Lörrach/Arlesheim. Morris Hayes ist begnadeter Musiker, Producer und Bandleader. Er spielte seit 1990 in der New Power Generation Band (NPG), der Begleitband von Prince, deren Mitglieder öfter ausgetauscht wurden. NPG bestand bis zu dessen Tod 2016. Ein halbes Jahr danach erweckte Hayes als dienstältestes Mitglied die Band zu neuem Leben. Über Prince, dessen Musik und den NPG-Auftritt beim Stimmenfestival auf dem Domplatz in Arlesheim am 4. August spricht er im Interview mit Gabriele Hauger.

Frage: Sie arbeiteten mit vielen Superstars zusammen: Whitney Houston, Elton John, Stevie Wonder. Was war das Besondere an Prince?

Prince war ein Allround-Genie. Das machte ihn für mich so einzigartig. Und ich glaube, diese Meinung teilen auch die meisten anderen Menschen. Er war in unendlich vielen Bereichen talentiert, machte einen perfekten Job. Er war ein Meister des E-Basses, der Gitarre, der Drums, ein Meister des Keyboards, ein begnadeter Tänzer, Sänger und großartiger Schauspieler. Ich bin da voller Bewunderung.

Ich war übrigens auch neugierig, wie er sich selbst einschätzt und während unserer gemeinsamen Bühnenzeit fragte ich ihn das auch. Er antwortete: „Ich sehe mich vor allem als Songschreiber. Denn ich hasse schlechte Lyrics. Deshalb sind mir gute Songs das Wichtigste.“ Und ich glaube, er hatte recht. Seine Lyrics waren so clever komponiert! Wie er die Dinge ausdrückte, auf den Punkt brachte, präsentierte – dafür bewundere ich ihn bis heute.

Frage: Prince als Star, Prince als Privatmann: Was war da der Unterschied?

Ich glaube, da gab es gar keinen großen Unterschied. Prince war immer Prince, wie ein Superman, der nie sein Superman-Outfit ablegt. Er trug nie Jeans, Shorts oder gemütliche Alltagsklamotten wie alle anderen Leute das normalerweise zum Entspannen nach Feierabend tun. Er sah immer wie Prince aus, als ob er gleich auf die Bühne gehen würde.

Frage: Zu Ihnen: Wer brachte Sie zur Musik? Ihre Familie? Freunde?

Ich bin auf dem Land aufgewachsen, in Arkansas, geboren in der Kleinstadt Jefferson. Als Kind hörte ich vor allem die Songs aus dem Radio. Mir gefielen The Eagles, Led Zeppelin, der Rock’n’Roll der Stones. Natürlich kam auch Earth, Wind and Fire dazu. Oder auch James Brown, viel R’n’B-Musik. Ich hörte das alles sehr gern, viel Crossover. Es gab sehr viele Einflüsse. Zur Musik kam ich eigentlich erst so richtig in den 80er Jahren auf dem College. Da lernte ich unglaublich viel, ich habe den Lehrern echt viel zu verdanken. Als dort eine Band ihren Keyboarder verlor, bin ich eingesprungen. Später habe ich dann in Kirchen und verschiedenen Bands gespielt.

Frage: Was lieben Sie so sehr am Keyboard?

Zu Hause hatten wir zwar ein Klavier von meiner Mutter stehen. Aber das war ja zu schwer, um es herumschleppen zu können. Das Keyboard ist für mich wohl das variabelste Instrument, das du dir vorstellen kannst. Drums, Bass, du kannst damit alles machen! Es hat mir in meiner Musiker-Karriere enorm viele Optionen beschert.

Frage: Können Sie Ihr erstes Zusammentreffen mit Prince beschreiben?

Ich besuchte ein Konzert von ihm im Jahr 1982 in Minneapolis mit Freunden. Wir waren die totalen Fans, voller Bewunderung. Verrückt, dass ich später tatsächlich mit ihm zusammenarbeiten durfte, in seiner Band spielte...

Als wir da so rumstanden, fiel uns auf einmal auf, wie er einfach durch die Menge lief, und wir dachten uns nur: „Wow, es ist Prince!“ Dann sind wir einen Schritt vor und mussten erst mal am großen Bodyguard vorbei. Unfassbar, dass wir später gemeinsam auf der Bühne stehen sollten....

Frage: Bekannt, reich, erfolgreich – wie schwierig ist es da, auf dem Boden zu bleiben, nicht den Halt zu verlieren?

Es war nicht immer leicht für mich. Aber ich denke, das hat viel damit zu tun, wie verwurzelt und bescheiden man ist. Ich habe einen christlichen Hintergrund. Ich bekam sehr viel Unterstützung von den Leuten um mich herum, vor allem von meinen Eltern. Das, was du als Eltern deinen Kindern gibst, das geben sie dir auch zurück. Der Apfel fällt eben nicht weit vom Stamm. Das war meinen Eltern bewusst, so haben sie mich erzogen. Mir meiner Wurzeln bewusst zu sein, das habe ich mir all die Jahre bewahrt, und ich denke, dass Prince dies auch an mir geschätzt hat. Schließlich hätte er für den Job auch einen anderen finden können. Ich bin schließlich nicht der beste und einzige Keyboarder auf der Welt. Für ihn zählte immer das Gesamtpaket. Und es ist verdammt wichtig im Leben, dass deine Fähigkeiten gesehen werden. Ich hatte dieses Glück. Prince erkannte meine Stärken – und brachte sie zum Vorschein. Er war einfach ein großartiger Bandleader.

Frage: Wie ging es Ihnen, als Sie vom plötzlichen Tod von Prince hörten?

Ich war total geschockt. Und das ging vielen so. Besonders deshalb, da uns sein Tod so unvorbereitet traf. Ich konnte es zunächst gar nicht glauben. Sofort machte ich mir Vorwürfe: Was hätte ich tun, welche Warnzeichen hätte ich sehen können, um das zu verhindern? Das war für mich das Härteste. Da war so viel Trauer und Schuldbewusstsein in mir.

Frage: Viele denken, dass die Songs ohne Prince nicht funktionieren können. Aber Ihr schafft das. Wie?

Natürlich funktionieren die Songs! Sie haben wie alle unsterblichen Lieder ihr eigenes Leben. Klar, du kannst einen Prince und seine Art zu singen, zu performen nicht ersetzen. Genau, wie du Michael Jackson nicht ersetzen kannst. Aber wir haben in unserer New Power Generation-Band viele tolle Sänger und Musiker, die die großartige Kunst von Prince aufgreifen. So wollen wir seine Musik würdigen. Wir imitieren ihn nicht. Wir sind keine Cover-Band, wir sind Familie! Wir ehren und feiern in Arlesheim Prince und seine großartige Musik mit großem Respekt. Denn großartige Musik ist unsterblich.