Lörrach Auf der armen Seite des Ganges

Markus Greiß
Maxi Schafroth (links) und Moritz Gruber bei ihrem bayerischen Heimatabend im Burghof. Foto: Markus Greiß

Gottlob ist die „kleine Durststrecke“ für Kabarettist Maxi Schafroth und seinen Gitarristen Moritz Gruber vorbei. Die 1,5-Meter-Abstandsregeln während der Pandemie hatten sie dazu verdonnert, zweieinhalb Jahre vor platzverwöhntem „Demeter-Publikum“ zu spielen, nun sind sie wieder „zurück in der konventionellen Landwirtschaft“.

Von Markus Greiß

Lörrach. Davon zeugen die rund 130 Zuschauer, die am Mittwochabend im Burghof-Foyer Schulter an Schulter Schafroths Kabarettprogramm „Faszination Bayern“ lauschen. Der Kabarettist nutzt die Gelegenheit gleich zur Gründung einer „konservativen Südallianz“ für den „alemannischen Halbmond“, der von seiner Heimat Unterallgäu über den Hochrhein bis Lörrach reicht. Das verbindende Element ist laut Schafroth die „tief schwäbische Mentalität“, die auch Baden-Württemberg auszeichnet – an dieser Stelle gibt es Geraune im Publikum. Und diese Mentalität schlägt sich in seinem Unterallgäuer Heimatdorf Stephansried in Form bayerisch-schwäbischer Sparsamkeit nieder. Dort lebt man leider auf der falschen Seite des Lechs, der das reiche Oberbayern vom armen Bayerisch-Schwaben trennt.

Was die Menschen diesseits und jenseits des „bayerischen Ganges“ auszeichnet, macht Schafroth mit seinem schnarrenden Allgäuer Akzent während seines zweistündigen „Heimatabends 2.0“ an eindrücklichen Beispielen deutlich: Für Oberbayern stehe etwa das „Starnberger Grattlerscheuchen“, bei dem die Starnberger mit den niedrigsten Bruttojahreseinkommen durchs Dorf getrieben und mit ihrer Steuererklärung an den Maibaum gebunden würden. Auf den Pisten machten selbstbewusste Münchner durch „Broad Munich Carving“ und ausgedehnte Einkehrschwünge auf sich aufmerksam. Die Allgäuer hingegen versuchten mit effizienter Kurventechnik und Hüttenabstinenz, den Skipass leerzufahren und den Preis pro Abfahrt zu drücken.

Über den Lech ins Gelobte Land nach München

Dem jungen Maxi hat diese Knausrigkeit durchaus Verdruss bereitet, weshalb er seinem Schülerschicksal als „alemannischer Arbeitsgnom mit Scout-Tornister“ entfliehen wollte.

Sein Sehnsuchtssong „I wanna go over the Lech“, gefühl- und mitleidsvoll begleitet von Moritz Gruber, kündet davon. Schafroth geht also über den Lech ins Gelobte Land nach München und lernt als Banker die Welt des Geldes, mit Koks aufgeputschte Discobesucher und seine Schickimicki-Kollegen Silke und Jörn kennen, die zu Krevetten-Pasteten mit Minzblatt an Trüffel-Jus laden. Weil das nicht sein Geschmack ist, kehrt er schließlich wieder auf den heimischen Hof zurück – mit Münchner Natursuchenden im Gepäck. So hat er das Beste aus beiden Welten: Die Kohle, die die Großstädter auf seinem heimischen Hof für Kuhdung-Fango und Delphintherapie in der Güllegrube blechen. Und die Bodenständigkeit einer Region, die sich in existenziellen Fragen wie dem musikalisch dargebotenen „Mähen oder nicht Mähen?“ seines Vaters widerspiegelt. Und wenn ihn das Fernweh doch wieder befällt, ziehen er und Kompagnon Gruber halt erneut als „heimatlose Gaukler durch die Lande“.

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