Kultur Steinerne Solitäre

Von Gabriele Hauger

Weil am Rhein. Fotografieren mit allen Sinnen – so lautet das Credo von Rolf Frei. Man muss beim Betrachten seiner Bilder weiter gehen: Auch das Herz ist mit dabei.

Fels & Stein ist der schlichte Titel der am Sonntag eröffneten Ausstellung. Es ist Freis erste Einzelschau in seiner Haltinger Galerie Underground Frei Raum für Kunst.

Im Obergeschoss sind ausschließlich Stein-Fotografien ausgestellt. Schön gerahmt, werden sie wertig präsentiert. Die Steine hat er zuvor sorgfältig ausgesucht. Er hat sie betrachtet, befühlt, dann ausgeleuchtet, fotografiert und die Aufnahmen anschließend aufwendig bearbeitet. Frei verwendet bewusst Unschärfen, hat die Farbe herausgenommen. Ob Rheinkiesel, Turmalin, Vulkan- oder Kalkstein: Von seinem Objektiv gebannt, werden sie zu Solitären. Sie erinnern wahlweise an Architektur oder Berge, an den von Kratern durchzogenen Mond; sie weisen perfekt runde, organische Formen oder spitze Kanten auf. Sie kommen zackig daher oder wolkig-schwammig. Haptisch sanft, strukturiert oder durchlöchert, von Linien durchzogen – dem Betrachter wird deutlich, wie vielschichtig, wie individuell diese Jahrtausende, Jahrmillionen alten Objekte sind.

Für deren Besonderheit gilt es, ein gutes Auge zu haben. Beim Spaziergang, beim bewussten Suchen in der Regio, am Isteiner Klotz, am Rhein oder rund um ein Biotop findet der Fotograf Frei diese kleinen Kostbarkeiten, deren Dimensionen er per Bearbeitung deutlich vergrößert. Dadurch wird deren Zauber erst sichtbar. Andere Objekte bekommt er zugeschickt oder hat sie von Reisen mitgebracht.

Am Treppengang hinunter in den Underground, wo die Fels-Fotografien warten, hängt ein im Original nur wenige Zentimeter großer, auf über einen Meter Höhe vergrößerter Meteorit: funkelnd in bewundernswerter Schönheit – wie nicht von dieser Welt.

Seit 2017 beschäftigt den Fotokünstler das Thema. Für ihn ist jeder Stein eine Skulptur mit Kraft und Ausstrahlung. Das Sujet löst aber auch andere Assoziationen aus: Steine sind Symbole für die Unvergänglichkeit. Durchaus philosophisch, schätzt Frei seit seiner Krankheit diesen Aspekt besonders, ist die Emotionalität und gedankliche Auseinandersetzung noch intensiver geworden. Ganz reduziert, sind in den unteren Räumen großformatige Fotografien von Felsen und Schluchten zu sehen, darunter von der Aareschlucht oder der Via Mala. Spektakulär sind die Perspektiven und Ausschnitte, die Frei hier gewählt hat. In Millionen Jahren sind diese Schluchten ausgewaschen, haben Formen hinterlassen, die sich in den Strudeln des Wassers widerspiegeln. Felsen wirken wie Architektur. Sie beeindrucken mit ihrer Struktur, ihrer Dimension, ihrer Entstehung – gerade auf den geschichtsrächtigen Steinmauern des Kellergewölbes – besonders.

Erinnerungen, Visionen und Bilder, nicht Statistiken sind Rolf Freis Welt, bekennt er in dem informativen Einführungsfilm, der traditionell zu den jeweiligen Underground-Ausstellungen produziert wird. Der Besucher erfährt hier wichtiges über Vita und Werdegang, aber auch Philosophie und bisheriges Wirken des Fotografen Frei, der lange Zeit ein großes Werbestudio leitete, ehe er sich 1990 „frei“ machte und verstärkt seiner Leidenschaft der Fotokunst widmet. Er zitiert darin so schöne Sätze wie: „Nicht das Sensationelle, sondern das Verborgene interessiert mich.“ Davon zeugt auch seine aktuelle Bilderschau.   bis 19. Mai, Eimeldingerweg 16, Haltingen: Fr und So, 14 bis 18 Uhr, Di bis Do nach Vereinbarung

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