Kreis Lörrach Wie dem Pflegenotstand begegnet werden soll

Uwe Thomes
Anne Göhner, Geschäftsstellenleiterin der beim Landratsamt angesiedelten Kommunalen Pflegekonferenz, im Interview mit Lilian Fischer – im Vordergrund Landrätin Marion Dammann. Foto: Uwe Thomes

Bei der dritten kommunalen Pflegekonferenz Landkreis Lörrach ging es um die Vorstellung von ersten Ergebnissen der geplanten Maßnahmen und um die Information über das weitere geplante Vorgehen.

Die Kommunale Pflegekonferenz erarbeitet Lösungsideen in drei Arbeitsgruppen, welche anschließend in Projektgruppen umzusetzen sind. Zwischen 2023 und 2025 sollen sechs Maßnahmen zum Schwerpunktthema „Gemeinsam Pflege gestalten“ umgesetzt werden. Die übergeordneten Ziele sind, gemeinsam dem Fachkräftemangel zu begegnen, eine Pflegebedürftigkeit zu verhindern sowie die Versorgung in der Pflege bedarfsgerecht sicherzustellen.

Anne Göhner, Geschäftsstellenleiterin der beim Landratsamt angesiedelten Kommunalen Pflegekonferenz, informierte am Samstag über den aktuellen Stand im Landkreis. Ihre eher düsteren Prognosen für 2025 gehen von 315 bis 535 fehlenden Plätzen in der Langzeitpflege und 45 bis 75 fehlenden Plätzen in der Kurzzeitpflege aus, Tendenz steigend. Denn durch die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer rechnet man mit einem Anstieg von knapp 11000 Pflegebedürftigen aktuell auf deutlich mehr als 13000 bis zum Jahr 2040.

Pflegeberufe vermitteln

Gegenläufig dazu verläuft die Nachbesetzung vakanter Stellen in Pflegeheimen und bei Pflegediensten. Über 50 Prozent der befragten Institutionen bezeichneten die Suche insbesondere nach Pflegefachkräften als schwierig bis sehr schwierig.

Bei der Prozessevaluation zogen die Projektgruppen ein überwiegend positives Fazit Bei der Maßnahme 1.1 Pflegeberufe realistisch und niederschwellig vermitteln, wollte man an 13 Standorten auch Quereinsteiger erreichen und konnte sechs Kooperationspartner sowie Landrätin Marion Dammann für die Schirmherrschaft gewinnen; Startschuss war am 12. Mai. Außerdem sollten auch Schüler erreicht werden, indem inzwischen acht geschulte Pflegekräfte (ab 2. Lehrjahr) als Pflege-Ausbildungsbotschafter in Schulen gehen.

Ausländische Fachkräfte

Bei der Maßnahme 1.2 Einwanderungshürden ausländischer Fachkräfte zu evaluieren und zu optimieren, stand die Überprüfung laufender Verfahren und Pilotierung optimierter Prozesse im Vordergrund. Dies geschah zum einen durch eine anonyme Onlinebefragung von Pflege(fach)kräften, welche das Verfahren selbst bereits durchlaufen haben, und zum andern durch Einrichtung runder Tische zur Entwicklung optimierter Prozesse aufgrund der Umfrageergebnisse. Als problematisch kristallisierte sich die Wohnungssuche der Betroffenen heraus.

Aktivierende Hausbesuche

Die Maßnahmen der Projektgruppe 2.1. bestanden darin, aktivierende Hausbesuche auszuweiten und zu vernetzen. Hierbei führen seit April ausgebildete „Bewegungspaten“ Hausbesuche durch zur Aktivierung mobilitätseingeschränkter Menschen. Weitere Bewegungspaten sollen im Oktober geschult werden. Bei der Maßnahme der Projektgruppe 2.2 geht es darum, digitale Gesundheits- und Pflegekompetenz zu fördern, was durch einen Ausbau von Angeboten zur Steigerung der Digitalkompetenz und Entwicklung einer zentralen digitalen Plattform in Form eines digitalen Gesundheits- und Sozialkompasses erreicht werden soll.

Was weiter getan wird

Die Aufgaben der Projektgruppen 3.1 und 3.2 bestanden darin, Case- und Care-Management bedarfsspezifisch auszubauen beziehungsweise die Tages- und Nachtpflege bedarfsspezifisch weiterzuentwickeln. Bei der Maßnahme 3.1 steht als Ergebnis, dass sowohl die stationäre als auch die ambulante Nachfrage kaum abgedeckt werden konnte. Bei der Maßnahme 3.2 wurde bei einer Umfrage festgestellt, dass eine Nachtpflege eher selten gewünscht wurde; auch hier beginnt aber erst jetzt die Umsetzungsphase.

Zukünftig sollen zwei Arbeitsgruppen zusammengelegt werden und den Namen „Gesund und selbstständig ins hohe Alter“ tragen – ein Titel, der vom Plenum gut geheißen wurde ebenso wie die Verstetigungs- und Rollout-Phase für die sechs erwähnten Maßnahmen. Die nächste Plenumssitzung ist für Juni 2025 geplant.

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