Lörrach Abschied vom „Eli“ nach 130 Jahren

Sie werden Lörrach verlassen: Vinzentinerinnen (v.l.) Schwester Maria Xaveria, Oberin Schwester Anemunda, Schwester Margarita und Schwester Esther; es fehlt Schwester Noemi. Foto: Peter Ade

Lörrach - Eine Ära endet. Die fünf verbliebenen, vielfach bis zuletzt aktiven Ordensschwestern verlassen das St. Elisabethen-Krankenhaus zum 31. Januar 2021. Über 130 Jahre arbeitssame Tätigkeit zum Wohle der Bürger der Stadt unter dem vinzentinischen Motto „Liebe sei Tat“ kennzeichnen das Wirken der Frauen.

In der Blütezeit des Ordens arbeiteten bis zu 50 Schwestern in der Klinik. Sie waren überwiegend in der Krankenpflege, aber auch in der Verwaltung und in Funktionsbereichen tätig. „Seit etlichen Jahren haben wir leider keine Neuzugänge mehr“, bedauert Schwester Anemunda Weh als Leiterin des Lörracher Konvents im Gespräch mit unserer Zeitung. So ist die Zahl der Schwestern auf fünf zurückgegangen. Eine von ihnen arbeitet noch „auf Station“.

Doch auch die „pensionierten“ Schwestern sind keineswegs untätig. Sie halfen bis zuletzt mit, wo immer sie gebraucht wurden und ihre Kräfte einen Einsatz im fortgeschrittenen Alter zuließen, zum Beispiel bei der Essensausgabe, bei Arbeiten im Stationszimmer oder beim Herrichten der Krankenbetten.

Die Mitarbeit der Schwestern ist bis heute auch in der Seelsorge zunehmend gefragt. Schließlich sind für einsame, kranke und sterbende Menschen Gespräch und Beistand genauso wichtig wie Medizin und Pflege.

Oberin Schwester Anemunda ist seit 1963 als Vinzentinerin am St. Elisabethen aktiv. Sie ist wie viele ihrer Mitschwestern gelernte Krankenschwester, hat Pflege-Management studiert und gehört als Seelsorgerin zum Team der Klinikleitung.

Für das „Eli“ begann die Ära der Vinzentinerinnen im Jahr 1913 mit der Eröffnung der Keimzelle des Hauses, der „Böhlerschen Klinik“ in der Feldbergstraße. Doch bereits 1888 begann das Wirken der Ordensfrauen als Gemeindeschwestern in St. Bonifatius. Somit gehen nunmehr über 130 Jahre arbeitssame Tätigkeit von Ordensschwestern zum Wohle der Bürger der Stadt Lörrach unter dem vinzentinischen Motto „Liebe sei Tat“ ihrem Ende entgegen.

„Wir bedauern den Weggang vor dem Umzug ins Zentralklinikum sehr und hätten uns ein Bleiben bis mindestens 2025 gewünscht“, schreibt die Leitung der Kreiskliniken in einem Rundbrief. Darin heißt es:

„Unsere Wertschätzung und unser Dank begleiten die Frauen auf ihrem Abschied, der sie zu ihren Mitschwestern nach Heitersheim und ins Mutterhaus nach Freiburg führen wird.“

Beruf und Berufung

Vorsitzender Geschäftsführer Armin Müller sowie Bernhard Hoch als Geschäftsführer Medizin und Marco Clobes, Geschäftsführer Verwaltung & Service, schreiben unter anderem: „Wir haben die Schwestern stets als ,gute Geister‘ des Eli erlebt, als Trägerinnen einer Haltung im Umgang mit Patienten, die für uns alle vorbildhaft ist. Die von den Ordensfrauen gewählte Lebensweise mag uns in den Zeiten der ,Work-Life-Balance‘ ungewöhnlich erscheinen; sie kennen keine Trennung zwischen Beruf, Berufung und Leben. Sie waren und sind immer da und dies weit über das übliche Rentenalter hinaus.“

Über all die Jahre hinweg war das „Eli“ für insgesamt fast 200 Schwestern nicht nur Arbeitsplatz, sondern Heimat, Wohnung und Familie – für manche einige Jahrzehnte, für viele das ganze Leben lang. Die Frauen waren in der Pflege, als Erzieherinnen, Lehrerinnen, Wirtschafterinnen und in vielen anderen Berufen tätig. Zwei Kriege, Wirtschaftskrisen und Wiederaufbau mit den für die meisten nur schwer vorstellbaren Herausforderungen hielten die Schwestern nicht davon ab, ihr Werk fortzuführen.

Die Leitung der Kreiskliniken würdigt insbesondere: „Das Denken und Handeln der Schwestern war stets modern und auf der Höhe der Zeit. Nicht zuletzt mit ihrer Entscheidung, die Trägerschaft ihres ,Eli‘ unter ein Dach mit den Kreiskliniken zu stellen, haben sie den Weg für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung mitgestaltet und ermöglicht.“

Ausdrücklich gedankt wird Schwester Anemunda, Schwester Margarita, Schwester Maria Xaveria, Schwester Noemi und Schwester Esther sowie all den Schwestern, die mit ihnen und vor ihnen im „Eli“ tätig waren. „Unsere guten Wünsche begleiten sie“, schreibt die Verwaltung.

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