Kultur Lyrikfestival Basel

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Preisträgerin Anna Hetzer Foto: Dirk Skiba

Dieses Jahr bietet das Basler Lyrikfestival einen Schwerpunkt zu Frauen im Krieg und interdisziplinäre Poesie.

Das 19. Internationale Lyrikfestival Basel dauert vom 4. bis 7. Mai. Am Freitagabend führen die ersten „Begegnungen“ mit Tillmann Severins Lyrikdebüt „museum der aussterbenden mittelschicht“ ins bundesrepublikanische Nachkriegsdeutschland. Odile Kennel liest Gedichte, die leicht, verspielt und subversiv daherkommen. Im Vorfeld findet ein lyrischer Spaziergang statt.

Stimmen im Krieg

Einen Schwerpunkt des Festivals bildet die Veranstaltung „Stimmen im Krieg“ mit der ukrainischen Dichterin Marianna Kiyanovska. Ihr Gedichtband „Babyn Jar. In Stimmen“ (Kyjiw 2017) führt in den September des Jahres 1941, als in der Schlucht von Babyn Jar an zwei Tagen mehr als 33 000 jüdische Frauen, Männer und Kinder von NS-Sonderkommandos erschossen wurden. Kiyanovska wandelt mit ihren Gedichten die bedrückende Zahl in einen beklemmenden Chor. In der Artikulation von Wegsehen und Hinsehen, Weghören und Hinhören, Ahnen, Misshandeltwerden, Laufen, Drängen, Ausblenden und Rufen bekommen namenlosen Opfer eine Stimme. In der Lesung stellen Marianna Kiyanovska und Claudia Dathe den Gedichtband vor und kommen über Erinnern und Vergessen im ukrainischen Kontext ins Gespräch.

Aus dem Exil

Weiterer Schwerpunkt ist das Thema „Krieg gegen Frauen“ mit der kurdischen Autorin Sultan Yaray und der im deutschen Exil lebenden Übersetzerin und Lyrikerin Pegah Ahmadi. In Kurdistan führt die Regierung Krieg gegen die eigene Bevölkerung, vor allem und besonders gegen Frauen. Sultan Yaray lebt als kurdisch schreibende Lyrikerin in Amed (Diyarbakir). Sie hat bisher zwei Gedichtbände vorgelegt. Meral Şimşek ist eine türkisch-kurdische Schriftstellerin und Dichterin, ebenfalls aus Amed. Im Januar 2021 wurde Meral Şimşek wegen „Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“und „terroristischer Propaganda“ angeklagt. Ihr Fall sorgte für großes Aufsehen. Dem PEN Berlin gelang es Mitte Juli 2022, Meral Şimşek zwei Tage vor einem Prozesstermin aus der Türkei nach Deutschland zu bringen. 2022 erhielt sie für ihr lyrisches und literarisches Schaffen den Theodor Kramer-Preis für Schreiben im Widerstand und im Exil.

Im Gespräch mit Hevin Kavakurt präsentieren die beiden Dichterinnen ihre Werke und stellen einen Kontext zur aktuellen Situation in ihrer Heimat her.

Lyrikpreis

Außerdem finden die Verleihung des Basler Lyrikpreises an Anna Hetzer statt. Die Jury würdigt sie für ihr poetisches Schaffen. Sprachgewaltig und humorvoll hinterfrage Anna Hetzer Genderkonstrukte und patriarchale Strukturen in Kunst- Medizin- und Kulturgeschichte. Die Preisverleihung ist am Samstag, 6. Mai, um 19 Uhr im Literaturhaus Basel.

Des weiteren im Angebot ist ein Schreibworkshop und ein Abend mit Marcel Beyer, der über die Notwendigkeit von Gedichten spricht. In der Lesung mit Farhad Showghi präsentiert diese Gedichte, in denen sich Wirkliches mit Traumhaftem, Aktuelles mit Erinnerungen, europäische Nüchternheit mit orientalischem Wortzauber mischen.

Die Lyrikgruppe tritt in Aktion, und es gibt ein Konzert mit den Reines Prochaines am Freitagabend. Sie stellen ihr brandaktuelles Konzertprogramm vor, mit neuen Songs und performativen Beiträgen, eine Reise durch die schlimmsten Befürchtungen und größten Hoffnungen unserer Zeit.

Experimentierfreudig

Es folgen ein Late Night Varieté mit Sprachkünstlern jenseits der Schubladen, die waghalsig, innovativ und experimentierfreudig die Grenzen zu anderen Kunstsparten überschreiten, dieses Jahr mit dem Schwerpunkt auf der Schnittstelle zu Musik und Performance. Zum Abschluss gibt es eine „Sofalesung“ mit Rasha Habbal.               

19. Internationales Lyrikfestival in Basel: 4. bis 7. Mai ; Programm: https://lyrikfestival-basel.ch

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