Kreis Lörrach Zug noch lange nicht abgefahren

Vorsitzender Karl Argast und Schriftführerin Silvia Waßmer planen das „30-Jährige“ des Fahrgastverbandes „Pro Schiene Wiesental“ am 25. April. Foto: Peter Ade Foto: Die Oberbadische

Von Peter Ade

Kreis Lörrach. Eisenbahn-Romantiker sind sie mitnichten. Die rund 100 Mitglieder von „Pro Schiene Wiesental“ mit ihrem Vorsitzenden Karl Argast wissen sehr genau, was Sache ist und was sie wollen. Als bislang größte Errungenschaft gilt die Inbetriebnahme der Regio-S-Bahn vor zwölf Jahren.

Mit einem Festakt im Wiesentäler Textilmuseum Zell feiert der Fahrgastverband am Freitag, 25. April, 19.30 Uhr, das 30-jährige Bestehen. Die Festrede hält Landes-Justizminister und Lörracher Wahlkreisabgeordnete Rainer Stickelberger (SPD).

An bewegte und bewegende Jahre der Eisenbahn im Wiesental erinnern Daniel König und Silvia Waßmer unter dem Motto: „Ein Blick zurück und nach vorne“. Dabei soll deutlich werden, dass der Zug noch lange nicht abgefahren ist und es sich lohnt, für eine weitere Stärkung des Schienenverkehrs in der Region zu streiten.

„Pro Schiene Wiesental“ wird sich nach den Worten ihres Vorsitzenden Argast auch in Zukunft für den Nahverkehr und die Belange der Bahnreisenden einsetzen. Gefordert werden unter anderem die Elektrifizierung des Regionalnetzes und die Anbindung des Kandertals ans Schienennetz.

Auch die Bemühungen um die Wiedereinführung der Spätzüge ins Obere Wiesental werde ein Schwerpunkt bleiben. Argast: „Mir ist klar, dass dicke Bretter gebohrt werden müssen, schließlich will die Deutsche Bahn sparen um jeden Preis.“ Jüngstes Beispiel seien das geplante Aus für den Autoreisezug und die drohende Einstellung des Holzverlades am Güterbahnhof Lörrach.

Größter Verdienst von „Pro Schiene“ ist zweifelsfrei die Tatsache, dass die frühere Bundesbahn der Wiesentalstrecke eine Zukunft gab. „Die Initiative hat Höhen und Tiefen erlebt, doch immer recht behalten“, würdigte der verstorbene SPD-Landespolitiker Peter Reinelt beim Festakt zum „25-Jährigen“.

Damals wie heute gilt: Zum lokalen Handeln im Kampf gegen die globale Klimakatastrophe gehört die dauernde Aufgabe, für die Identifikation der Bürger mit ihrer Bahn und damit ihrer Umwelt zu sorgen.

Die Regio-S-Bahn ist Teil dieses nachhaltigen Bemühens und Beispiel für gut funktionierende grenzüberschreitende Zusammenarbeit: Das Streckennetz nach Weil am Rhein und ins Wiesental wird von der schweizerischen SBB betrieben, die den modernen „Flirt“ als Transportmittel auf die Strecken schickt.

Als die drei „geistigen Väter“ der Regio-S-Bahn gelten der frühere Weiler SPD-Bundestagsabgordnete Klaus-Dieter Osswald, der Lörracher Ingenieur Albert Schmidt und Christian Haefliger, von 1992 bis 2003 Geschäftsführer der Regio Basiliensis.

Hausens früherer Bürgermeister Karl-Heinz Vogt und Heinz Helgert werden beim Festakt der IG Pro Schiene als Gründungsmitglieder geehrt.

Für die Wiesentalbahn zuständiges Eisenbahninfrastrukturunternehmen (EIU) ist die DB Netz AG; der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) wird seit 15. Juni 2003 von der SBB GmbH, der deutschen Personenverkehrstochter der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), betrieben. 2003 bis 2005 wurden massive Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt; mit Ausnahme eines Restgüterverkehrs und der Autoreisezüge nach Lörrach wandelte sich der Charakter zunehmend zur reinen S-Bahn-Strecke ohne Güterverkehr. Der Personenverkehr auf der Wiesentalbahn ist seither als S 6 ins Netz der Regio-S-Bahn Basel eingebunden. Ergänzt wird die Wiesentalbahn durch die S 5 von Weil am Rhein nach Schopfheim und Steinen, die auf der Teilstrecke Lörrach-Stetten-Schopfheim die Trasse der Wiesentalbahn nutzt.

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