Kultur Sehen, spüren, verstehen

Von Gabriele Hauger

Augst. Vielseitigkeit und Vielfalt sind Bedeutungen des Wortes Polygon. So nennt sich die seit 48 Jahren bestehende internationale Künstlergruppe, die aktuell in der Maschinenhalle des Kraftwerks Augst ausstellt. Einige Mitglieder haben zudem Gäste eingeladen.

Es ist die 30. und zum Bedauern vieler Künstler und Kunstfreunde auch letzte Kunstausstellung an diesem besonderen Kraftort, der durch die Weite der Halle, durch die riesigen Fenster, die den Blick auf das Wasser des Rheins frei geben, und durch das omnipräsente Brummen der Maschinen eine ganz besondere, inspirierende Atmosphäre hat. Ein Raum der Kunst wird die Maschinenhalle nur noch bis 2. Mai sein, über andere Sonderaktionen vor Ort anstelle der aufwendig zu organisierenden Kunstschauen wird nachgedacht.

Zu entdecken gibt es viel. 23 Künstler präsentieren erhöht auf einer Art Podest, an großzügigen Stellwänden oder rhythmisiert im Raum verteilt insgesamt 220 Positionen. Die Bandbreite ist groß: Das Spektrum reicht von Öl- und Acrylmalerei über Zeichnung, Fotografie, Collage, Skulptur, Keramik, Digitalkunst und Druckgrafik bis zu Papierobjekten. Als Kuratorin wirkte Polygon-Vorstand Silvia Seifert.

Beim Betreten der Halle fallen zunächst die großen Papierarbeiten von Barbara Franke-Caspari ins Auge. Gedreht, geknittert, geknüllt stecken sie erhöht positioniert in Plastikzylindern. Daneben erhebt sich ein verjüngender Turm aus Papier-Würfeln in schwarz-weiß bis an die Hallendecke. Gegenüber stehen Peter Frankes fragile übermannsgroße Skulpturen aus Holz-Drahtgestellen mit luftigem Papier, spielerische Formen, aus denen man Tier- oder Pflanzenformen herauslesen mag.

Gabriele Menzer aus Lörrach zeigt wunderbare, sehr farbintensive Faltungen in ihrer stupenden Maltechnik, während die weichen, runden Formen der abstrakten Skulpturen von Silvia Seifert aus Stein in ihrer Haptik faszinieren. Berühren möchte man auch Bernd Warkentins kostbar schimmernde organische Marmor-Skulpturen. Nachdenklich betrachtet der Besucher die Fotocollagen von Helmuth Jungk, die auf Aluminiumplatten gedruckt sind und dann malerisch bearbeitet wurden: verlassene, unbewohnte Gebäude, verrottete Holztüren, blinde Fenster mit verblichenen Vorhängen – Arbeiten voller Melancholie. Bruno Siegenthaler sorgt mit seinen vielfachen Übermalungen, mit dynamischen Spuren, wilden Linien und Farbklecksen wie Eruptionen für Interesse.

Ganz anders die Fantasiewelt von Christiane Franke, die mit Aquarell und Tusche märchenhafte Trolle aufs Papier setzt, die Bilder mit Ästen, Moos und Rindenstücken strukturiert und sich als Geschichtenerzählerin zeigt.

Verrätselt erzählt Vera Rühle in ihren Radierungen mittels grafischer Zeichen und Zeichnungen von Lebenswegen und Abschied.

„Kunst will gesehen, gespürt werden, um verstanden zu sein“, schreibt Thea Baumann, eine von zahlreichen weiteren ausstellenden Künstlerinnen in einem Statement zu ihrer Arbeit. Das könnte als Leitmotiv über der ganzen vielschichtigen Ausstellung stehen. bis 2. Mai; Do, 17 bis 20 Uhr, Sa, 14 bis 17 Uhr, So, Karfreitag, Ostermontag und 1. Mai, 13 bis 17 Uhr

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