Lörrach Auf zu neuen Aufgaben

Die Oberbadische
Foto: Katharina Ohm Foto: Die Oberbadische

Vor ihrer Schließung herrschte in der Kleiderkammer des Freundeskreises Asyls jeden Freitag großer Andrang. Am Dienstag zeugten in den Räumen der Flüchtlingsunterkunft Gretherstraße – dem Domizil der Kammer - nur noch einige mit Kleidungsstücken gefüllte Säcke von der großen Hilfsbereitschaft der Lörracher.

Lörrach. Wehmütig, aber mit dem Gefühl großer Bereicherung blickte das Team der Kleiderkammer des Freundeskreis Asyl beim Pressegespräch am Dienstag auf das vergangene Jahr zurück. Viel haben die Frauen geleistet, nun müssen sie das Engagement aufgeben, weil die Gemeinschaftsunterkunft in der Gretherstraße als Anschlussunterbringung umgestaltet wird (wir berichteten) und die Räume der Kleiderkammer für andere Zwecke genutzt werden.

Die Überlegung, das Projekt in anderen Räumlichkeiten weiterzuführen, wurde verworfen, weil die Stadt einerseits keinen Ort zur Verfügung stellen konnten und das Angebot andererseits auch langsam auslief. Zum Schluss kamen noch rund 30 Besucher zur wöchentlichen Öffnungszeit.

„Am Anfang ging es zunächst darum, die Flüchtlinge erstzuversorgen“, berichte Dagmar Exner, die die Teamleitung übernommen hat. Nachdem 2016 immer weniger Flüchtlinge ankamen, und die Anwesenden begonnen hatten, sich langfristig einzurichten, veränderten sich die Bedürfnisse. „Wir hatten nicht mehr das Gefühl, dass wir so wirklich gebraucht werden“, so Exner. Darum sei die Schließung im Einklang mit den Organisatorinnen erfolgt.

Die Kleiderkammer wurde 2014 gegründet. Der Freundeskreis Asyl rief über die Zeitung und die sozialen Medien die Lörracher zum Spenden auf und wurde völlig überwältigt. „Es kamen so viele Kleider zusammen, dass der komplette Gottesdienstraum der Baptistengemeinde völlig überfüllt war. Ich wusste nicht, wie wir am nächsten Tag Gottesdienst feiern sollen“, erinnerte sich Exner.

Später zog die Kleiderkammer in die Räume der Gretherstraße. Um die 285 Meter Entfernung zu überbrücken, wurde in einer aufsehenerregenden Aktion eine Menschenkette gebildet, um die Kisten möglichst einfach ans Ziel zu transportieren.

Kreativ waren die Frauen allemal. So stellten sie kurzerhand eine rollende Kleiderkammer auf die Beine, als in der Notunterkunft im Entenbad rund 100 Flüchtlinge mit Winterkleidung versorgt werden mussten.

An allem wurde ständig gefeilt, wie Ulrike Seeburg ergänzte: „Wir fingen ja bei Null an, es gab auch frustrierende Momente, aber dadurch konnten wir unser System immer weiter verbessern.“

Am Anfang war der Andrang so stark, dass es schwer fiel, die Menschenströme zu lenken, das Team brauchte einen Türsteher. Auch waren zu Beginn alle Kleidungsstücke umsonst. Das führte zu Missbrauch, manche Kunden nahmen massenhaft Kleider mit, ohne diese vorher anzuprobieren. Deswegen führten die Organisatorinnen Preise zwischen zehn Cent und fünf Euro ein. Das zeigte Wirkung.

Ihr Engagement ganz aufgeben werden die Frauen laut Exner aber nicht: „Wir suchen uns als Gruppe eine neue Aufgabe, welche wissen wir noch nicht.“

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