Kreis Lörrach Zwei Spuren werden nicht reichen

Die Oberbadische

In einer gemeinsamen Sitzung der Gemeinderäte Schwörstadt, Wehr und Bad Säckingen präsentierte am Donnerstag die Planungsgesellschaft DEGES den Vorzugsentwurf zum Weiterbau der Autobahn 98. Projektleiter Johannes Kuhn fasste in der Stadthalle Wehr die Überlegungen zusammen, die sich an maßgeblichen Kriterien orientierten.

Von Rolf Reißmann

Kreis Lörrach. Die Belastung von Anwohnern soll so gering wie möglich bleiben, Eingriffe in die Natur ebenfalls. Gleichzeitig soll die Verkehrsführung optimal erfolgen, die eine spürbare Reduzierung des Durchgangsverkehrs in Schwörstadt und Bad Säckingen bewirkt.

Verkehrsgerechte Streckenführung

In diese Vorplanung wurden auch Ergebnisse einer Verkehrsuntersuchung einbezogen, die bis zum Jahr 2040 reicht. Erschreckend war in dieser Studie, dass die Anzahl der Fahrzeuge, die in 19 Jahren in der Ost-West- und Gegenrichtung verkehren, deutlich höher sein wird als derzeit. Daraus leitet die Planungsgesellschaft ab, dass der zunächst zweispurige Bau der Autobahn nicht ausreichen wird. „Zwar ist das Vorhaben im Bundesverkehrswegeplan mit der sogenannten „längsgeteilten Dringlichkeit“ eingeordnet, doch wird die zwei- und abschnittsweise auch dreispurige Fahrbahn nicht den späteren Anforderungen gerecht,“ erläuterte Kuhn. Anderseits vereinfache die Klassifizierung als Regionalautobahn die Planung. Zwar werde der Querschnitt von 31 Metern angewandt, aber die Seitneigung könne auf 5,5 Prozent angelegt werden, was Verlängerungen der Trasse vermeidet. Als optimierte Trasse ist nunmehr hinter Schwörstadt, ausgehend vom feststehenden Endpunkt des Abschnittes 5 hinter der künftigen Wolfsgrabenbrücke, der Abstieg ins Tal vorgesehen. Dieser führt dabei auf einer 380 Meter langen Brücke über den Lachengraben. Im Wehraal wird die Trasse auf einer mehr als 1100 Meter langen Brücke zweimal die Bahn und die Wehra überqueren, dann folgt nahe Brennet eine Anschlussstelle. Der Röthekopf wird in einem 2700 Meter langen Tunnel durchfahren, ein weiterer 1200 Meter langer Tunnel folgt unter dem Spitzbühl vor Murg. Somit wird mehr als die Hälfte der 10,5 Kilometer auf Brücken und in Tunneln geführt. Vorzug dieser Trassenführung ist auch, dass die Heilquellen von Bad Säckingen nicht berührt werden.

Zustimmung aus den Orten

Schwörstadts Bürgermeisterin Christine Trautwein-Domschat begründete die Unterstützung ihrer Gemeinde für diese neue Planvariante. Zwar habe sich Schwörstadt stets für die Bergtrasse ausgesprochen, doch sie erkenne hier eine gute Kompromisslösung. „Vermeidung von Konflikten und Beschleunigung des Baus sind die wichtigsten Vorzüge, denn derzeit leiden unsere Einwohner täglich unter dem Fahrzeugstrom mit Lärm und Staub,“ erklärte sie. Sie mahnte an, rechtzeitig die unvermeidbare Belastung von Anwohnern während der Bauzeit zu bedenken.

Doris Schütz verwies darauf, dass die derzeit nutzbare A 98 für Schwörstadt keinerlei Nutzen bringt, auch nicht, wenn sie bis Minseln eröffnet wird. Auf den Diskussionsbeitrag einer Gemeinderätin aus Bad Säckingen eingehend, dass zunächst noch intensiver Arten- und Landschaftsschutz für die jetzt ausgewählte Trasse zu untersuchen sei, meinte Schütz, dass endlich der Bürgerschutz als erstes Kriterium für den Bau betrachtet werden müsse.

Auch der Bad Säckinger Bürgermeister Alexander Guhl begründete die Dringlichkeit des Abschnittes 6 der Autobahn mit der Verkehrsdichte in seiner Stadt. Sie sei wohl der einzige Kurort Deutschlands, der täglich von 25000 Fahrzeugen durchquert werde. Als die Diskussion in kleinliche Details abzugleiten drohte, wies Frank Lückfeldt aus Schwörstadt darauf hin, dass ein schneller Bau wesentlich wichtiger als kleinliche Variantendiskussion sei.

Der zeitliche Rahmen

Projektleiter Kuhn sieht bis Ende dieses Jahres den Abschluss der Vorplanung, bis Frühjahr 2024 könne die Entwurfsplanung abschlossen sein. Der Planfeststellungsbeschluss sei im März 2027 zu erwarten, dann könne auch der Bau beginnen. Alle Gemeinderäte aus Schwörstadt stimmten der Vorlage zu, aus Bad Säckingen und Wehr gab es wenige Gegenstimmen und Enthaltungen.

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