Von Beatrice Ehrlich

Lörrach. Für Julian Moehring rückt der Abschied aus Lörrach näher. Am 19. August fliegt er in die USA, um am 1. September sein Studium am Berklee College of Music zu beginnen. Am Donnerstag verabschiedete er sich mit einem „Mixtape Concert“ im Werkraum Schöpflin. Es imponiert schon, wenn Julian Moehring ans Mikrofon tritt, um dort selbstsicher sogar die Moderation seines Konzerts zu übernehmen. Zu Gehör kommen neben bekannten Pop-Songs Jazz-Standards, aber auch Eigenkompositionen. Der 20-jährige Musiker, der letztes Jahr sein Abitur am HTG abgelegt und dort die Jazz-AG geleitet hat, spielt nicht nur hervorragend Klavier, sondern weiß auch seine Stimme vielfältig einzusetzen. Gleichzeitig, quasi aus dem Augenwinkel, dirigiert er seine Combo, zu der neben Bass und Schlagzeug auch ein ganzes Streichquartett gehört. Mit dabei sind auch vier ehemalige Mitstudentinnen aus der Stimmen-Akademie „Voicelab“, zu deren ersten Absolventen Julian Moehring gehört. Die Songs auf dem Tape – „Stücke, die mich in den letzten Jahre beschäftigt haben“ – haben es in sich. Julian Moehring singt, allein und im Duett, als kongeniale Partnerinnen stehen Nadja Weiß, Céline Huber, Anouschka und Natascha Gooneratne auf der Bühne. Vorerst ein letztes Mal stehen die fünf zusammen auf der Bühne, bevor jeder erst einmal seinen eigenen Weg geht. Ebenso verhält es sich mit den Musiker des „Julian Moehring Trio“, die Moehring durch die letzten Jahre begleitet haben.

Mit seinem sicherem musikalischen Gespür, aufwändig arrangierten Stücken und einem perfekt austarierten, an die räumlichen Gegebenheiten perfekt angepassten Klang erobert sich Moehring das Publikum. Gekonnt arbeitet er die verschiedenen Stile heraus: Mit einem melancholisch-beiläufigen Piano-Solo im „Boulevard of Broken Dreams“ (mit Céline Huber) oder einer spektakulären Version des Cole-Porter-Hits „Find me a primitive man“ (mit Anuschka Gooneratne).

Fast schon ein bisschen schade ist es, dass so wenig Persönliches aufscheint an diesem Abend. Ein Spaziergang auf Cape Cod, der Kauf eines Gedichtbands von William Blake, von dem er sich zu einem Lied inspirieren ließ („How sweet I roam’d“), das bleibt die einzige Anekdote an diesem Abend, die den Menschen hinter dem Musiker Moehring zeigt. Im Moment jedenfalls ist die Musik, das wird an diesem Abend deutlich, ein ziemlich wichtiger Lebensinhalt. Die Zusammenarbeit mit dem Streichquartett war eine gelungene Premiere, die Moehring weiterentwickeln will. „Ein Streichquartett im Jazz – das wäre mal etwas Neues. Ich finde den Klang der Streicher wunderschön“, erklärt er. Bleibt zu hoffen, dass in Amerika viele weitere Geschichten und Stücke hinzukommen. Lörrach freut sich schon auf das nächste Mixtape.