Von Marco Fraune

Kreis Lörrach. Die Wissenschaftliche Regionalbibliothek (WRB) steht abermals und wohl letztmals vor einer großen Veränderung. Rückläufige Nutzerzahlen und fehlende finanzielle Mittel für Neuanschaffungen führen dazu, dass die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Lörrach sich entschlossen hat, die WRB-Bestände in ihre Hochschul-Bibliothek zu integrieren.

Ein entsprechendes Konzept befindet sich in Arbeit, wie Hochschulsprecher Jan Bodenbender auf Anfrage unserer Zeitung erklärt. Welche Einspareffekte sich durch die Eingliederung ergeben, könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beziffert werden. „Wir befinden uns derzeit noch in der Phase der Konzepterstellung“, will Bodenbender auch lieber den Blick in Richtung der positiven Auswirkungen richten.

So würden von dieser Integration die bisherigen Nutzer der WRB profitieren, da die Recherchemöglichkeiten und Nutzungsbedingungen verbessert würden. Das Angebot für die WRB-Leserschaft werde somit um die mehr als 50 000 Fachbücher, Nachschlagewerke, Fachzeitschriften sowie ein umfangreiches Angebot an E-Medien erweitert. „Die Regionalität im Dreiländereck, durch die sich der Bestand der Wissenschaftlichen Regionalbibliothek insbesondere auszeichnet, passt als Teil der gelebten Internationalität auch zur internationalen Ausrichtung der Dualen Hochschule und ihrer Bibliothek“, wirbt Bodenbender für die Neuausrichtung.

Dass diese notwendig ist, steht für die DHBW-Verantwortlichen fest. So sei die Zahl der aktiven Nutzer der Wissenschaftlichen Regionalbibliothek in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Bodenbender spricht von nunmehr durchschnittlich zwei bis drei Besuchern pro Tag. Eine statistische Auswertung beziehungsweise Personenzählung sei aber nicht erfolgt. Im vergangenen Jahr gab es zirka 700 angemeldete Nutzer, „die aber nicht unbedingt auch aktive Leser sind“, schränkt der Sprecher der Dualen Hochschule in Lörrach ein.

Auch ist es um die Bestände nicht allzu gut bestellt. Es stehen laut Bodenbender keine neuen finanziellen Mittel für Neuanschaffungen der WRB zur Verfügung, und der Bestand wird als „teilweise stark abgenutzt und veraltet“ erachtet. Im Zuge einer optimaleren Nutzung und Kosteneffizienz sollen daher die Bestände in dem DHBW-Fundus aufgehen. Die geisteswissenschatlich orientierte öffentliche Bibliothek verfügt über rund 35 000 Bücher und andere Medien. Der Schwerpunkt liegt auf Literatur zur Landeskunde und Regionalgeschichte.

Mit der Neustrukturierung der WRB ist übrigens auch „eine maßvolle Modernisierung“ geplant, womit die Bestandspflege als auch eine „noch attraktivere Gestaltung“ der Bibliotheks-Räume einhergehen sollen. Welchen Umfang die Modernisierung haben wird, soll während der Konzepterarbeitungsphase noch ermittelt werden.

Mit der Integration der Wissenschaftlichen Regionalbibliothek wird jedenfalls voraussichtlich das letzte Kapitel eines jahrzehntelangen Veränderungsprozesses geschrieben. Im Jahr 1985 wurde die WRB in Lörrach aus den Beständen der früheren Pädagogischen Hochschule gegründet, womit erreicht werden konnte, dass die Bestände interessierten Bürgern weiter zur Verfügung stehen. Zu Beginn war die WRB im Keller an der Haagener Straße in Lörrach untergebracht. Verantwortlich war zuerst das Schulamt, also das Landes-Kultusministerium. Nach der Landesverwaltungsreform 2005 ging die Zuständigkeit an das Landratsamt Lörrach über, von dort drei Jahre später an das Landes-Wissenschaftsministerium. Seit Anfang 2008 ist die DHBW (früher Berufsakademie Lörrach) verantwortlich, an welche die Regionalbibliothek angegliedert ist. Seit dem Jahr 2008 ist die WRB auch an der Marie-Curie-Straße untergebracht, wodurch der Fortbestand der WRB vorerst gesichert war.

Wie schwierig der Erhalt der WRB sich zwischenzeitlich gestaltete, wurde auch im Oktober 2010 deutlich, als das Landeskultusministerium den Weiterbetrieb ermöglichte, indem man die dringend benötigte personelle Verstärkung bewilligte. Der damalige Landrat Walter Schneider, der Landtagsabgeordnete Ulrich Lusche und der frühere Rektor der Dualen Hochschule in Lörrach, Prof. Bernd Martin, hatten sich dafür erfolgreich eingesetzt.