmal geprobt werden, Verträge mit Darstellern sind neu zu verhandeln und Probenpauschalen zu bezahlen. Als „ein Lebenszeichen“ für die Fans wurde ein professionell gemachtes Hörspiel des Fantasy-Musicals auf Doppel-CD produziert. Damit kann man zwar kein großes Geld verdienen, ruft sich aber in Erinnerung, damit die Zuschauer bei der Stange bleiben.

Theater in den Bergen

Den gleichen Weg einer Hörspielproduktion schlug das Theater in den Bergen in Häg-Ehrsberg ein. Das für Landschaftstheater bekannte und preisgekrönte Ensemble versucht die schon so lange andauernde Krise durch den Aufruf zu einer Kulturspende abzufedern. Für einen Solidaritätsbeitrag kann man das eigens produzierte Hörspiel „Eine Weihnachtsgeschichte“ frei nach Charles Dickens erhalten – wahlweise als CD oder Link zum Download. Dem Hörspiel liegt der Text für das Theaterstück zugrunde, der von Regisseur und Schauspieler Arnd Heuwinkel bearbeitet wurde.

Die Theaterleute vom Hinterhag freuen sich über viele positive Rückmeldungen und sind glücklich, von Spendern und treuen Weggefährten „reichlich bedacht“ worden zu sein. 300 Exemplare wurden bisher verkauft, CDs mussten nachgepresst werden.

Für Heuwinkel ist es „ein großes Dilemma, dass die Kultur außen vor bleibt und unter ferner liefen wahrgenommen und definiert wird.“ Ihn treibt die Sorge um die Substanz des Theaters in der Zukunft und die Planungsunsicherheit um. Gleichwohl ist er gewillt, sich fürs Publikum einzusetzen. Nicht nur ist geplant, im kommenden Winter das ausgefallene Weihnachtsprojekt endlich aufzuführen, auch ein neues Stück ist im Entstehen. Es hat den Arbeitstitel „Der Herr der Augenringe – Auf der Suche nach der Verantwortung“ und soll im Herbst als Stationentheater im ganzen Dorf spielen. Laut Autor Heuwinkel handelt es davon, Verantwortung zu übernehmen in diesen Krisenzeiten.

Theater Tempus fugit

Im Freien Theater Tempus fugit in Lörrach fallen zwar die Hausgruppen aus, doch darf in kleinen Ensembles zusammen mit Profis geprobt werden. Zur Zeit werden neue Projekte entwickelt, deren Schwerpunkt ein Stück weit politisch und bewusstseinsfördernd ist. Das Theater stellt die Spielzeit 2021 programmatisch unter den Titel „Utopia“ – im Hinblick auf das, was man vorhat und was in der Zukunft überhaupt machbar sein wird. „Wir sind dankbar, dass wir überlebt haben“, sagt Theatergründerin und -leiterin Karin Maßen.

Unterstützung kam durch Fördergelder wie „Kultur Sommer“ und „Neustart Kultur“. „Wir haben uns weiterentwickelt, nicht trotz, sondern mit der Krise“, heißt es aus dem Theater. Mit neuen Stücken einsteigen wird man frühestens im April, und eher in Projekten mit Kindern.

Am 15. Mai steht im Burghof Lörrach die Premiere von „Odysseus“ an, ein Großprojekt mit Schulen. Im eigenen Haus laufen die Proben auf deutsch und englisch für „Jedermann“. Es soll auch eine digitale Fassung zu diesem noch mal aufgenommenen Bühnenstück erstellt werden.

Tempus fugit ist gut verknüpft mit allen Jugendtheatern in Baden-Württemberg, wo es auch eine spezielle Streaming-Plattform gibt. „Dafür produzieren wir und üben uns in Live-Streaming“, sagt Maßen. Vieles läuft jetzt digital, und Inszenierungen werden ins Netz gestellt.

Vom Stück „Fisch im Netz“ wird eine Hörspielfassung gemacht, die es als CD oder zum Herunterladen gibt – zur Unterstützung des Theaters. Kleine Videos werden produziert und als reine Netz-Theaterproduktionen auf YouTube und andere soziale Medien mit Bezahlfunktionen gestellt. „Extrem einsparen“ musste man die Arbeit mit freien Künstlern und Musikern, „da blutet es“, bedauert Maßen, „das fehlt, wir hoffen, da wieder anknüpfen zu können.“

Basler Kleintheater

Auch die Basler Klein- und Privattheater kämpfen ums Überleben und hoffen auf ein baldiges Ende des erzwungenen Stillstands. Das Förnbacher Theater hat für Unterstützer einen Spende-Button eingerichtet. Namhafte Beträge zeigten „die Wertschätzung unserer Theaterarbeit“, so Theaterleiter Helmut Förnbacher. Außerdem kann Förnbachers vom Schweizer Fernsehen restaurierter Spielfilm „Sommersprossen“ von 1968 – ein Kriminalfilm, der in der Region spielt – auf der Homepage gegen einen Unkostenbeitrag heruntergeladen werden.

Mit seinen Theaterinszenierungen geht Förnbacher aber nicht online, das sei ein zu großer technischer Aufwand und ein anderes Medium. Die letzte Saison im Badischen Bahnhof „brösle jetzt arg weg“, sagt der Regisseur über die schwierige Lage. Sogar sein beliebtes Vorfasnachts-Event „Ridicule“, das schon mit 30 Darstellern und Musikern fertig geprobt war, musste ausfallen.

Das Häbse-Theater, Basels größtes Kleintheater, hat sein 30. „Mimösli“ um ein Jahr verschoben. Im Theater Fauteuil wurde aus dem analogen Vorfasnachtsspektakel „Pfyfferli“ ein digitales. Außerdem wird eine DVD davon produziert, die Mitte Februar erhältlich ist. Bis dahin gibt das Kleintheater am Spalenberg einen Unterstützungsappell und eine kämpferische Durchhalteparole aus: „Vive la Résistance – Vive le Fauteuil!“

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