Lörrach Aus Franks wilder Welt

Daniel Guggenheim von den „Grandsheiks“. Foto: Veronika Zettler

Lörrach - Hiesige Zappa-Fans können nicht klagen. Im Burghof und beim Stimmenfestival wurde in den vergangenen Jahren einiges Programm rund um Frank Zappa abgefahren: Sohn Dweezil war zwei Mal da, ebenso die „Grandmothers Of Invention“ mit Mitgliedern von Franks „Mothers Of Invention“, gefolgt von der Schweizer Tribute-Band „Fido“. Am Samstag spielten zum zweiten Mal die „Grandsheiks“ im Burghof-Foyer.

Mittlerweile haben regelmäßige Konzertgänger genug Live-Material gesammelt, um sich eine Meinung darüber bilden zu können, wer Zappa am zappaeskesten rüberbringt. Selbstverständlich gehen die Ansichten auseinander. Spannend bleibt es gleichwohl, Franks Glanznummern unterschiedlich interpretiert zu hören. So spielten die „Grandmothers“ im Burghof-Foyer eine grandiose Version von „Carolina Hardcore Ecstasy“ (1975), denen die „Grandsheiks“ am Freitag an gleicher Stelle eine ganz andere, nicht weniger hörenswerte folgen ließen.

Die Band

„Ich weiß nicht, wenn ich am Besten fand“, schwärmt eine Besucherin nach dem Konzert. „Die waren alle ganz toll“. Die „Grandsheiks“, hervorgegangen aus der Coverband „Sheik Yerbouti“, sorgen mit fünf hervorragenden Musikern für Klasse: Jörg Heuser (Gitarre), Thomas Schmittinger (Gitarre), Andi Mertens (Bass), Christian Majdecki (Schlagzeug) und Daniel Guggenheim (Keyboard, Saxofon). Einen ausgezeichneten Job macht der Offenburger Maximilian Hilbrand als Sänger, Performer und Einheizer.

Sound & Show

Skurril, verschachtelt und komplex, durchzogen von abrupten Rhythmuswechseln und durchdrungen von einem eigenwilligen Humor, der in der heutigen Zeit der Sprachregelungen weitaus provokanter wirkt als zu Zappas Glanzzeiten. Kurzum: Da gibt’s nichts zu meckern. Mit der richtigen Lautstärke lassen die Sheiks das Publikum in Franks wilde Welt eintauchen. Ein bisschen Dada, ein bisschen Gaga, geht es von einem virtuosen Solo ins nächste, von schrägem Sprechgesang punktgenau in majestätische Rockopernklänge. Manches Neuarrangement der „Grandsheiks“ birgt angenehme Überraschungen. Die beiden Gitarrenvirtuosen überzeugen ebenso wie Guggenheim an Synthesizer sowie Tenor- und Sopransaxofon – mehrfach brilliert er mit abenteuerlichen Kaskaden.

Die Setlist

Mit Franks selbstironischer Nummer „Dancin’ Fool“ (1979) steigen die Sheiks gewichtig ein, gefolgt vom Klassiker „I’m The Slime“ (1973): Gibt es hier viel Applaus für ein Gitarrensolo, geht der Beifall in „Po-Jama People“ (1975) an flirrende Saxofonpassagen. Es folgen der Monstersong „Cheepnis“ (1988), „Crew Slut“ (1979) und „Trouble Every Day“ (1986). „Is this twisted Jazz or perverted Rock?“, verdrehter Jazz oder pervertierter Rock, diese Preisfrage hatte Sänger Hilbrand schon vor zwei Jahren im Burghof gestellt – und auch diesmal stellt er Helene-Fischer-Tickets in Aussicht.

Rock- und Jazzmomente haben es jedenfalls gleichermaßen in sich: Beeindruckend, wie der in Zürich geborene Daniel Guggenheim das Stück „Easy Meat“ (1978) vom Album „Saarbrücken“ am Sopransaxofon filigran-elegant verziert. Wenig später setzt sich Maximilian Hilbrand eine blonde Perücke auf und mimt den „Lonesome Cowboy“ (1971), ehe „Dinah-Moe Humm“ (1983) und die zynische Nummer „Wet T-Shirt Nite“ (1979) an der Reihe sind – Hilbrand singt das Stück im Duett mit einem Wischmopp.

Als Zugabe gibt es „My Guitar Wants To Kill Your Mama“ und die Hymne „Sofa“. Letztere ist nicht etwa eine Übersetzung des Originals: Sätze wie „Ich bin alle Tage und Nächte“ hat Frank Zappa 1975 auf deutsch gesungen.

Sie möchten alle Nachrichten aus Ihrer Gemeinde lesen?
Dann testen Sie unser ePaper – 3 Wochen völlig gratis und unverbindlich! Klicken Sie HIER.

Newsticker

blank

Umfrage

<!-- 'image.alt' is undefined -->

Der Vorschlag, eine allgemeine Masern-Impfpflicht einzuführen, sorgt für hitzige Diskussionen. Was halten Sie davon?

Ergebnis anzeigen
loading