Kreis Lörrach Zuviel Sonne, zuviel Regen

 Foto: Michael Werndorff

Kreis Lörrach - Der Klimawandel macht sich auch im heimischen Landkreis bemerkbar. Indes sind laut Rolf Hess vom Fachbereich Landwirtschaft und Naturschutz im Landratsamt nicht alle landwirtschaftlichen Sektoren gleichermaßen betroffen.

„Der Schwarzwald wird zunehmend trockener. Das betrifft vor allem Grünlandflächen wie Wiesen und Weiden im Wiesental“, berichtet Hess im Gespräch mit unserer Zeitung. „Die länger werdenden Trockenheitsperioden wie im vergangenen Jahr schädigen die Grasnarbe, und das Quellwasser nimmt ab“, führt Hess als Folgen der Dürre auf.

Wasser wird in Fässern zu den Weiden gebracht

Zudem haben laut dem Agrar-Fachmann flachgründige Böden wenig Wasserhaltekraft und können deshalb keine Feuchtigkeit aus Niederschlägen speichern. „Für alle Nutztierhalter bedeutet dies, dass zusätzliches Wasser in Fässern zu den Weiden transportiert werden muss.“ Dies sei ein teures und aufwendiges Unterfangen, aber unverzichtbar für die Tiere, die nun einmal ausreichend trinken müssen. Ist die Wiese dann ausgebrannt und vertrocknet, wachsen Pflanzen nach, die nicht mehr als Futter für die Weidetiere geeignet seien, verdeutlicht Hess.

Wasser aus entfernten Quellen zuleiten

Deshalb werde mittlerweile über Schläuche aus Quellen Wasser abgeleitet, die weiter von der zu bewässernden Grünfläche entfernt liegen. Die Grünlandfläche macht mit rund 16 000 Hektar zwei Drittel der Gesamtfläche im heimischen Kreis aus.

Auch im Ackerbau rüstet man sich gegen die Auswirkungen der steigenden Durchschnittstemperaturen. „Hier empfehlen wir den Bauern als Risikominderung einer Fehlernte, Winter- und Sommerfrüchte anzubauen. Im Winter Weizen und Gerste, welche die Feuchtigkeit gut nutzen und deren Früchte im Juli voll ausgereift sind. Meistens könne das Getreide Ende Juni gedroschen werden“, erklärt der Experte.

Klimawandel nicht vorrangiges Problem

Der Obstanbau sei ebenfalls betroffen durch die zunehmende Trockenheit, wenn auch weniger stark. „Das Baumobst profitiert von den tieferen Wurzeln, die besser ins Erdreich gelangen. Gleichwohl macht sich ein Rückgang des Niederschlags in der Größe der Früchte aus, die dann eben kleiner ausfallen und nicht den üblichen Qualitätsstandards entsprechen“, beklagt Hess.

„Der Klimawandel ist derzeit für die Obstbauern kein vorrangiges Problem“, meinte Kevin Brändlin vom Obsthof Brändlin in Efringen-Kirchen im Gespräch mit unserer Zeitung.

„Der vergangene Sommer war sicher extrem, und die Kirschen sind in kurzer Zeit in großen Mengen gereift. Wir sind kaum mit dem Abernten nachgekommen“, schildert Brändlin. „Das war wirklich schade, denn viele der Früchte sind dann verfault und konnten nicht verkauft und verzehrt werden.“ Solche Situationen habe es früher aber auch schon gegeben, relativiert Brändlin. Man merke aber, dass die durchschnittliche Niederschlagsmenge tendenziell abnehme. Waren es vor Jahren im Durchschnitt am Isteiner Klotz noch 1000 Mililiter (ml) pro Quadratmeter sind es heute nur noch 700 ml. Seit zehn Jahren reagiere man darauf mit einer Tropfbewässerung: Einem Schlauch, der an die Bäume montiert wird und Wasser in stetigen Tropfeinheiten an die Rinde abgibt und die Wurzel durchgehend mit Feuchtigkeit versorgt.

Foliendächer schützen gegen Hagelschlag

Auch gegen extreme Wetterlagen mit Hagel und Starkniederschlägen mit mehr als 30 Litern pro Stunde auf einem Quadratmeter, habe man sich bereits vorbereitet. „Gegen Hagelschlag spannen wir über unsere Obstbäume während der Reifephase Folien- oder Netze. Mögliche Schäden durch Hagelschlag und Starkregen können somit verhindert werden. Daneben bieten diese Vorrichtungen auch Schutz vor zu starker Sonneneinstrahlung, ergänzt der Landwirt.

Stärker betroffen vom Klimawandel seien dagegen Feldgemüse, wie Hess hervorhebt. „Kohlgemüse, Salate, Zucchini und Kürbisse liegen direkt auf dem Acker und brauchen sehr viel Wasser.“

Erosionsschutz beim Hanganbau

Bei Niederschlägen über 30ml pro Stunde auf einem Quadratmeter kann der Boden kein Wasser mehr aufnehmen. Er wird davon geschwemmt. Hier greifen laut Hess eine erosionsmindernde Flurgestaltung und eine konservierende Bodenbearbeitung ohne Pflug mit Mulchsaat und der Anbau mehrerer Kulturen an einem Hang.

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