Kultur Die „Oberrheinischen“ Lörrach wollen weiterspielen

Jürgen Scharf
Große Aufgaben kommen auf den Vorstand des Oberrheinischen Sinfonieorchesters Lörrach zu (von links): Markus Stephan-Güldner, Thomas Th. Willmann, Renate Gassiloud, der neue Vorsitzende Stephan Karl Schultze und Dirigent Siping Wang. Foto: /Jürgen Scharf

Die finanzielle Situation für das Oberrheinische Sinfonieorchester Lörrach wird enger, weil die Sparkasse Lörrach-Rheinfelden ihr Sponsoring ab 2024 beendet.

Als seine vorrangige Aufgabe sieht es der am Mittwoch bei der Mitgliederversammlung im Haus der Stadtmusik einstimmig gewählte neue Vorsitzende des Orchesters, Stephan Karl Schultze, an, sich um die Finanzlage und das Sponsorenthema zu kümmern. Das Engagement der Sparkasse sei aber so schnell nicht zu ersetzen.

Neuer Vorsitzender Stephan Karl Schultze

Schultze, der seit 16 Jahren in Lörrach lebt und als Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwalt tätig ist, weiß, dass große Sponsoren für klassische Musik rar sind. „Vielleicht ist noch etwas zu retten“, sagte er, wenn einzelne Projekte bezuschusst werden. Er kann sich vorstellen, dass das Orchester Schülerinnen und Schüler von Musikleistungskursen mit ihren Lehrer einlädt, Proben und Konzerte zu besuchen, und man für solche Jugendprojekte Förderung beim Landkreis beantragt oder andere Sponsoren dafür gewinnen kann: „Die Proben sind hörenswert und erlebenswert.“

Finanziell schwierig

„Das Loch ist schon recht groß“, meinte der neue Mann an der Spitze zur Finanzsituation, weil die Sparkasse den Sponsorenbeitrag schon in diesem Jahr halbiert hat. Laut Schultze sei der Ausstieg der Sparkasse eine Gremienentscheidung gewesen, mit der Begründung, dass man sich unter Rechtfertigungsdruck bei der Breitenwirkung (Sport und Jugend) sah. Aber es sei ihm signalisiert worden, dass das eine oder andere Projekt noch gezielt unterstützt werden könnte.

Neue Förderer gesucht

Die Uraufführung des Werks von Willi Vogl im vergangenen Sommer sei ohne das Engagement der Sparkasse nicht möglich gewesen. Um den Ausfall zu kompensieren, sollen neue Fördermitglieder und private Spender gewonnen werden. Weil die Schalterhalle der Sparkasse ab nächstes Jahr auch nicht mehr zur Verfügung steht, muss das Orchester einen neuen Konzertraum finden, „was in Lörrach nicht einfach ist“, so der zweite Vorsitzende Thomas Th. Willmann.

Mitgliedsbeiträge erhöht

Die finanzielle Frage nahm einen breiten Raum in der Versammlung ein. Auf Willmanns Anregung, die Mitgliedsbeiträge „moderat“ zu erhöhen, wurde lange das Für und Wider diskutiert. Der Beschluss, den Mindestbeitrag von 50 auf 80 Euro pro Jahr zu erhöhen, fiel einstimmig. Die Ausgabenseite soll wegen Einsparpotenzial genauer angeschaut werden, zum Beispiel die Straßenwerbung und Plakate.

Christian Leccese legt Amt nieder

Stephan Karl Schultze ist der Nachfolger von Christian Leccese, der sein Amt aus persönlichen und beruflichen Gründen niederlegte. Schultze freut sich auf seine neue Aufgabe: „Ich kann mir kein schöneres Ehrenamt vorstellen“. Er sehe es aber auch als „große Bürde“. Das Orchester sei „eine Perle der Region“, sagte der frisch gewählte Vorsitzende, der früher selber Trompete und Flügelhorn gelernt hat und dessen sechs Kinder alle Instrumente spielen.

Rückblick

In seinem Rückblick ging Willmann auf den Dirigentenwechsel ein und bilanzierte das erfolgreiche Konzertjahr. Das letzte Adventskonzert habe „wahre Stürme der Begeisterung beim Publikum hervorgerufen“. Der neue Dirigent Siping Wang gab einen Ausblick auf das kommende Sommerkonzert mit Werken von Schubert, Mozart und Tschaikowsky dem Cellosolisten Denis Zhdanov, Solocellist des Philharmonischen Orchesters Freiburg.

INFO

Der Vorstand des Oberrheinischen Sinfonieorchesters Lörrach besteht aus dem neu gewählten ersten Vorsitzenden Stephan Karl Schultze, seinem Vize Thomas Th. Willmann, der Kassiererin und Notenwartin Renate Gassiloud und dem Schriftführer Markus Stephan-Güldner. Als neue Beiräte wurde Marianne Hempel, Ivonne Matt, Stephanie Zehn-Kriechbaum, Axel Kriechbaum und Felix Wörner gewählt. Um die Homepage und die Gestaltung der Plakate und Flyer wird sich Lucas Gassiloud kümmern.

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