Kultur im Burghof Bitte mehr davon!

Eckhard Lenzing
Das Quartett samt Clown sorgte für Begeisterung. Foto: Eckhard Lenzing

Ein Konzerterlebnis der anderen Art: Darf man Das? Das delian::quartett und Clown Peter Shub sagen ja.

Selten hat ein Besucher eines klassischen Konzertes so herzerfrischend gelacht, wie am Donnerstagabend im Burghof. Das Ensemble in Residence das delian::quartett mit Adrian Pinzaru (Violine), Andreas Moscho (Violine), Lara Albesano (Viola), Hendrik Blumenroht (Violoncello) & Peter Shub als Clown bereiteten dem Publikum hör- und sichtbare Freude.

Musiker spielen göttlich

Um es vorweg zu sagen, die Musiker spielten göttlich. Im Programmheft steht, das der griechische Gott Apollon, der Gott der schönen Künste, auf der Insel Delos geboren wurde. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass das delian::quartett sich Apollon sehr verbunden fühlt. Ihr Klang ist betörend. Die Klangbalance war perfekt, und die einzelnen Instrumente sprechen und singen miteinander.

Besonders ist die hervorragende Artikulation und Intonation zu erwähnen. Vom ersten Ton des Streichquartetts op. 50 von Josef Haydn an, ist klar, dass diese vier Musiker auf einem ganz hohen Niveau musizieren. Ihr sparsamer Umgang mit dem Vibrato bis zum völligen Verzicht in der Air aus der 3. Suite von Johann Sebastian Bach erzeugte ungeahnte Spannung. Einfach fantastisch.

Das delian::quartett könnte nun sein Konzert in gewohnten Bahnen weiter führen, aber sie möchten gerne dem tradierten Konzerterlebnis eine Spiegel vorhalten, und schauen, was alles so passieren kann. Und es passierte.

Mit ihrem Sidekick Peter Shub, der aus New York stammende Clown und Mime, hatte das Publikum seine Freude. Mit seiner Mimik und Gestik die erklingende Musik und die Gepflogenheiten in einem Konzert auf eine sehr ehrliche Art und Weise zu parodieren, lässt ihm von Beginn an die Herzen gewinnen. Er ist großartig, wenn er den richtigen Zeitpunkt des Klatschens in einem Konzert auf die Schippe nimmt, oder das Knistern eines zu öffnenden Bonbons parodiert. Seine nonverbale Art ist so vielsagend.

Großartiges Theater

In der Verbindung zur Musik entsteht großartiges Theater. Dieses schießt natürlich das Publikum mit ein, das in Lörrach großartig mitmacht. Man singt und steht öfter auf. Peter Shub geht zu den Leuten und lässt ihre Gedanken auf die Bühne fliegen, welche vom Quartett sofort in Musik umgewandelt werden.

Bei so viel Theater stellt sich die Frage: Wer begleitet wen? Am Beginn ist es das Quartett mit der Musik von Haydn. Im weiteren Verlaufe übernimmt der Clown das Geschehen, bis es im zweiten Teil des Abends mit der Cavatine aus dem Streichquartett op. 130 von Ludwig van Beethoven wieder die ganze Aufmerksamkeit zurückerlangt. Mit diesem Werk erreicht das Quartett die höchste Konzentration und es erklingt tief empfunden im fast dunklen Saal.

Solche Konzerterlebnisse bringen die Klassik auch einem unerfahrenen Publikum näher, man geht beschwingt nach Hause. Bitte mehr von solchen Ideen!

Das delian::quartett wird in dieser Spielzeit noch weitere Konzerte geben, welche sicher unsere gewohnten Hörerfahrungen hinterfragen.

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