Kultur Comic-Klassiker und Jazzliebe

Christoph Schennen
Der französische Zeichner Blutch mit der Direktorin des Cartoonmuseums, Anette Gehrig Foto: Derek Li Wan Po

Das Cartoonmuseum widmet sich in seiner neuen Ausstellung dem französischen Zeichner Blutch. Er kreiert das visuelle Artwork für Comic-Romane, Platten- und Magazincover und Plakate.

Ab Samstag sind im Cartoonmuseum grafische Werke von Blutch zu sehen. „Blutch. Demain!“ zeigt Zeichnungen und Malereien aus allen Schaffensperioden des 1967 in Straßburg geborenen Künstlers, der mit bürgerlichen Namen Christian Hincker heißt. Sie beginnt mit Einzelzeichnungen, die Menschen, vielfach nackte Frauen, Interieurs und Landschaften zeigen. Im Zentrum der Schau stehen aber die Comics des Künstlers, der nicht für eine einzelne Serie wie etwa Hergé (Tim und Struppi) bekannt ist, sondern viele unterschiedliche Projekte realisiert hat.

Selbstbewusste Frauen

Zu sehen sind etwa Panels aus „Blotch, der König von Paris“, „La mer à boire“ und der Serie „Mademoiselle Sunnymoon“. Ausgangspunkt in „Toutes les femmes“ ist, dass alle Frauen von der Welt verschwunden sind. Eine ist übrig geblieben - Sunnymoon. Blutch zeichnet in dieser Geschichte das Porträt einer Frau, die selbstbewusst ihren Alltag meistert und auch die Auseinandersetzung mit Autoritäten wie der Polizei nicht scheut.

Kindheit im Elsass

Im Obergeschoss lernt man den „Kleinen Christian“ kennen, in dem Blutch seine Kindheit schildert, den Science-Fiction-Roman „Lune l’enverse“ und zahlreiche Pastiches zu ausgewählten Seiten seiner Comic-Vorbilder wie Claire Bretécher oder Jean Giraud.

Eine große Auszeichnung wurde ihm in diesem Jahr durch die Éditions Dargaud zuteil, die ihm mit einem Lucky-Luke-Abenteuer beauftragte. „Les Indomptés“, so heißt es, erscheint am 1. Dezember in Frankreich. Einige Panels zu diesem Comic sind in einer der Vitrinen zu sehen.

Leidenschaft für Jazz

Ein Raum weiter wird Blutchs Leidenschaft für den Jazz thematisiert. Von einem Aufenthalt in New York inspiriert, zeichnete er Platten- und Magazin-Cover beispielsweise für das „Banlieues Bleues Festival“ und Comics für das französische Magazin „Jazzman“, in dem in schwarz-weißen Panels die fiebrige Energie, die ergreifende Schönheit und die Melancholie dieses Musikstils greifbar wird.

Preis für „Vitesse Moderne“

Seine Cinephilie bringt er in „Ein letztes Wort zum Kino“ zum Ausdruck, wo er Regisseuren, Schauspielern und Lieblingsfilmen von und mit Claudia Cardinale, Jean-Luc Godard, Luchino Visconti und anderen huldigt. Abschließend wirft die Ausstellung einen Blick auf die Zeichnungen aus der phantastischen Odyseee „La volupté“, auf das aus einer Reihe von stummen Szenenbildern bestehende „La beauté“, auf „Péplum“ und „Vitesse Moderne“, in dem es um Körperlich- und Sinnlichkeit geht.

Anette Gehrig, Direktorin des Cartoonmuseums, sieht Blutch als Künstler, der den Comic umgewälzt hat und zeichnerisch in alle Richtungen geht. Der experimentelle Umgang mit der Zeichnung und der Erzählung seiner ersten in „Fluide Glacial“ erschienenen Kurzgeschichten gefiel nicht jedem Leser.

Blutch versteht sich nicht als Illustrator; seine Zeichnungen stehen im Mittelpunkt der Erzählung, er ordnet sie nicht dem Text unter. Weil zahlreiche seiner Alben noch nicht auf Deutsch erschienen sind, kann der Comicafficionado in „Blutch Demain!“ einige Entdeckungen machen.

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