Kultur Ein bunter Blumenstrauß aus Klängen

Das Melt Trio: Bernhard Meyer, Moritz Baumgärtner und Peter Meyer Foto: zVg Foto: mek

Lörrach. Das Melt Trio gastiert am Donnerstag, 15. Mai, im Lörracher Burghof. Die Formation besteht aus dem Brüdern Bernhard und Peter Meyer mit Bass und E-Gitarre sowie dem Drummer Moritz Baumgärtner. Wie die Band zurzeit drauf ist und was die Zuhörer erwartet, darüber sprach Dorothee Philipp mit Moritz Baumgärtner.

Die Mitglieder des Melt Trios, die Gitarristen Peter und Bernhard Meyer und Sie als Schlagzeuger, sind in der neueren Jazz-Szene keine Unbekannten. Sie selbst waren bis vor wenigen Tagen mit der freakigen Band „Bonaparte“ auf einer Tournee durch China, die Brüder Meyer haben mit anderen Musikern zusammen ebenfalls eigene Wegebeschritten. Wann haben Sie zusammengefunden und wie war Ihr erstes Konzert?

Baumgärtner: Ich habe die Meyer Brüder 2007 an der Jazzhochschule in Berlin kennengelernt. Wir haben alle drei viel gespielt in der Berliner Szene. Eines Tages rief mich Bernhard an und fragte mich, ob ich Lust hätte, mit ihm und seinem Bruder Peter eine CD aufzunehmen. Wir trafen uns regelmäßig zum Proben und Komponieren und nahmen schlussendlich unsere erste CD „Melt“ im September 2010 in den Vicsound Studios in Stockholm auf.

Teil der Vorbereitung waren auch viele kleine Konzerte im Café Wendel in Berlin Kreuzberg. Dieser Ort ist einer der wichtigsten für improvisierte Musik in Berlin. Ich erinnere mich an eine Frau, die bei einem dieser ersten Konzerte, wo wir meist freie Improvisationen mit Skizzen in unsere Stücke verwoben haben, schreiend das Wendel verließ, zum Glück aber anschließend wieder kam und uns erklärte dass sie vor lauter Begeisterung und ungekannter musikalischer Anregung nicht mehr sitzen konnte und an die Luft musste. Mittlerweile erzielen wir denselben Effekt, ohne dass unser Publikum an die Luft muss (schmunzelt).

Das Melt Trio hat einen unverkennbar eigenen Stil mit Anklängen an viele verschiedene Musikrichtungen. Wie würden Sie diesen Stil charakterisieren, was macht ihre Formation so einzigartig?

Diese Frage ist immer sehr schwer zu beantworten. Ich denke aber dass wir auf Grund eben dieser verschiedenen Einflüsse (z.B. Klassik, neue Musik, Rock und elektronische Klänge) gemeinsam eine sehr lebendige und frische Musik kreieren können. Wenn man sich gut kennt und sich hundertprozentig vertraut, kann so etwas unglaublich Starkes entstehen. Energie, Dichte und ein bunter Blumenstrauß aus Klängen und Farben.

„Es zählt einzig der Klang des Kollektivs“, schreibt ein Rezensent. Ausufernde Soli findet man beim Melt Trio so gut wie nicht. Um was geht es Ihnen beim Zusammenspiel?

Wir wollen immer genau das spielen was die Musik gerade braucht. Das verlangt eben nicht zwingend in jedem Stück ein Solo. Wir versuchen in unserem Bandsound, gemeinsam Schritt für Schritt die Kompositionen zu beleben und – vielleicht noch wichtiger – zu erleben. Das kann dann auch manchmal bedeuten dass Peter an der Gitarre nur Geräusche macht und ich am Schlagzeug die Melodie übernehme.

So kann sich der Fokus auf die unterschiedlichen Musiker sehr schnell ändern und verschieben. Alle bleiben sehr aufmerksam und neugierig, nicht nur wir innerhalb der Band sondern auch das Publikum. Wenn die Rolle eines Instruments nicht immer die gleiche, beziehungsweise nicht immer die ist, die dem Instrument am nächsten kommt, wird die Musik vielschichtiger und der Bandsound größer und interessanter.

Haben Sie trotz aller Eigenständigkeit musikalische Vorbilder?

Auf jeden Fall. Vorbilder sind unglaublich wichtig. Sie sind das Benzin, der Antrieb im Findungsprozess eines Musikers oder einer Band. Wir hören alle viel Musik zusammen. Mal kommt der eine mit einer neuen Entdeckung mal der andere. Wichtige Vorbilder für diese Band sind bestimmt Künstler wie, Paul Motian, Keith Jarrett, Bill Frisell oder aber auch Komponisten wie Messiaen, Mahler oder Beethoven.

Nach Ihrem ersten Album „Melt“, das der Formation auch den Namen gab, ist jetzt die zweite CD „Hymnolia“ erschienen. Knüpft sie an die erste an? Gibt es neue Impulse?

Hymnolia ist definitiv eine Weiterführung von unserer ersten CD. Wie bei allem anderen auch, wird man besser wenn man Zeit und Arbeit investiert. So nutzen wir unsere Erfahrung und Erkenntnisse aus der Zeit von Melt, um bei Hymnolia konkreter und präziser zu werden. Wenn ein Bogen auf Melt über zehn Minuten geht, findet man dieselbe Spannung auf Hymnolia noch stärker in drei Minuten. Wir haben uns eher darauf konzentriert Songs zu schreiben und diese spannender und vielseitiger zu interpretieren. Es gibt sogar das ein oder andere Solo mehr auf der neuen CD.

Wie sehen Ihre Pläne aus? Ist ein neues Album in Sicht? Eine neue Tournee?

Wir werden noch einige schöne Konzerte und Jazzfestivals in diesem Jahr spielen. Eine Tour im September und eine im Dezember 2014 sind in Planung. Parallel arbeiten wir schon an neuem Material für die dritte CD, es besteht also durchaus die Möglichkeit einen kleinen musikalischen Zukunftsfunken im Burghof Lörrach mitzubekommen.

Sie selbst sind in Lörrach aufgewachsen und haben mit zwölf Jahren Ihren ersten Wettbewerb (Jugend musiziert) gewonnen. Freut es Sie, dass Sie jetzt nach einem Auftritt im Februar 2012 schon zum zweiten Mal wieder hier auftreten?

Unser erstes Konzert im Burghof war ganz wunderbar und wir freuen uns natürlich dass wir wieder kommen dürfen. Ich freue mich aber immer sehr, in Lörrach zu spielen. Hier habe ich viel Unterstützung erfahren, ob von meinen Eltern, meinen Jazzattack Mitstreitern von damals oder den beiden Jazz AGs am HTG und am Hebel Gymnasium. Ich kann mich gut erinnern, wie ich früher begeistert Freitag nachts aus dem Jazztone kam von einem der vielen tollen Konzerte dort. Vielleicht geht ja am Donnerstag nach unserem Konzert im Burghof auch jemand inspiriert nach Hause, dann schließt sich irgendwie ein Kreis.

Tickets unter www.burghof.com

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