Kultur Zwischen Melancholie und leisem Amüsement

Berührte die Zuschauer mit skurrilen Szenen: Clown Pic. Foto: Anja Bertsch Foto: Die Oberbadische

Von Anja Bertsch

Lörrach. Eine diabolische Figur tanzt im Dämmerlicht mit einem Bündel flackernder Kerzen, geheimnisvoll und erstaunlich elegant. Ein Bäcker präsentiert dem Publikum eine hochstöckige Geburtstagstorte – wortlos, stolz, verschmitzt. Und dann, im Flüsterton, die entscheidende Frage: „Ich habe meine Stimme verloren. Wenn ich nun als Kater wiedergeboren werde: Kann ich dann Schnurren?“

Eine zusammenhängende Geschichte oder eine auf den ersten Blick sich erschließende Regiefolge ist es nicht, die Clown Pic da am Freitag im locker besetzten Burghof präsentiert. Stattdessen reihen sich kleine Szenen zwischen Melancholie und leisem Amüsement aneinander. Sie beginnend oft aus dem Nichts heraus oder mitten drin in einer komischen, bedrückenden, seltsamen Situation, beim Sinnieren auf einer Parkbank, beim langen Warten aufs Date oder inmitten einer Magiershow. Sie schlagen abseitige Wege ein und nehmen seltsame Wendungen, um dann ebenso unvermittelt wieder im Dunkel oder in einigen Saxofontönen zu verschwinden. Sie lassen den Zuschauer oft ein wenig ratlos zurück, und/oder mit leisem Schmunzeln. In jedem Fall aber auf eine besondere Weise berührt von der eigentümlichen Show des Schweizer Kleinkünstlers.

Die Augen sind es, die da staunend und verwundert in die Welt blicken, verschmitzt um die Ecke lugen und unendlich traurig und verlassen schauen können. Der Mund ist es, der sich staunend spitzt und zu einem verschmitzten Lächeln erstrahlt. Die ganze Mimik ist es, die auch ohne Worte so wandelbar, unglaublich sprechend und mitteilsam ist. Der Körper tut mit – wiegt sich, tanzt, stampft und tappt, und wird so ebenfalls zum Sprachorgan. Und schließlich sind es doch auch die Worte, die sich zu abseitigen, tiefsinnigen, rätselhaften oder amüsanten Dialogen formen. Körpersprache, Mimik und Worte zusammen sind es, die die Vorführung Pics zu einem besonders sprechenden Ereignis werden lassen.

Da wird die Lehrstunde mit der stoisch vor sich hinbrabbelnden „Learning English-CD“ zu einem heißen Flirt, der Pic ein wenig verschämt, geschmeichelt und am Ende tief enttäuscht zurücklässt: „See you another day.“ Da wird die Magier-Vorführung zur absurden Szene mit Hühnchen-Tanz-Einlage, und Fisch Frederic quatscht ständig dazwischen. Und da wird der Dialog kleiner klingender Glöckchen zum aufgebrachten Streitgespräch, denn wie man Pics Gesicht so betrachtet beim Spiel mit den Glocken, bekommt jede einzelne einen ganz eigenen Wesenszug – grimmig, oder albern oder betrübt.

Faszinierend sind auch die Verwandlungsszenen mit Maske. Aus einem abgewetzten Koffer zaubert Pic beispielsweise eine schier unglaublich Fülle an Masken hervor und präsentiert dem Publikum so wieder und wieder völlig neue, immer ganz andere Figuren. Nicht nur das Gesicht ändert sich mit jeder Maske, sondern das gesamte Auftreten, von der haareraufenden Verzweiflung eines Getriebenen und innerlich Zerriebenen zur unbefangen wiegenden Neugier eines unschuldigen Babys bis zur neckisch-koketten Tänzelei eines alternden Blaustrumpfs.

Den im Programmtitel genannten „Schlüssel“ zur Erklärung all der seltsamen Sequenzen und Momente hält der Zuschauer auch nach zwei Stunden nicht so recht in Händen. Zum Glück: Der Bann hält so noch ein wenig an.

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