Lörrach „Auf das Wort folgt die Tat“

Lörrach - Der Opfer von Krieg und Gewalt wurde am gestrigen Sonntag anlässlich des Volkstrauertags auch in Lörrach und dessen Ortsteilen gedacht. In der Kapelle des Hauptfriedhofs gestalteten Schüler der Hellbergschule die würdevolle Gedenkveranstaltung, bei der Oberbürgermeister Jörg Lutz den Bogen von den beiden Weltkriegen bis in die heutige Zeit spannte.

Lutz eröffnete seine Gedenkansprache mit einer mutmachenden Feststellung: In Deutschland gebe es seit 74 Jahren Frieden und Wohlstand, das sei die längste Friedensphase in der deutschen Geschichte. Aufgrund dieser Tatsache aber sei es jungen Leuten heute schwierig zu vermitteln, warum das Gedenken an die Opfer der beiden Weltkriege nach wie vor seine große Bedeutung hat. „Wir müssen uns fragen, wie wir diesen Gedenktag in die Zukunft führen können und er nicht nur zum äußeren Ritual wird, das zweifellos auch seine Berechtigung hat“, sagte das Stadtoberhaupt.

Aktuelle Krisenherde wie Syrien, die Ukraine oder der Irak seien zwar gefühlt weit weg. „Aber auch dort leben Menschen, Kinder und Jugendliche, die sich gerne mit ihrer Zukunft beschäftigen würden, aber tagtäglich um ihr Überleben kämpfen müssen“, legte Lutz weiter dar. Zugleich sei rechtsgerichtetes Gedankengut offenbar in Teilen der Gesellschaft wieder zunehmend verbreitet, sagte der Oberbürgermeister mit Blick auf den Anschlag auf eine Synagoge in Halle an der Saale am 9. Oktober. „Erst kommen die Gedanken, dann die Taten“, mahnte Jörg Lutz und appellierte an die verschiedenen Generationen. So sei es an den Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs, daran zu erinnern, dass „wir dies alles schon einmal erlebt haben und nicht wieder erleben wollen.“ An die anwesenden Schüler der Hellbergschule gerichtet, sagte Lutz: „Behaltet im Blick, was in den sozialen Medien gepostet wird, und tretet Hass, Ausgrenzung und Mobbing entgegen.“

Der Oberbürgermeister wusste auch Beispiele der Hoffnung zu nennen. So erinnerte er an die Mahnwache vor der Lörracher Synagoge am Tag nach dem Anschlag in Halle sowie an die Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht am 9. November, an der sich mehr als 300 Menschen beteiligten.

Ceren, Mary, Arlind, Alisa, Jennifer und Lena, Schüler der Hellbergschule, erinnerten mit Sandbildern und dem Rezitieren von Texten teilweise namentlich nicht bekannter Autoren zum Thema Krieg an die Notwendigkeit des Friedens. Da erschien ein Smiley im Sand, gefolgt von dem Wort „Krieg“, das durchgestrichen wurde. Dazu wurde das Wort „Frieden“ in verschiedenen Sprachen genannt, von Deutsch über Türkisch bis zu Russisch.

Musikalisch umrahmten Hanspeter Troendle an der Orgel, dem Lutz dafür dankte, dass er seit 50 Jahren den Volkstrauertag in Lörrach begleitet, und David Glenn an der Klarinette die Gedenkfeier. Zur abschließenden Kranzniederlegung am Ehrenmal spielte Oskar Szutenberg, Trompetenlehrer der Städtischen Musikschule, auf.

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