Lörrach „Am gravierendsten empfand ich die Grenzschließung“

„Demokratie im Dreiländereck in Zeiten von Corona“ lautet der Titel der Podiumsdiskussion an diesem Freitag, an der auch Oberbürgermeister Jörg Lutz teilnimmt. Die Veranstaltung beginnt am Freitagabend um 19 Uhr im Hebelsaal des Dreiländermuseums. Es sind noch Plätze frei (Anmeldung siehe Info am Ende). Wie Lutz persönlich den Lockdown erlebte und welche Auswirkungen er länderübergreifend sieht, wollte Gabriele Hauger wissen.

Herr Lutz, was waren Ihrer Meinung nach die gravierendsten Auswirkungen der Corona-Pandemie in unserer Region?

Am gravierendsten empfand ich die Grenzschließung. Das hat das Leben in unserer Stadt und Region deutlich beeinträchtigt. Das haben Städte im Binnenland so logischerweise nicht erlebt. Liebespaare waren getrennt, Pendler zwischen Lörrach und Weil am Rhein mussten lange Umwege in Kauf nehmen, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Sie sind mit einer Schweizerin verheiratet. Wie ging es Ihnen und Ihrer Familie mit der Grenzschließung?

Es war schon ein merkwürdiges Gefühl: Wir konnten die Wohnorte unserer Verwandten und Bekannten in der Schweiz teilweise zwar sehen, aber Besuche waren nicht möglich.

Wie intensiv und effektiv war der Austausch in dieser Zeit mit Ihren Schweizer und französischen Kollegen? Und wie haben diese und die dortige Bevölkerung nach Ihrem Eindruck die Grenzschließung erlebt?

Es gab durchaus den Austausch, aber ich will ganz offen sein: Ich hätte mir mehr Austausch über die Grenzen hinweg gewünscht. Die Grenzschließungen wurden aufgrund des Handlungsdrucks jeweils national angeordnet, die trinationalen Gremien waren nicht involviert. Schade, denn das hätte trotz der unterschiedlichen Herausforderungen das Zusammengehörigkeitsgefühl im Dreiland gestärkt.

Corona-Leugner und Kritiker der angeordneten Schutzmaßnahmen traten auch in Lörrach öffentlich in Aktion. Diese sehen die Demokratie in Gefahr. Ist diese Kritik im Nachhinein betrachtet teilweise gerechtfertigt?

Ich habe diese Kritik nur selten gehört und ich halte sie nicht für gerechtfertigt. Die Krise ist immer die Zeit der Exekutive, also der Verwaltung. Schnelles Handeln ist gefragt, Entscheidungen müssen unter hohem Zeitdruck sofort und ohne jeden Verzug getroffen werden. Deshalb wäre ein dauerhafter Krisenmodus schwierig für eine Demokratie. Ich habe aber während der gesamten Zeit keine Eilentscheidung im Sinne der Gemeindeordnung treffen müssen. Wir waren in ständigem Kontakt mit dem Ältestenrat und bis auf den Monat April haben alle Gremiensitzungen stattgefunden.

Kann es Ihrer Meinung nach zu einem zweiten Lockdown kommen, wäre eine zweite Grenzschließung denkbar?

Corona hat uns gelehrt, dass viel geschehen kann, was wir für undenkbar gehalten hatten. Ich glaube aber, dass wir gelernt haben, besser mit der Corona-Pandemie umzugehen. Einen erneuten landesweiten Lockdown und Grenzschließungen halte ich für unwahrscheinlich. Die aktuelle Strategie, eher einzelne Gebiete als Risikogebiete zu definieren, halte ich für sinnvoller und effektiver.

Info:
Anmeldung noch bis Freitag, 12 Uhr, per E-Mail an kultur@loerrach.de oder unter Tel. 07621/415130.

Im Fokus der Diskussion, die gemeinsam mit der Landeszentrale für Politische Bildung organisiert wurde, stehen die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die drei benachbarten demokratischen Systeme.

Es diskutieren: Esther Keller, Großrätin der Stadt Basel, Mitglied der Grünliberalen Partei Schweiz (glp); Daniel Adrian, Co-Präsident Agglomeration St. Louis, Mitglied im Vorstand des Trinationalen Eurodistrikt (TEB), Bürgermeister Landser im Elsass. Matthias Zeller vom SWR leitet die Diskussion. Fragen aus dem Chat und aus dem Publikum werden von Lars Frick, Fachbereichsleiter Kultur und Tourismus, als Co-Moderator gefiltert.

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