Lörrach Ansteckend ausgelassen

Mit ihrem Programm im Lörracher Burghof spannte Angélique Kidjo einen weiten musikalischen Bogen. Foto: Beatrice Ehrlich

Von Beatrice Ehrlich

Lörrach. Es muss ihr einen Augenblick lang gespenstisch vorgekommen sein: Wo immer auf der Welt sie auftritt, sieht sich die afrikanische Sängerin Angélique Kidjo einer tanzenden und jubelnden Menge gegenüber. Ganz anders der Anblick im ausverkauften Burghof am Mittwochabend, das Publikum coronabedingt auf Abstand gesetzt und mit Masken auf dem Gesicht.

Aber für die weitgereiste und widerstandserprobte Sängerin, die sich über nichts so sehr freut, wie nach langen Monaten der Abstinenz wieder auf der Bühne zu stehen, war das kein Problem. Sie setzte der pandemiebedingten Eingefrorenheit ihre eigenen Heilmittel entgegen. Durch ihre anregende, vor Energie sprühende Art, die eingängigen Rhythmen der Songs, ihre ungeheuer wandelbare Stimme und nicht zuletzt durch die ausgelassenen Tänze, die sie selbst auf der Bühne vollführte, verstand sie es, die Stimmung gewissermaßen aufzudrehen unter ihren begeisterten Zuhörerinnen und Zuhörern, sodass zum Schluss, zur mitreißenden Hymne „Mama Africa“ doch der ganze Burghof auf den Beinen war.

In ihrem Programm spannte Angeéique Kidjo einen weiten musikalischen Bogen. Ihre Tradition und ihre Herkunft aus dem westafrikanischen Benin sind ihr dabei genau so wichtig wie die Einflüsse anderer Künstler, von Miriam Makeba bis Celia Cruz, von Bob Marley bis zu den Talking Heads, deren zum Teil weltbekannte Hits sie aufgreift – etwa „Pata pata“ (Makeba) oder „Redemption Song“ (Marley) – und ihnen mit ihrer eigenen Version die Ehre erwies.

Beim Publikum kam das bestens an, ebenso wie Kidjos eigene Songs, allen voran der sozialkritische Titel „Dignity“, mit dem sie auf ihrem neuen Album „Mother Nature“ neben der Naturschutzproblematik der schwarzen Selbstermächtigungsaktion „Black lives matter“ Tribut zollt. „Wir behandeln die anderen mit Würde, wir wollen mit Würde behandelt werden“ – wie immer, wenn Kidjo zwischen ihren Songs zum Publikum spricht, ist sie in ihren politischen Aussagen sehr deutlich. Angélique Kidjo singt auch auf französisch, etwa den bezaubernden Titel „Petite Fleur“, bei dem sie in einen feinfühligen musikalischen Dialog mit ihrem Bassisten tritt und ihre tiefe, warm rollende Stimme zur Geltung bringen kann. Der in fließendem Spanisch temperamentvoll vorgetragene Song „Sahara“ von Celia Cruz ist der Türöffner für eine ganz spezielle kubanische Note mit mehreren Stücken in Folge, die Kidjo diesem Lörracher Konzertabend verleiht.

Mit etwas wuchtigeren Rockklängen hatte im Vorprogramm die Sängerin Moonlight Benjamin aus Haiti auf den Konzertabend eingestimmt. Flankiert von zwei Gitarristen und prägnant unterstützt vom Schlagzeug hat die stimmgewaltige Sängerin, die heute in Frankreich lebt, einen eindrucksvollen Einblick gegeben in die von ihr selbst so bezeichnete Mischung aus Voodoo und Rock´n´Roll.

Mit Barfußtanz und Gebetsgesten setzte sie ihren Auftritt entsprechend in Szene, was nicht allen, aber doch den meisten Zuhörern gut gefiel.

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