Landkreis Lörrach Coronavirus: Risikobewertung für Veranstaltungen über 200 Personen

 Foto: sba

Landkreis  Lörrach  - Mit dem ersten Fall einer Corona-Infektion am Dienstag Abend (3. März) ist das Corona-Virus nun auch im Landkreis Lörrach angekommen. Der Betroffene befindet sich laut Landratsamt in einem stabilen Zustand. Die emittelten Kontaktpersonen sind symptomfrei, befinden sich nun aber wie der Erkrankte selbst in häuslicher Quarantäne. Derweil empfiehlt das Landratsamt (LRA) mit Blick auf die steigende Zahl von Fällen in Baden-Württemberg, Großveranstaltungen über 200 Personen einer Risikobewertung zu unterziehen, um die Verbreitung des Virus einzudämmen und Personen mit erhöhtem Komplikationsrisiko besser zu schützen.

Landratsamt empfiehlt, Großveranstaltungen einer Risikobewertung zu unterziehen

In einer ersten Formulierung hatte das LRA noch pauschal die Absage aller Großveranstaltungen über 200 Personen empfohlen, diese Empfehlung jedoch kurz darauf präzisiert und abgemildert. Demnach soll für Veranstaltungen ab 200 Personen eine Risikobewertung anhand der von der Bundesregierung am 27.02.2020 veröffentlichten "Allgemeinen Prinzipien der Risikoeinschätzung und Handlungsempfehlung für Großveranstaltungen" angestellt werden. werden.  Aufgrund dieser konkreten Kriterien können Veranstaltungen ganz oder teilweise nicht zugelassen werden.

Kriterien sind dabei beispielsweise, ob die Veranstaltung draußen oder in einem Gebäude stattfindet, die Dauer der Veranstaltung "Anzahl und Intensität der Kontaktmöglichkeiten", oder die "Angebote zur ausreichenden Händehygiene".  Je nach dem, wie diese Kriterien im konkreten Fall ausgeprägt sind, könne sie mildernd wirken - oder eben nicht. 

Die Risikoabschätzung liegt bei den Kommunen, sprich: Das Landratsamt ordnet Absagen nicht selbst an, sondern "übergibt" an die Kommunen. ""Umgesetzt werden diese Maßnahmen von den Ortspolizeibehörden der Gemeinden", teilt das Landratsamt mit.

Ausbildungsmesse "CULT"  bereits abgesagt

Von den Vorsichtsmaßnahmen betroffen ist bereits die für dieses Wochenende geplante Ausbildungsmesse CULT: Sie wurde heute am späten Mittag abgesagt. "Aufgrund des ersten Corona-Virus Falles im Landkreis Lörrach haben wir leider gerade von der Stadt Lörrach die Anordnung erhalten, dass die Job- und Bildungsmesse CULT 2020 nicht durchgeführt werden darf", teilt die Messeleitung am Mittwochnachmittag den Ausstellern per E-Mail mit. "Wir sind fix und fertig im doppelten Sinn: Die Messehalle ist komplett aufgebaut und wartet auf die Aussteller. Wir sind emotional fix und fertig – ein Jahr Arbeit geht gerade den Bach runter. Leider konnten wir zu keinem früheren Zeitpunkt informieren, da die Information vor genau fünf Minuten bei uns angekommen ist", schreibt Martina Hug in der Mitteilung.

Wie die Abwicklung und Aufteilung der Kosten erfolgen wird, ist noch unklar. In ihrer Stellungnahme schreibt Martina Hug: „Wir müssen nun zunächst uns mal wieder sammeln und werden uns in den nächsten Tagen und Wochen  bezüglich der konkreten Vorgehensweise melden. Sie können sich sicher sein, dass wir versuchen, für alle Beteiligten gute Lösungen zu finden“, lässt sie ihre Aussteller wissen.

Absage der Regio-Messe höchst wahrscheinlich

Nach der definitiven Absage der Bildungsmesse CULT wird auch die Durchführung der Regio-Messe vom 14. bis 22. März wohl ebenfalls behördlich untersagt, zumal das Landratsamt in seiner Mitteilung die Absage aller Veranstaltungen mit mehr als 200 Personen empfiehlt. Zur Regio-Messe werden an den neun Messetagen rund 60 000 Besucher erwartet.

