Lörrach Auf den Spuren des kühlen Nass

Toni Kostic
Die Wiese diente früher den Wäscherinnen. Foto: Fotos: Toni Kostic

Von den Waschhäusern über die Entwicklung der Industrie hin zur Versorgung und Bedrohung – eine Fahrradführung am Samstagnachmittag beleuchtet an mehreren Orten die vielfältigen Beziehungen Lörrachs zu seinem Wasser.

Von Toni Kostic

Lörrach. Sollte die Herleitung aus dem Keltischen zutreffend sein, sei der Namensursprung „Lorach“ zu übersetzen mit „Platz am Wasser“, erklärte Gästeführer Gerhard Sturm.

Erstmals fließendes Wasser in Lörrach

Das sei nicht zuletzt plausibel, weil mit der Wiese ein echter Bergbach von 82 Kilometern Länge vom Feldberg zur Mündung in den Rhein durch Lörrach fließt, der vor seiner künstlichen Anlage ein reich verzweigtes Netz an Nebenarmen hatte.

Die Frage, wann das Wasser in die Häuser Lörrachs kam, sei für ihn vor Jahren der Auslöser gewesen, der ihn dazu gebracht hat, sich mit der reichen Verbindung der Stadt zu ihrem Wasser und ihren Gewässern auseinanderzusetzen.

Vergangenen Samstag führte er im Rahmen des diesjährigen Erlebnisprogramms „Was(s)erleben“ des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Teilnehmer mit dem Fahrrad an einige Orte, die diese Beziehung besonders abbilden. Übrigens: „Am 30. Oktober 1887 konnte man erstmals den Wasserhahn in Lörrach aufdrehen, um frisches Wasser laufen zu lassen“, berichtete Sturm. Bis 1892 habe Lörrach damit zu den wenigen 42 deutschen Städten gehört, die eine solche Wasserversorgung vorweisen konnten.

Zunächst fuhr die Gruppe vom Alten Markt in der Innenstadt, wo ein Brunnen des Solothurner Brunnen- und Leitungsbauers Urs Bargetzi aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der damaligen alltäglichen Wasserversorgung diente, zum Waschhaus unterhalb des Meeraner Markts. Das kurz nach dem Ersten Weltkrieg erbaute, offene Haus wurde von örtlichen Waschfrauen noch bis in die 1950er Jahre hinein genutzt. Jedoch, erzählte Sturm, wurde die Wäsche regelmäßig von vorbeiziehender Farbe unfreiwillig gefärbt, die von den Textilbetrieben am Industriebach stammte.

Anfänge der Textilindustrie

Mit einer weiteren Station am ehemaligen Hauptgebäude der KBC beleuchtete Sturm die Anfänge der Textilindustrie in Lörrach, der ausreichend Wasser gerade recht kam. So wurde nach einer Phase der Hauswebereien und Hausspinnereien 1576 eine Weberzunft im Wiesental gegründet. Die Menschen sollen in dieser Zeit in weitgehender Armut gelebt haben, da sie, laut Sturm, nur ihren Eigenbedarf decken konnten.

Anders verhielt es sich dann mehr als 300 Jahre später als mit dem Unternehmen Koechlin, Baumgartner & Cie (KBC) einer der größten Textilbetriebe Europas in Lörrach angesiedelt war.

Weitere Haltepunkte hatten die Radler, denen der bewölkte Himmel eine gewisse Abkühlung verschaffte, am Parkschwimmbad, das in seiner Frühform ursprünglich ein verbreiterter Gewerbekanal war, und an der Wiese in Tumringen. Gerhard Sturm berichtete sehr detailliert und mit einigen historischen Fakten, wie die Wiese vor ihrer Begradigung durch Tulla für schwere Überschwemmungen bekannt war und im Zuge einer solchen 1781 eine „Verderbnis im Tal“ anrichtete, wie ein Zeitzeuge berichtete.

Die Tour endete am Wasserwerk im Grütt. Hier wurde die öffentliche Wasserversorgung mit dem Grütt selbst als einem Wassergewinnungsgebiet mit insgesamt sieben Tiefbrunnen erörtert.

Wasser als zentrales und aktuelles Thema

„Es waren viele interessante Fakten dabei, die man so nicht kennt und viele Orte, die man so noch nicht besucht hat“, sagte Amandine Tupin, Vorsitzende der BUND-Ortsgruppe Lörrach und Weil am Rhein. „Jedes Jahr finden innerhalb des Erlebnisprogramms mehrere Veranstaltungen statt, und jedes Jahr widmen wir uns einem anderen Thema.“ Diesmal hat sich der BUND für das Thema Wasser entschieden. „Letztes Jahr kam es auch in Lörrach zu Überschwemmungen“, sagte die Vorsitzende. Zusätzlich habe man sich mit Bewässerung und Landwirtschaft beschäftigt, so dass sich schließlich das Wasser als diesjähriger Fokus abzeichnete.

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