Lörrach Barocke Klänge in der Kirche

Singen mit Maske geht nicht. Darum wurde streng auf die Abstände geachtet.Foto: Driesch Foto: Die Oberbadische

Von Gottfried Driesch

Lörrach. Das Gastspiel des Stuttgarter Kammerchors unter der Leitung seines Gründers Frieder Bernius in der Kirche St. Bonifatius wurde zu einer Demonstration erstklassigen Chorgesangs. Um möglichst vielen Musikliebhabern in den Zeiten der Pandemie den musikalischen Genuss zu ermöglichen, gab der Chor am Donnerstag das Konzert gleich zwei Mal hintereinander.

„Europäischer Spitzenchor“ zu Gast

Bei der Vorstellung des kirchenmusikalischen Jahresprogramms im Januar dieses Jahres schwärmte der Organisator der ConBoni-Benefizkonzerte, Kirchenmusiker Andreas Mölder: „Man hat nicht oft Gelegenheit, einen europäischen Spitzenchor in Lörrach zu hören“ (wir berichteten). Und Mölder hat bei seiner Ankündigung nicht übertrieben.

Das Programm spannte den Bogen von Johann Sebastian Bach über seinen Zeitgenossen Domenico Scarlatti zurück zu Bach. Bach und Scarlatti wurden im gleichen Jahr (1685) geboren.

Die Bach Motette „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir“, BWV 228, eröffnete das Konzert. Die Entstehungszeit des Werkes kann mangels historischer Quellen nicht genau fixiert werden. Der Chor brillierte mit leuchtenden Einsätzen und ausgewogenen Stimmen. Wie auch bei allen weiteren Werken begleiteten Sonntraud Engels-Benz (Orgel) und Juris Teichmanis (Violoncello) die Werke als Basso continuo.

Einen gewaltigen Sprung ins 20. Jahrhundert machte „Immortal Bach“ des Norwegers Knut Nystedt. In dem 24-stimmigen Chorwerk bekleidete jeder der Chorsänger eine eigene Stimme und trat somit solistisch auf. Dem Werk liegt der Bach-Choral „Komm süßer Tod“ zu Grunde.

Ebenfalls an Bach angelehnt ist „Contrapunctus I“ von Dieter Schnebel. Der Komponist nimmt Bachs „Die Kunst der Fuge“ als Vorbild und lässt 20 Singstimmen räumlich verteilt im Chorraum auf Vokalisen das Werk singen. Der Eindruck, den die Verteilung der Instrumentalstimmen auf menschliche Stimmen erzeugt, ist überwältigend.

Das Hauptwerk des Konzerts war das „Stabat mater“ von Domenico Scarlatti. Nach dem vielfältig vertonten lateinischen Text über die schmerzensreiche Mutter Gottes folgt die Musik den strengen Gesetzen und Regeln der Barockzeit. Hier konnte man sich ganz der herrlichen Musik hingeben.

Frieder Bernius dirigierte mit Spannkraft und viel Engagement. Seine Interpretation lässt seine reiche Erfahrung über mehr als 50 Jahre, so lange existiert der Stuttgarter Kammerchor bereits, erahnen.

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