Kreis Lörrach Wille zum Austausch wird gebremst

Die Oberbadische
Der grenzüberschreitende Technologietransfer soll Innovationen Vorschub leisten. Foto: Archiv Foto: Die Oberbadische

Die Herausforderungen des grenzüberschreitenden Technologietransfers sind vielfältig. Der Willen zum Austausch ist vorhanden, doch die Hürde oft hoch. Drei Systeme und zwei Länder treffen erschwerend im Dreiländereck aufeinander.

Von Marco Fraune

Regio. Eigentlich sollte mit dem Technologietransfer ein Beitrag zur Wirtschaftsentwicklung und zum Wohlstand geleistet werden. Doch allein die Übertragung von Wissen aus den Forschungseinrichtungen in die Wirtschaft und Gesellschaft ist dabei eine Herausforderung, wurde jetzt bei der „RegioTriRhena“-Jahreskonferenz in der Fachhochschule Nordwestschweiz in Muttenz deutlich. „Es ist nicht leicht, sich zurechtzufinden“, unterstrich Christoph Klöpper, Geschäftsführer von i-net innovation Networks switzerland.

Verschiedene nationale Systeme, unterschiedliche Firmen, viele Unterstützungsorganisationen sowie diverse (Fach)-Hochschulen müssen in den drei Ländern berücksichtigt werden. Dabei ist das Thema an sich schon schwierig, weil die zahlreichen Akteure auch verschiedene Vorstellungen haben. Ein Unternehmer wünscht sich beispielsweise Exklusivität, womit der Transfer der Innovation schon infrage gestellt wird.

Obwohl die Hürden und Hinternisse sich wie ein roter Faden durch die Schilderungen aus den drei Ländern zogen, gab es doch ein klares Bekenntnis zum Wissenstransfer. Dessen Bedeutung wurde auch von Alexander Maas, Geschäftsführer Wirtschaftsregion Südwest, als „sehr wichtig“ eingestuft. Es handele sich um einen Wirtschaftsraum, der nicht an der Grenze endet. „Wir sollten die Nähe nutzen.“ Auch für Klöpper steht fest: „Die räumliche Nähe zählt, daher ist der Oberrhein wichtig.“ Doch es sollte nicht zu viel Technik und Datenbanken aufgesetzt werden, sondern es gelte, die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt beim richtigen Thema zusammenzubringen, um einen Mehrwert zu erzielen.

Dass dieser unterm Strich stehen kann, davon war auch der elsässische Vertreter auf dem Podium, Antoine Parmentier von Responsable Relations Externes de Satt Conectus Alsace, überzeugt. Zugleich wusste er aus seinem Bereich ebenfalls von einem vielschichtigen Geflecht an Akteuren zu berichten.

„Beim Geld hört der Spaß auf, insbesondere an der Grenze“, meinte Moderatorin Kathrin Amacker, Präsidentin der RegioTriRhena. Doch nicht nur die auf die eigene Nation fokussierte Förderung von Technologien ist eine Hürde, wurde aus dem Praxis berichtet. Ein grenzüberschreitendes Förderprojekt sei kaum zu realisieren. Die Zollbestimmungen machen zudem teilweise einen Strich durch die Rechnung, wenn ein Prototyp oder bestimmte Stoffe ins andere Land geliefert werden sollen. Hinzu kommen unterschiedliche ethische Richtlinien, die gemeinsame klinische Studien hemmen. Klöpper regte in diesem Zusammenhang eine pragmatische Lösung an: „Wir sollten damit spielen, dass wir viele Systeme haben.“ So könne die Hürde zum Vorteil umgemünzt werden.

Den Hebel für die Zukunft ansetzen würde Maas bei den Finanzen, womit er einen trinationalen Fördertopf wünscht, „damit wir schnell grenzüberschreitende Dinge in die Wege leiten können“.

Der Technologietransfer kann schon im Kleinen erfolgen, wie Crispino Bergamaschi, Direktionspräsident der Fachhochschule Nordwestschweiz, erinnerte. Einerseits verwies er auf die trinationalen Studiengänge, wobei auch die Duale Hochschule Lörrach mit im Boot ist. Hier setzt er auf die Arbeiten seiner Studierenden, die in den Betrieben umgesetzt werden könnten.

Deutlich wurde aber auch, dass das Wissen übereinander und damit über die technologischen Entwicklungen und Innovationen im Dreiländereck noch deutlich ausbaufähig sind. Auch die Forschungslandschaft müsse sich noch besser kennen lernen, hieß es aus dem Plenum.

Im nächsten Jahr wird sich RegioTriRhena mit der „Integration von Migranten in die Arbeitswelt“ beschäftigen. Veranstaltungen und Betriebsführungen sind geplant.

Umfrage

Siegfried Russwurm

Rente mit 70 oder 42-Stunden-Woche? Wegen des Fachkräftemangels schlägt BDI-Präsident Siegfried Russwurm die Einführung der 42-Stunden-Woche für alle vor. Was halten Sie davon?

Ergebnis anzeigen
loading