Kreis Lörrach Wenn der Goldfisch zur Gefahr wird

Maja Tolsdorf
Die Gewässer im Kieswerk in Wyhlen werden elektrobefischt, um ausgesetzte Zierfische zu entnehmen. Foto: zVg

Seltene und sensible Biotope im Landkreis Lörrach werden zerstört, wenn Bürger Haustiere wie Fische oder Schildkröten dort aussetzen. Denn die fressen in Freiheit alles, was die heimische Natur hergibt.

Haustiere bringen Freude und Abwechslung. Es ist sogar wissenschaftlich nachgewiesen, dass das Beobachten von Aquarien entspannt und das Wohlbefinden fördert. Zeit zum Durchatmen also, beim Betrachten der kleinen Goldfische hinter Glas. Doch irgendwann hat man sich satt gesehen, sie müssen weg und werden meist in die freie Natur entlassen. Doch die in Süßwasser eingesetzten Goldfische sind keine harmlosen Haustiere. Das Bundesamt für Naturschutz listet sie als „potenziell invasive Art“. Im lokalen See oder Teich ausgesetzt, vermehren sie sich rasant und können fußballgroß werden, verdrängen heimische Arten und gefährden damit die Ökosysteme.

Goldfische können fußballgroß werden

Auch im Kieswerk in Grenzach-Wyhlen werden wiederholt Goldfische und Katzenwelse ausgesetzt. Beide Arten fressen in den dortigen Gewässern alles, was die heimische Natur hergibt: Eier, Larven, Insektenlaich, Kaulquappen und andere Kleintiere. Dadurch sind auch geschützte Arten gefährdet, wie die dort lebende Heidelibelle. Deshalb werden die Teiche dort regelmäßig durch das Institut Gobio elektrobefischt, um die ausgesetzten Fische zu entnehmen. Denn in den abgesperrten Bereichen der Kiesgruben-Biotope, den Flächen des Grenzach-Wyhlener BUND, dürften keine Fische sein, wie Ortsgruppenvorsitzende Irene Blaha auf Anfrage unserer Zeitung erklärt. Das Freiburger Institut Gobio, ein Büro für limnologische, also auf Binnengewässer bezogene Gutachten, führt zudem ein Monitoring durch und hat Hechte eingesetzt. Die Raubfische sollen die Zierfische fressen, die in Naturgewässern nichts zu suchen haben. Doch auch die Hechte dürfen dort nicht bleiben und werden nach getaner Arbeit entnommen. Denn auch die Raubfische sind Allesfresser.

Rechtzeitig rausgefischt, bevor die Goldfische größer werden können. Foto: zVg/Irene Blaha

Bisher ist die Aktion laut Blaha erfolgreich. Sie steht mit dem limnologischen Büro regelmäßig in Kontakt. Die Kosten der Maßnahme übernimmt das Land im Rahmen eines Schutzprogramms für die Libelle. „Ganz los werden wir das Problem mit den ausgesetzten Zierfischen wohl nicht mehr, aber Eindämmen wollen wir es“, resümiert die BUND-Ortsgruppenvorsitzende.

Ausgesetzte Haustiere gefährden Ökosysteme im ganzen Landkreis

Doch nicht nur im Kieswerk Wyhlen, sondern im ganzen Landkreis werden gebietsfremde Haustierarten ausgesetzt, die die heimische Natur zerstören. So sind im Lörracher Grüttsee aus privatem Bestand Gelb- und Rotwangen-Schmuckschildkröten ausgesetzt worden. Dies teilt Landratsamtssprecher Torben Pahl auf Anfrage unserer Zeitung mit. An einem sonnigen Samstagnachmittag im Grütt kann man die kleinen Reptilien dabei beobachten, wie sie im Gehölz des Uferbereichs sitzen und ihre kleinen Köpfe emporrecken. Im Krottenweiher in Lörrach-Stetten sind wiederum Fische illegal ausgesetzt worden. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist das Ausbringen von Pflanzen und Tieren verboten, kann angezeigt und mit Bußgeldern belegt werden. Doch Naturschützerin Irene Blaha und das Landratsamt wollen in erster Linie aufklären und sensibilisieren. So hatte die Behörde nach den Sanierungsarbeiten am Bleichweiher in Minseln für Interessierte einen Rundgang angeboten.

Stillgewässer wie der Schlammweiher in Utzenfeld und der Letzbergweiher in Schönau sind weitere Beispiele für das Aussetzen von Tierarten, die in Naturgewässern nichts zu suchen haben. In den vergangenen Jahren sind dort immer wieder kostspielige Maßnahmen ergriffen worden, um den Bestand der ausgesetzten allesfressenden Fische einzudämmen, schreibt Pahl in seiner Mitteilung. Leider sei die Entnahme dieser eingesetzten Zierfische, die heimische Kröten und Frösche in verschiedenen Entwicklungsstadien, aber auch die Insektenlarven der Libellen fressen, nicht immer dauerhaft erfolgreich.

Seltenheit Stillgewässer

„Hier wird die Verantwortung für die Aquarien- und Zierteichtiere auf die Allgemeinheit abgewälzt, und leider sind die Amphibien dabei die großen Verlierer“, so Pahl weiter. Stillgewässer sind in unserem Landkreis Mangelware, und es handelt sich um sensible Biotope. „Die Störung dieser Gewässer kann ganze Populationen von Fröschen und Kröten auslöschen.“

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