Kultur Mädchentraum und große Kunst

Von Gabriele Hauger

Riehen. Wer den Kunstraum Riehen, direkt neben der Fondation Beyeler gelegen, kennt, wird beim Betreten verblüfft sein über dessen völlig verwandeltes Interieur. Die unteren Räume sind in einem Mädchentraum aus Lila gehalten, weiße Stuckleisten ziehen sich ringsum, wallende Vorhänge verdunkeln einen Saal und schaffen kuschelige Wohnzimmer-Atmosphäre. In weiteren Ausstellungsräumen verleihen duftig bedruckte Soffbahnen Wärme.

Die seit fünf Jahren in Basel lebende englische Künstlerin Clare Kenny hat in ihrer Ausstellung „If I Was a Rich Girl“ Teile ihrer persönlichen Kunstkollektion ausgestellt und diese in ein selbst gestaltetes britisches Upperclass-Szenario gesetzt. Dabei persifliert sie den kleinbürgerlichen Traum von einem Leben der oberen Zehntausend, die sich Kunst im Wohnzimmer leisten können und diese gern auf Kaminattrappen (ein typisch britisches Phänomen), Fensterbrettern oder Zimmerwänden zur Schau stellen.

„Wenn ich ein reiches Mädchen wäre“ lautet die Übersetzung des augenzwinkernden Ausstellungstitels. Und mit diesem Mädchentraum arbeitet Kenny durchgängig. Im Kontrast zu den wertigen ausgeliehenen Kunstwerken – beispielsweise von Imi Knoebel, Heidi Bucher, Louise Bourgeois oder Helen Chadwick – platziert sie eigene Arbeiten, gefertigt aus günstigen Materialien vom Baumarkt. Sie bedruckt Teppiche mit Fotografien und designet eigenwillige Vorhänge. Sie platziert Pflanzen in eigens gearbeitete Keramikgefäße. Auffällig häufig trifft man auf Lampen, die schummriges Licht schaffen und an viktorianische Exemplare erinnern. Immer wieder finden sich Körperteile auf ihren Arbeiten; Ein Vasenpaar hat Ohr und Bauchnabel, ein anderes Gefäß eine exponierte Nase; auf den Stoffen wiederum sind Dutzende Finger und Nasen zu sehen. Daneben verschönert sie mit Marmorierung, Holzmaserung, Fresko und Staffage die Wände der Räume, in denen die Kunstwerke ihrer Kollegen besonders herausstechen und zuweilen in ihrer Technik wie Fremdkörper wirken. Da hat sich wohl jemand Kunst ins Haus geholt, die man nicht übersehen soll. Die zeigt: Hier gibt es moderne Kunst, ich kann es mir leisten.

Die anderen Künstler

Von Roger Ackling sind Holzarbeiten zu sehen. Mit Akribie und viel Geduld hat er in ein Schwemmholz mittels Brennglas und reiner Sonnenkraft zahlreiche winzige Kreise eingebrannt und so eine Musterung geschaffen, die ein wenig an Tattoos erinnert. Das Zeichnen mit der Sonne steht für einen langsamen, methodischen, einsamen Vorgang, ein sich wiederholendes Ritual – ganz im Gegensatz zu der schnell und eher action painting-mäßig arbeitendenden Clare Kenny.

Vier Bronze Reliefs von Günther Förg sind stilbrechend im kleinen Saal auf die Freskos Clare Kennys gesetzt.

Kontrastierend zu den kuscheligen, bedruckten Teppichen Kennys hängt ein großformatiger Print mit Farbquadraten und dominierend hartem Schwarz des deutschen Malers und Bildhauers Imi Knoebel, der sich mit der Befreiung der Kunst von jeglichen Inhalten und Funktionen auseinandersetzt.

Schräg gegenüber drei heitere Paare mit überdimensionierten Beinen und Strichmännchen-Lächeln, eine Lithografie der berühmten Louise Bourgeois, von der man vor allem ihre Spinnenskulptur „Maman“ kennt.

Wolfgang Tillmans grün-eleganter Tropfen, ein Inkjet-Print auf Aluminiumrahmen, ist ebenso ein Hingucker wie Josephine Woods Wurst essendes Paar in Acryl.

Ob Werke von Helen Chadwick, Heidi Bucher, die Tattoo-Fotografie von Valie Export oder die zuvor beschriebenen Arbeiten von Bourgeois bis Knoebel: Nur ein ziemlich reiches Mädchen wird sich solche Werke in ihrem Heim leisten können.

Schade fast, dass der Kunst Raum Riehen zur nächsten Ausstellung wohl wieder ganz museumstypisch in schlichtem Weiß erstrahlen wird.  bis 30. Juni; Mi bis Fr, 13 bis 18 Uhr, Sa/So 11 bis 18 Uhr; Karfreitag geschlossen, Ostersonntag und Ostermontag sowie Pfingstsonntag und Pfingstmontag, 11 bis 18 Uhr, 1. Mai geschlossen,

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