Von Gottfried Driesch

Lörrach. Mord im Bühneli: Eher selten wagte sich das Theater bisher an dramatische Stoffe heran. Am Samstag hob sich der Vorhang zur Premiere des dramatischen Schauspiels „Das Missverständnis“ des französischen Schriftstellers und Dramatikers Albert Camus. Erstmals führte Kerstin Kapfer, vielen Besuchern des Bühneli als bewährte Schauspielerin bekannt, Regie.

Im „Missverständnis“ gibt es etliche Szenen, die so etwas wie schwarzen englischen Humor enthalten. Etwa wenn sich Mutter und Tochter darüber unterhalten, dass das vorgesehene Mordopfer keinesfalls ein Zimmer im zweiten Stock erhalten dürfe. Denn der Transport des betäubten Opfers über zwei Stiegen sei nun wirklich zu anstrengend.

Überragend: Rose-Marie Chaghaghi-Hermann als Mutter und Kerstin Kapfer als Martha

Ansonsten aber geht es wirklich dramatisch zu. In einem heruntergekommenen Gasthaus in Tschechien unweit eines Flusses warten die Mutter und Tochter Martha auf Gäste. Der Zahn der Zeit hat merklich an dem Gasthaus genagt. Die Wände haben schon seit vielen Jahren keine Farbe mehr gesehen, und die Tapeten lösen sich ab.

Immer wieder haben die beiden Wirtinnen Alleinreisende, von denen sie annahmen, dass sie Geld mit sich führten, mit einem Schlafmittel im Tee betäubt und in den Fluss geworfen. Da am Wehr des Flusses auch Selbstmörder angespült werden, sind die Verbrechen bislang nie aufgefallen.

Nach über 30 Jahren in der Fremde besucht der zu Wohlstand gekommene Jan seine verwitwete Mutter und seine Schwester Martha. Er ist fest davon überzeugt, dass er von beiden als Heimkehrer erkannt wird und gibt sich darum nicht zu erkennen. Doch diese merken nicht, dass es sich um den Sohn und Bruder handelt, sondern sehen nur den wohlhabenden Gast in ihm.

Überragende Darstellerinnen sind Rose-Marie Chaghaghi-Hermann als Mutter und Kerstin Kapfer als Martha. Spannungsreich und mit tiefen Gefühlen durchwirkt, tragen sie die Handlung über weite Strecken. Uwe Uhlemann überzeugte in seiner Rolle als Jan. Gleiches gilt für die kleineren Parts: Petra Glienke als Jans Ehefrau Marie und Karlfrieder Geiser als fast stummer Knecht.

Wie sich die Situation auf der Bühne auflöst, sei an dieser Stelle nicht verraten.

Das Premierenpublikum im gut gefüllten Saal ging hörbar mit der Handlung mit und quittierte die Leistung der Schauspieler mit einem lang anhaltendem Schlussapplaus.