Kreis Lörrach Womöglich 50.000 Arbeitnehmer von Kurzarbeit betroffen

Die Betriebe im Landkreis wollen weiterhin Jugendliche ausbilden. Foto: Die Oberbadische

Kreis Lörrach - Zum Thema Arbeitsmarkt im Dreiländereck haben sich Hans Joachim Friedrichkeit, Sprecher der Sektion Lörrach-Müllheim des Wirtschaftsrates, und Horst Eckert, neuer Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Lörrach, in einem öffentlichen Online-Chat unterhalten und sind dabei auch auf die Kurzarbeit sowie die berufliche Ausbildung junger Menschen im Landkreis eingegangen.

„Seit März haben 4227 Betriebe im Agenturbezirk Kurzarbeit angezeigt. Im Vorjahreszeitraum waren es nicht einmal zehn. Die Zahl der Beschäftigten, für die Kurzarbeit angezeigt wurde, beläuft sich auf 49 549 Personen. Im Vorjahreszeitraum waren es nur 215“, verdeutlichte Eckert.

Die Kurzarbeit habe aber schlimmere Folgen für den Arbeitsmarkt wie wie Massenentlassungen verhindern können. Zudem handele es sich um Anzeigen auf Kurzarbeit. Eine reale Größe könne erst nach der Abrechnungsperiode von drei Monaten ermittelt werden. Eckert ging davon aus, dass lediglich ein Fünftel der Betriebe, die Anträge angezeigt hätten, auch wirklich Kurzarbeit einführen müssten.

Bei der Jugendarbeitslosigkeit verzeichne man eine Quote von 3,6 Prozent und liege damit höher als in den vorangegangenen Jahren und sogar etwas über dem Niveau bei der Finanzkrise 2009. „So einen Wert hätte ich mir nicht mehr vorstellen können“, gestand Eckert.

Wie bei der Gesamtbetrachtung (wir berichteten) treffe die Krise aber ungelernte Menschen mit geringer Qualifizierung und nicht die Ausbildungssuchenden, die derzeit ihren Schulabschluss machten. „Der Fachkräftemangel ist durch die Pandemie nicht verschwunden. Das wissen die Unternehmen und wollen auf jeden Fall weiter im eigenen Betrieb ausbilden.“ Bislang hätte nur eine Firma den Ausbildungsplatz aufgrund Corona gestrichen.

Berufsberater informieren wieder vor Ort

Durch die Schulschließungen sei es schwierig gewesen, die Jugendlichen für eine Ausbildungsberatung erreichen zu können. Durch die Lockerungen könnten seit vergangener Woche die Berufsberater der Agentur aber wieder vor Ort Schüler informieren.

Auf die Frage eines Chat-Teilnehmers, was die Krise in Zukunft in der Wirtschaft verändern werde, erwiderte Eckert, dass die Firmen stärker auf Home-Office setzen würden. Es werde weniger Geschäftsreisen geben, und man könne schneller Entscheidungen treffen. Sofern die Funklöcher in einigen Regionen schnell behoben würden. Der Breitbandausbau müsse daher schneller vorankommen.

Mehr zum Thema: Arbeitsmarkt: Corona hinterlässt deutliche Spuren

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