Kultur Oberrheinische betören

Jürgen Scharf
Der Fagottist Eckhard Lenzing erweist sich als tonlich nobler Solist des Oberrheinischen Sinfonieorchesters. Foto: Jürgen Scharf

Ein sommerliches Serenadenkonzert gibt das Oberrheinische Sinfonieorchester Lörrach mit einer Uraufführung von Eckhard Lenzing und einem Liebesdienst für Ermanno Wolf-Ferrari.

Bei seinen drei Sommerkonzerten bietet das Oberrheinische Sinfonieorchester Lörrach unter seinem Chefdirigenten Siping Wang ein interessantes Programm: intim-inspirierte Streichermusik.

Angefangen hat die Konzerttour in der Evangelischen Kirche in Kandern, gefolgt von einem Auftritt in der Stadthalle Wehr, wo das Orchester schon seit Jahren Stammgast ist.

Perlen des Streichorchesters

Es ist ein Konzertabend von erstaunlicher lyrischer Schönheit, und die aufgeführten Werke nehmen sehr für sich ein. Zu entdecken sind Perlen des Streichorchester-Repertoires teils mit Bläsersolisten, in das sich, so kann man nur wünschen, auch Eckhard Lenzings „Hausmusik I“ eingliedern wird. Dessen uraufgeführte Sinfonia concertante für Flöte, Klarinette, Fagott und Orchester mit dem nach Understatement klingenden Titel „Hausmusik“ kann sich zwischen den Stücken von Warlock, Wolf-Ferrari und Britten gut hören lassen. Das von den Uraufführungsinterpreten sorgfältig einstudierte Werk ist auch beste Spielmusik.

Mit natürlicher Musikalität

Vom frischen, jugendlichen Gestus des ersten Satzes, der Witz und Humor hat, bis zum jazzig angehauchten Finalsatz gibt sich diese Komposition als vorwiegend tonales Werk mit einer natürlichen Musikalität und musikantischen Leichtigkeit. Zusätzliche authentische Qualität gewinnt es, wenn der Komponist selber einer der drei Solisten ist, der als Fagottist im Verbund mit dem wunderbar mitgehenden Klarinettisten Giuseppe Porgo und der sich animiert einbringenden Flötistin Lailah Roos perfekt harmoniert.

So ergibt sich ein sehr schönes Zusammenspiel in den kontrastreichen Ecksätzen wie in dem expressiven Mittelsatz. Das Orchester unter Wangs engagierter Leitung ist ein beredter Anwalt dieser zeitgenössischen Musik und begleitet mit Frische und wohltuendem Schönklang.

Uraufführung

Vor der Uraufführung seines Stücks profiliert sich Lenzing noch mit seinem solistischen Fagott und kantablem, feinsinnigem Spiel in Ermanno Wolf-Ferraris Suite-Concertino. Eine feine, anmutige Musik, die von Herzen kommt und zu der die nachfolgende „Hausmusik“ vorzüglich passte.

Lenzing, ein Spezialist auch der Alte Musik-Richtung, spielt sich tonschön, warm und sensibel durch die zarten Melodielinien in dieser Fagott-Rarität. Im eröffnenden Notturno, einem Nachtstück, wird in der dunklen und intensiven Interpretation des Fagottsolisten eine heitere Melancholie und Sehnsucht hörbar.

In Lenzings lupenreiner Intonation vermittelt das zauberhafte Werk eine Ahnung von zeitloser, universeller Schönheit: ein liebenswertes Porträt dieses vernachlässigten Komponisten.

Eine Lanze fürs Fagott

Bei diesen Sommerkonzerten brechen die Oberrheinischen eine Lanze für das Fagott. Mit hörbarer Emphase widmen sie sich aber auch der Capriol Suite von Peter Warlock, ein Werk nach Renaissancetänzen, deren Charakter von Dirigent Wang schön plastisch herausgearbeitet wird.

Das Orchester versprüht hier Freude am Ausdruck, an den Kontrasten, an den musikalischen Empfindungen und zaubert ein betörendes Klangbild. Wie zum Schluss dann auch in der Simple Symphony von Benjamin Britten, wo die lyrische Sicht auf die Musik beeindruckt. Ebenso wie das bewundernswerte Einfühlungsvermögen, mit dem die Musiker bei jedem Stück den adäquaten Tonfall treffen.

Das Programm ist nicht wuchtig, braucht weniger Blech als in den Winterkonzerten und hat den Charakter einer sommerlichen Serenade.

Termin: 30. Juni, 11 Uhr, Halle 9 Lörrach

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