Lörrach 100 Meter statt zwölf Kilometer

Kurzer Schulweg: Heika Dörflinger bringt ihren Sohn Lukas zur neuen Außenstelle der Karl-Rolfus-Schule (braunes Gebäude). Fotos: Kristoff Meller Foto: Die Oberbadische

Von Kristoff Meller Lörrach. Wenn aus zwölf Kilometern 100 Meter werden: Lukas Dörflinger wurde zehn Jahre lang jeden Schultag vom Fahrdienst zur Karl-Rolfus-Schule für körperlich- und geistig behinderte Schüler nach Herten gebracht. Seit gestern Morgen muss ihn seine Mutter nur noch mit dem Rollstuhl über die Wallbrunnstraße zur neuen Außenstelle der Schule schieben.

Über eine spezielle Schienenkonstruktion aus Metall schiebt Heika Dörflinger ihren 16-jährigen Sohn, der seit frühester Kindheit auf den Rollstuhl angewiesen ist, von der Haustür auf die Holzgasse. Auf dem steilen Fußweg geht es hinunter zur stark befahrenen Wallbrunnstraße. Doch beim Anblick des Rollstuhls halten die Autofahrer an der Verkehrsinsel sofort an. Noch wenige Meter auf dem Gehweg, dann hat Lukas seine künftige Schule erreicht.

Vor rund vier Jahren war die Leitung der Rolfus-Schule beziehungsweise dessen Träger das St. Josefshaus auf der Suche nach einem zentrumsnahen Grundstück in Lörrach, um den Schülern aus dem Markgräflerland und Wiesental eine wohnortnähere Schule zu bieten. Nicht ganz einfach bei der Wohn- und Bausituation in Lörrach. Heika Dörflinger, die auch im Lörracher Behindertenbeirat aktiv ist, brachte das Gelände der ehemaligen Seifenfabrik Walz in der Wallbrunnstraße ins Gespräch, das ihrer Familie gehört. „Das war die Gelegenheit, etwas Sinnvolles damit anzustellen“, so Dörflinger.

Rund vier Jahre später steht nun an dieser Stelle ein über fünf Millionen Euro teures, modernes und behindertengerechtes Schulgebäude mit einem Abenteuerspielplatz und Mensa. Acht bestehende Klassen der Rolfus-Schule mit insgesamt rund 50 Schülern haben hier ein neues Zuhause. Ab dem kommenden Schuljahr kommt eine inklusive Grundschuleingangsklasse in Kooperation mit der Freien Evangelischen Schule hinzu.

Doch schon jetzt herrscht um kurz vor halb neun große Betriebsamkeit auf dem Schulhof. Gleich sieben Kleinbusse drängen sich auf dem Platz und die Betreuer laden die Schüler aus einem Einzugsgebiet von Schönau bis Steinenstadt aus. „Es gibt aber auch einen Bus mit einer Stadttour durch Lörrach“, erklärt Christian Renk vom gleichnamigen Busunternehmen, der sich am ersten Tag persönlich vor Ort die Platzverhältnisse anschaut. Die Fahrten werden vom Landratsamt organisiert und bezahlt, nur wer sehr nah an der Schule wohnt, muss den Transport selbst übernehmen. Einige Schüler kommen aber auch selbstständig zum Unterricht.

Die zentrale Lage bietet aber nicht nur einen wohnortnäheren Schulstandort, sondern auch „viele Möglichkeiten, ohne großen organisatorischen Aufwand am kulturellen Leben der Stadt teilzuhaben und Aktivitäten durchzuführen“, erklärt die neue Leiterin der Außenstelle, Sonja Benz-Peiszan. So sind beispielsweise im Rahmen des Bewegungsprogramms Ausflüge zum Salzert-Bolzplatz oder in den Rosenfelspark vorgesehen. Dass die Schüler dafür auch an der viel befahrenen Wallbrunnstraße entlang müssen, sieht Benz-Peiszan als „Herausforderung und Lernfeld“: „Wir müssen die Schüler dafür sensibilisieren, denn sie nur vor der Gefahr zu schützen bringt nichts.“

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