Die Leitung der Regio-Messe konnte gestern auf Nachfrage unserer Zeitung jedoch weder die Absage noch die Durchführung bestätigen, kündigte allerdings kurzfristig eine Stellungnahme an.

Regio-Geschäftsführerin Natalia Golovina hatte in einem Interview vor wenigen Tagen bereits gesagt: „Die Absage der Regio-Messe wäre  nicht auszudenken.“ Mit anderen Worten: Die höchst  wahrscheinliche Absage  wird die Messe Lörrach GmbH wirtschaftlich empfindlich treffen.

Hoffen können betroffene Firmen nur auf staatliche Hilfen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte sich bereits am Wochenende offen für ein Konjunkturprogramm wegen des Coronavirus gezeigt. Konkrete Beschlüsse gibt es allerdings noch nicht.

Empfehlung für Pflegeheime

Derweil bereitet das Landratsamt derzeit Empfehlungen für die Träger von Pflegeheimen vor, erklärt die Behörde weiter. Dabei werde es zunächst vor allem darum gehen, den Besucherstrom in den Pflegeheimen einzuschränken, da alte und pflegebedürftige Menschen als besonders gefährdet gelten. „Wir möchten hier frühzeitig empfehlen, strenge Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, um die Ansteckungsgefahr gerade für stark gefährdeten Personen zu minimieren. Hierbei handelt es sich um eine Handlungsempfehlung an die Pflegeheime“, so Dr. von der Hardt weiter.

Desweiteren suchen Landratsamt und Kreiskliniken nach Möglichkeiten, die niedergelassenen Ärzte zu unterstützen. Daher stehen sei man auch bereits vor Bekanntwerden des Corona-Falls im Landkreis gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung in Kontakt gestanden, wie eine Unterstützung für die Hausärzte aussehen könnte, beispielsweise durch eine zentrale Abstrichstelle. "Hier sind die beteiligten Akteure weiter in der Abstimmung", schreibt das Landratsamt. 

"Versuchen, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen"

„Bereits seit einiger Zeit haben wir eine dezernatsübergreifende Steuerungsgruppe, die sich regelmäßig mit den Kliniken trifft. Wir arbeiten in dieser Situation alle eng zusammen. Es wird weitere Fälle geben. Das ist aber kein Grund für Panikmache, sondern wir werden weiterhin mit Besonnenheit und in enger Abstimmung mit allen Akteuren versuchen, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen“, so Landrätin Marion Dammann.

Blick in die Nachbarschaft

Aus Basel wurden zuletzt keine neue Infektion gemeldet.

Im Kanton Aargau gibt es sieben bestätigte Infektionen Die Krankheit verlaufe laut Presseagentur sda bei allen Infizierten gut. Nach wie vor befinden sich 150 Personen in Quarantäne. Die Krankheit bei den ersten im Kanton Aargau registrierten Fällen sei bereits am Abklingen.  Eine der sieben im Kanton Aargau am Coronavirus erkrankten Personen befindet sich zu Hause in der Isolation. Diese dauert laut den Vorgaben des Bundesamtes für Gesundheit zehn Tage.

In Saint-Louis  - direkt an der Grenze zu Basel und Weil  also - wurde heute eine Schule geschlossen, nachdem bei Kindern dort  Infektionen nachgewiesen worden waren. Das berichtet die Basler Zeitung.

Infizierter stabil, Kontaktpersonen in Quarantäne

Bei dem ersten bekannten Infizierten handelt es sich um einen 35-Jährigen, der sich mutmaßlich am 12. Februar in Mailand angesteckt hat (wir berichteten). Er befindet sich laut Landratsamt in einem stabilen Zustand, weshalb von einer stationären Aufnahme zum jetzigen Zeitpunkt abgesehen werden könne; statt dessen wurde eine häusliche Quarantäne verfügt, erklärt das Landratsamt am frühen Mittwoch Abend

Wie in solchen Fällen üblich, ist das Gesundheitsamt dabei, alle Personen zu ermittelten und zu kontaktieren, die in direktem Kontakt zum Infizierten standen. Alle bisher kontaktierten Personen sind nach jetzigem Kenntnisstand symptomfrei, befinden sich aber ebenfalls nun für 14 Tage in häuslicher Quarantäne. „Wir halten mit den betroffenen Personen regelmäßig Kontakt und beobachten deren Gesundheitszustand genau“, betont Dr. Katharina von der Hardt, Leiterin des Fachbereichs Gesundheit beim Landratsamt.

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