Kultur Piano und Cello für die Ukraine

Jürgen Scharf
Sammelten Spenden für die Ukraine-Hilfe: der Cellist Denis Severin und die Pianistin Tatiana Korsunskaya beim Benefizkonzert in Schloss Beuggen. Foto: Jürgen Scharf

Das jüngste Schlosskonzert in Beuggen war ein Benefizanlass zugunsten der Ukraine-Hilfe des Vereins „Musik ohne Grenzen“ Basel.

Nach dem opulenten Liederabend im April mit der Mezzosopranistin Tanja Ariane Baumgartner gab es am Sonntag ein ebenso fulminantes Special bei den Schlosskonzerten Beuggen: ein Benefizkonzert für die Ukraine im Rittersaal.

Und wieder saß die ausgezeichnete Pianistin Tatiana Korsunskaya am Blüthner-Flügel. Dieses Mal spielte sie im Duo mit dem Cellisten und künstlerischen Leiter der Konzertreihe der Stadt Rheinfelden, Denis Severin, ein Programm mit berühmten Cellosonaten der Klassik, Romantik und Moderne.

Pausenlos ging es durch die Epochen. Beginnend mit der sehr konzertanten A-Dur-Cellosonate op. 69 von Ludwig van Beethoven über die unkonventionelle Sonate für Violoncello und Klavier von Claude Debussy, die zu den letzten Werken gehört, die der Franzose vollendet hat, bis hin zu der auch für Pianisten recht dankbaren Cellosonate von Frédéric Chopin.

Musiker aus Ukraine

Severin, der an diesem Tag in einem blau-gelben Hemd, den Farben der Ukraine, gekleidet war – der Musiker stammt selber aus der Ukraine, hat aber auch den Schweizer Pass -, spielt Cello mit großem Ton, kräftigem, breitem Bogen und energischer Diktion. Diese spielerische Intensität kommt gleich der Beethoven-Sonate zugute, mit einer gelungenen kontrastreichen Durchführung des Melodieinstruments und des Klaviers.

Die von Beethoven angedachte Gleichberechtigung der beiden Instrumente haben Severin und Korsunskaya in bester Übereinstimmung umgesetzt. Korrespondenz und Balance waren exzellent, schließlich sind die beiden ein perfekt aufeinander eingespieltes Team.

Immer wieder fällt Severins hochfahrende, kraftvolle, mitteilsame Spielart auf, die Kontraste bei Beethoven betonend, im bizarren Scherzo ebenso wie im gefühlsbetonten, kantablen Adagio und im schwungvollen Finale.

Trotz ihrer Rückgriffe auf die französische barocke Musik eines Couperin und Rameau weist die Debussy-Sonate, inmitten des ersten Weltkriegs entstanden, musikalisch weit in die Zukunft, etwa mit der ironisch-melancholischen Sérénade und dem „léger et nerveux“ gespielten Finale. Das ist ein eleganter französischer Stil, wenn auch ans Barock angelehnt.

Der Prolog wurde von Korsunskaya mit resolutem Duktus eröffnet, Severin steuerte neben den Verzierungen der Solostimme in den Sätzen zwei und drei die Cellostimme mit famos gestrichenen und gezupften Saiten bei.

Hochromantisch

Hochromantisch aufblühend war die abschließende Chopin-Sonate, in konzentrierter Form vorgetragen, mit voll tönendem Cello und markantem Klavierton der ebenbürtigen Partnerin. Auch dieses Kammermusikwerk kann man zwingender kaum spielen.

Den Bogen zur Ukraine schloss die Zugabe, ein Stück von Mikhail Skorulskyi. Durch den traurigen Anlass lernt man jetzt vermehrt ukrainische Komponisten bei uns kennen.

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