Kreis Lörrach Zwischenlösung sorgt für Verdruss

Michael Werndorff
Das im Bau befindliche Zentralklinikum soll dereinst per Bahn erreichbar sein. Bis dahin werden noch gut zehn Jahre vergehen Foto: Michael Werndorff

Das Lörracher Zentralklinikum soll im Jahr 2025 den Dienst aufnehmen. Bis dahin wird ein S-Bahn-Halt nicht realisiert werden können. Der verkehrliche Anschluss soll zunächst per Straße erfolgen, was erneut zu Diskussionen führt.

Die S-Bahn-Planungen im Kreis Lörrach kommen voran. Derweil sorgt die ÖPNV-Anbindung des im Bau befindlichen Zentralklinikums für Kritik: Ein Bahnanschluss wird bis zur Eröffnung im Jahr 2025 nicht realisiert werden können, die Erschließung muss straßengebunden über den ÖPNV erfolgen, wie Jakob Jochum, stellvertretender Leiter des Dezernats für Mobilität, Umwelt und Strukturpolitik, im Rahmen des Sachstandsberichts zum Ausbau der Garten- und Wiesentalbahn im Kreis-Umweltausschuss darlegte.

15-Minuten-Takt

Das Ausbauprojekt zielt auf einen 15-Minuten-Takt zwischen Basel Badischer Bahnhof und Lörrach Hauptbahnhof sowie einen zusätzlichen Haltepunkt beim neuen Klinikum ab. Zudem soll die S 5 ganztägig mit allen Halten bis Schopfheim fahren. Hierzu müssen zusätzliche zweigleisige Abschnitte gebaut werden, wo sich Züge begegnen können. Weiter stehen bei den Halten Riehen Bahnhof, Lörrach-Stetten, Lörrach Brombach/Hauingen und Schopfheim West Sanierungen beziehungsweise ein Ausbau an.

Das Projekt liege im Zeitplan – für Mai werden laut Bericht die Ergebnisse einer eisenbahnbetriebswissenschaftlichen Untersuchung erwartet. Dieses Jahr soll auch die Vorplanung ausgeschrieben werden, wie weiter zu erfahren war. Mit Blick auf den Bau des neuen S-Bahn-Halts Lörrach Zentralklinikum ist ein vorgezogener zweigleisiger Ausbau nicht Teil des Projekts. Fahrplan-Prüfungen auf der bestehenden Infrastruktur hätten gezeigt, dass ein Anschluss nicht ohne Auslassen bestehender Haltepunkte möglich sei. So sieht das Analyseergebnis keinen vorzeitigen Anschluss per Schiene vor.

Buslinien prüfen

„Aus diesem Grund hält es die SPD-Kreistagsfraktion für geboten, bestehende Buslinienraster in der Raumschaft Steinen/Lörrach dahingehend zu untersuchen, ob nicht weitere Busverbindungen bis an das Zentralklinikum geführt werden können“, wie es in einem Antrag der Fraktion heißt. Bekannt sei, dass die Stadt Lörrach vom S-Bahn-Haltepunkt Brombach eine Buslinie zum Zentralklinikum einrichten wird.

Auf den Antrag eingehend, erklärte Verkehrsdezernent Ulrich Hoehler, dass sich die Frage stelle, wie neben der Anbindung seitens Lörrach auch regionale Buslinien berücksichtigt werden können. Die Herausforderung: Regio-Linien seien bis auf die letzte Minute durchgetaktet. Weiter sagte Hoehler, dass im April Abstimmungsgespräche mit der Stadt Lörrach erfolgen sollen.

Haltepunkte im Visier

„Es ist nach wie vor unbefriedigend, dass die Bahn am neuen Zentralklinikum vorbeifahren wird“, sagte Ulrich May (FW), der wissen wollte, ob beim Auslassen von Haltepunkten das letzte Wort gesprochen sei. Notfalls sollte auf bestehende Halte verzichtet werden oder eine alternierende Bedienung eingeplant werden. Derweil zielte Klaus Eberhard (SPD) generell auf die Verkehrswende ab: „Wir müssen andere Formen der Mobilität fördern.“ Er erwarte von den Kreiskliniken Vorschläge, wie die Mitarbeiter dazu gebracht werden können, mehr den ÖPNV zu nutzen. Dass die jetzige Lösung fast unerträglich sei, befand Kevin Brändlin (FDP), während Bernhard Escher betonte, dass alle Halte dringend erforderlich seien.

Die Botschaft des Verkehrsdezernenten war eindeutig: Es sei nicht möglich, auf der Strecke im Konsens Verzicht zu üben, um den Halt am Zentralklinikum zu ermöglichen, kommentierte er die Frage nach Alternativen. Indes: „Die Nachfragen sprechen alle aus dem Herzen.“ Bei einem alternierenden Rhythmus würde die Bahn nur einmal pro Stunde am Zentralklinikum halten, was zu wenig sei, so Hoehler. Und weiter: „Unter dem Strich ist das nicht empfehlenswert.“

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